Pierre Vogel Hassprediger oder nicht?

  • Aktualisiert am 03.01.2012

ZÜRICH – Für moderate Muslime ist der deutsche Prediger Pierre Vogel (31) ein rotes Tuch. Doch viele junge Immigranten identifizieren sich mit den radikalen Ansichten des Ex-Boxers.

Für Qaasim Illi, Sprecher des Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS), ist klar: «Pierre Vogel ist kein Hassprediger. Er vertritt einen orthodoxen Islam – genauso wie es in Westeuropa auch orthodoxe Juden und christliche Fundamentalisten gibt.»

Islam-Expertin Saïda Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam widerspricht: Die Positionen Vogels – gerade gegenüber Frauen – seien dermassen intolerant, dass sie nicht mehr weit vom Hass entfernt seien.

Pierre Vogel ist eine Art Popstar für die junge muslimische Einwanderergeneration in Deutschland und der Schweiz. Aber der radikale Konvertit spricht ebenfalls orientierungslose Einheimische aus christlichen Elternhäusern an, die im Koran einen neuen Sinn für ihr Leben finden. Auch Qaasim Illi und der Präsident des IZRS, Nicolas Blancho, sind solche Konvertiten.

Vogel ist gegen Gewalt

Mit seinen Internetsendungen erreicht Vogel hunderttausende junge Moslems im deutschsprachigen Raum. Er gibt sich dabei nicht als Geiferer, der den heiligen Krieg propagiert. Viel wichtiger ist dem charismatischen Ex-Boxer ein Leben im Sinne des Propheten Mohammed.

Gewalt ist in seinen Augen nicht mit dem Koran vereinbar – also sind auch Terrorattacken verboten. Die Anschläge von New York, Madrid oder London versucht er mit seinem Weltbild in Übereinklang zu bringen, indem er bestreitet, dass tatsächlich Muslime dahinterstecken.

Vogel spricht sich dafür aus, dass Frauen ein Kopftuch tragen sollten, und propagiert die Keuschheit vor der Ehe. «Ich kenne das alles: Spielhallen, Discos, Frauen. Und ich weiss auch, wieso es besser ist, das andere Leben zu leben, in dem man keusch ist und dann heiratet»: Solche Sätze Vogels kommen bei vielen Immigrantenkindern gut an, die nach klaren Strukturen in ihrem Leben suchen.

Allah oder Hölle

Mit der modernen, liberalen Welt gerät Vogel auch auf anderen Feldern in Konflikt. Er lehnt die Evolutionstheorie ab, weil sie im Widerspruch zum Koran stehe. Und auch das friedliche Nebeneinander verschiedener Religionen ist nicht sein bevorzugtes Modell: In seiner perfekten Welt gibt es nur noch Moslems.

Nur wer sich zu Allah bekennt, kann seiner Meinung nach der Hölle entgehen. Getreu seinem Motto des Gewaltverzichts will Vogel aber niemand zum Konvertieren zwingen – sondern die neuen Gläubigen alleine mit der Kraft des besseren Arguments gewinnen.

«Das Coolste wäre, wenn der Papst zum Islam käme. Der Ratzinger. Er hat zwar gesagt, dass er den Dialog mit den Muslimen fördern will. Das ist schön, aber noch besser wäre, wenn alle Menschen Muslime werden. Das ist unser Ziel», erklärte er an einem Vortrag in einer Frankfurter Moschee.

«Islam bietet Frauen Geborgenheit»

Und was ist mit der Frauenfeindlichkeit? Alles Ansichtssache, würde Vogel wohl erwidern. «Der Islam bietet den Frauen Geborgenheit.» Sie würden geehrt und beschützt; zudem könnten sie sicher sein, dass ihr Mann – wenn er es denn ernst meint mit der Religion – nicht anderen Frauen hinterherschaue, erklärte er gemäss der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit».

Statt sich zwischen Karrieredruck, Quickdating und Schönheitswahn aufzureiben, dürfe sich die Frau im Islam auf das Wesentliche konzentrieren, auf ihre Natur, sagt der charismatische Prediger. Es sind solche Sätze, die moderate Muslime wie Saïda Keller-Messahli auf die Palme bringen. (hhs)

Pierre Vogel will keinen heiligen Krieg – aber eine Welt voller Moslems ist sein Ziel.- ZVG

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