Hanf-Freunde drehen am Abstimmungs-Joint

  • Aktualisiert am 14.01.2012

BERN – Klare Rauchzeichen von Sucht- und Rechtsexperten: Sie wollen straffreien Cannabis-Konsum – um die Jugend zu schützen und den Süchtigen zu helfen.

«Das Cannabis-Verbot ist das Schlimmste für die Gesundheitspolitik», sagte heute Christian-Nils Robert, Jus-Professor an der Uni Genf. Zusammen mit weiteren Experten legte er anlässlich einer Medienkonferenz zur Informationskampagne des Komitees «Ja zur Hanfinitiative» seine Gründe für die Unterstützung der Initiative dar.

Mehrere wichtige Gründe sprechen laut Robert gegen ein Verbot: Über ein verbotenes Produkt könnten die Behörden potenzielle Konsumenten nicht präventiv informieren – und auch Konsumenten nicht auf die Risiken aufmerksam machen.

Attraktiv für Dealer

Kriminelle Organisationen, die lediglich an einer Steigerung der Nachfrage interessiert seien, würden angelockt und der Handel sowie die Konsumenten könnten nicht kontrolliert werden. Anstatt Verbote brauche es deshalb Regulierungsmassnahmen.

Eine Entkriminalisierung erleichtere zudem den Zugang zu Hilfsangeboten, betonte Daniel Meili, Vorstandsmitglied Schweizerische Gesellschaft für Suchtmedizin (SSAM). Die Hürde, fachliche Unterstützung zu suchen, sei bei drohenden strafrechtlichen Sanktionen sehr hoch.

«Die Kriminalisierung des Konsums verhindert somit eine wirksame und kosteneffiziente Betreuung von Menschen, denen der Cannabiskonsum zum Problem wird», sagte Meili, der Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie.

Leichtere Prävention

Ins selbe Horn bläst auch die Eidgenössische Kommission für Drogenfragen (EKDF). Für Präsident François van der Linde ist klar: Präventive Massnahmen liessen sich in einem regulierten Markt weit besser und wirkungsvoller durchführen.

Rechtsanwalt und Nationalrat Daniel Vischer (Grüne/ZH) konzentriert seine Forderung nach Entkriminalisierung auf den Aspekt der Selbstschädigung. Diese sei im Grundsatz straffrei, etwa bei der Selbsttötung. «Da ist es doch absurd, wenn eine milde Form der Selbstschädigung hingegen bestraft wird.»

Es gehe nicht darum, den Hanfkonsum für harmlos zu erklären, betonte Vischer. Es brauche Jugendschutz. Aber das Strafrecht sei nicht das geeignete Mittel dazu. (SDA/hhs)

CVP ist sauer wegen Plakaten

BERN – Die CVP ist alles andere als glücklich über der Plakatkampagne des Komitees «Ja zur Hanfinitiative». Das Vorgehen, das CVP-Erscheinungsbild für klar irreführende Aussagen zu missbrauchen, sei äusserst fragwürdig, urteilt die Partei. Die Plakate, die das überparteiliche Komitee heute vorstellte, sind in den Farben und den Typographien der vier Bundesratsparteien gestaltet. Nach CVP-Manier prangt etwa in orangen Lettern auf halb weiss und halb blauem Hintergrund der Slogan «Stopp Jugendgefährdung – Ja zur Hanf-Initiative». Oder in blau-weiss-schwarzen Buchstaben im FDP-Stil «Stopp Verbotsstaat – Ja zur Hanf-Initiative». FDP und die SP stehen aber hinter der Initiative – im Gegensatz zu CVP und SVP.
Würde das Stimmvolk der Empfehlung zahlreicher Experten folgen, wäre das Kiffen bald legal.- RDB

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