Wahrlich, niemand liest gerne über sein Privatleben in der Zeitung. Ausser vielleicht ein Hollywood-Star, bei dem dies Teil des Geschäftes ist. Und in der Regel schreiben die Schweizer Zeitungen auch kaum über das, was hinter den Wohnungstüren
Prominenter passiert.
Warum ist Herrn Nefs Beziehungsleben von Interesse? Weil Herr Nef erstens nicht Herr Irgendwer ist, sondern Chef der Schweizer Armee. Von einem Armeechef er-warten wir Ruhe, Analysefähigkeit und besonnenes Handeln. Wir wollen ja nicht, dass er wegen seines erhitz-ten Blutes gleich Raketen abschiesst oder Panzer auffahren lässt. Deshalb ist seine emotionale Belastbarkeit nicht Privatsache.
Das sah wohl auch Bundesrat Schmid so. Und verschwieg wohlweislich der Gesamt-Regierung die Schwäche des neuen obersten Generals. Das ist der zweite Grund. Wenn etwas von höchster Autorität bewusst verschwiegen wird, hat das Bedeutung.
Den dritten Grund liefert Nef gleich selber: Zuerst schwieg er, dann liess er sprechen, und jetzt droht er mit Klagen. Mit der Stellungnahme machte er selber sein Beziehungsleben zur öffentlichen Sache.
Schlimmer ist aber etwas ganz anderes: Sein hektisches Handeln lässt uns immer mehr zweifeln, ob er der souveräne Führer unserer 146 000 Mann starken Armee sein kann.