Neutrino-Messung Haben die CERN-Forscher falsch gemessen?

  • Publiziert: 23.02.2012
Überlichtschnelle Neutrinos oder Messfehler? - Forscher am CERN in Genf rätseln über ungewöhliche Messergebnisse play

Überlichtschnelle Neutrinos oder Messfehler? Forscher am CERN in Genf finden zwei mögliche Fehler.

(sda)

GENF - Es wäre die Forschungssensation des Jahrhunderts gewesen: Doch nun räumen Physiker am CERN in Genf ein, dass womöglich nur ein fehlerhafter Kabelanschluss Einsteins Relativitätstheorie in Frage stellte.

Die Welt der Physik geriet in Aufruhr, als ein Experiment am CERN in Genf vor einem halben Jahr Teilchen fand, die anscheinend schneller waren als Licht. Nun haben die Forscher zwei mögliche Fehler in ihren Messungen gefunden, wie das CERN mitteilte.

Eine mögliche Fehlerquelle liege in einem Glasfaserkabel, das externe GPS-Signale an die Kontrolluhr des Experiments übermittle, heisst es in der Mitteilung. Hat diese Verbindung tatsächlich nicht richtig funktioniert, haben die Forscher für die untersuchten Neutrino-Teilchen eine zu hohe Geschwindigkeit gemessen.

Oder noch schneller?

Der zweite mögliche Fehler dagegen hätte dazu geführt, dass das Tempo sogar noch unterschätzt wurde. Diese Fehlerquelle liegt laut Communiqué in einem Oszillator, welcher der Synchronisierung der GPS- Signale dient. Um herauszufinden, ob es sich wirklich um Defekte handelte, wollen die Forscher im Mai Tests durchführen.

Im September 2011 hatten Forscher des Opera-Experiments am CERN Messergebnisse publiziert, wonach winzige Elementarteilchen namens Neutrinos schneller als Licht fliegen. Die Ergebnisse verblüfften die Fachwelt, denn die Lichtgeschwindigkeit gilt nach Albert Einstein als oberste Geschwindigkeitsgrenze im Universum.

Bei dem Opera-Projekt massen Forscher in einem unterirdischen Labor in den Abruzzen in Italien die Geschwindigkeit von Neutrinos, die im rund 730 Kilometer entfernten Genf erzeugt worden waren. Rund 15'000 dieser Teilchen legten die Strecke nach Italien 60 Nanosekunden schneller als mit Lichtgeschwindigkeit zurück.

Lange Fehlersuche

Die am Experiment beteiligten Physiker gaben damals an, sie hätten über Monate ihre Versuchsanlage auf mögliche Fehlerquellen abgesucht. Erst als sie keine gefunden hätten, hätten sie sich entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen mit den Resultaten, die Einsteins Relativitätstheorie in Frage stellen.

Neue Messungen im November 2011 schienen weitere Belege zu liefern, dass Neutrinos schneller als Licht fliegen können. Allerdings blieb ein grosser Teil der Forschergemeinde skeptisch. Zuvor gab es nie Anzeichen, dass Einsteins Theorie falsch sein könnte. Die Lichtgeschwindigkeit wurde noch in keinem Experiment durchbrochen.

Mehr Geduld

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte Edward Blucher, Chef des Departments Physik an der Universität Chicago, die Resultate des Opera-Teams wären «atemberaubend» gewesen, wenn sie gestimmt hätten. Sie hätten viele Diskussionen ausgelöst, aber nur wenige hätten wirklich daran geglaubt.

Er habe niemanden getroffen, der darauf gewettet hätte, dass die Messungen korrekt seien. Die Opera-Forscher hätten ihr Experiment sicher so sorgfältig durchgeführt, wie sie konnten, und als ihnen die Ideen für mögliche Fehlerquellen ausgingen, gingen sie an die Öffentlichkeit. «Vielleicht hätten sie damit noch ein paar Monate warten sollen», sagte Blucher.(SDA)

Kommentare (3)

  • Guido  Pescio
    Bei allem höchsten Respekt vor Albert Einstein!
    Wieso sollte es etwas mit Ueberlicht-Geschwindigkeit geben?
    Hm....wieso eigentlich nicht?
    • 23.02.2012
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  • Marcel  Schaffer , Vientiane
    Hätte mich auch gewundert, wenn die Einsteinsche Theorie so einfach aus dem Sattel zu heben gewesen wäre......
    • 23.02.2012
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  • Christian  Dürig , Bern
    Raymond Davis Junior erhielt 2002 für seine Neutrinoforschung den Nobelpreis in Physik. Die Oszillation der Neutrinos sind nur möglich, wenn sich die Neutrinos langsamer als c ausbreiten. Da man sie sogar nachweisen kann, müssen sie Masse besitzen. CERN hat sich mit dem NEUTRINO OPERA Experiment blamiert. Macht doch nichts, das kann passieren. Crigs
    • 23.02.2012
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