Bundesrat Schmid: «Stargast» in der «Tagesschau» «Habe zu viel Vertrauen geschenkt»

  • Publiziert: 04.09.2008, Aktualisiert: 09.01.2012

ZÜRICH – Der Magistrat steht bös unter Druck. Höchstpersönlich hat sich Verteidigungsminister Schmid in die «Tagesschau» begeben. Um den Schwarzen Peter erneut an seinen Ex-General Nef weiterzureichen.

Mit verschränkten Händen stand er vor Tagesschau-Moderator Franz Fischlin. Sichtlich bemüht, die Ruhe zu bewahren. Der Bundesrat liess aber kaum einen Vorwurf gelten und zog zu seiner Entlastung immer wieder die Unschuldsvermutung bei. Sie habe immer für seinen Ex-Angestellten Roland Nef gegolten – und tue dies auch heute noch.

Zur Kenntnis genommen habe er zwar im Herbst 2006 die Tatsache, dass Brigadier Nef in ein Strafverfahren verwickelt sei. Als der Monate später Armeechef werden sollte, spielte dieses aber keine grosse Rolle – wegen der Unschuldsvermutung. «Es wäre willkürlich gewesen, wenn es anders verlaufen wäre», sagte er.

Den Vorwurf gelogen zu haben, wies Schmid gegenüber Tagesschau-Mann Fischlin zurück: «Was hätte ich denn für einen Vorteil davon, bewusst die Unwahrheit gesagt zu haben?», fragte er. Heute Mittag noch hatte Samuel Schmid gegenüber Radio DRS erklärt, er habe sich zum Zeitpunkt diesem Zeitpunkt nicht mehr an das Verfahren gegen Nef erinnert.

Apropos Unschuldsvermutung: Eines gab Schmid in der «Tagesschau» zu. Er habe Nef zu sehr vertraut. Er sei vom späteren Armeechef wahrscheinlich nicht vollständig über die Angelegenheit orientiert worden. Den Schwarzen Peter hat er damit wieder an seinen Ex-General zurückgegeben. (SDA/bih)

Keckeis: Habe Chef informiert

Im Zuge der Untersuchungen gegen Roland Nef liess die Zürcher Staatsanwaltschaft am 26. Januar 2007 auch eine Razzia im Büro das damaligen Brigadiers Roland Nef durchführen. Selbstverständlich habe er davon erfahren, sagt nun Christophe Keckeis, Nefs Vorgänger als Armeechef zur TV-Sendung «10vor10». Er habe damals auch Bundesrat Schmid darüber informiert. Offenbar hat dieser also nicht nur vergessen, dass er im November 2006 über die Vorwürfe an Roland Nef informiert worden war, auch an die Razzia im Büro eines seiner ranghöchsten Offiziere scheint er sich nicht mehr zu erinnern.

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