Gut, gibt es Anita Winter! Sie macht Holocaust-Überlebenden das Leben leichter

Vor zwei Jahren gründete Anita Winter (54) die Stiftung Gamaraal, welche Holocaust-Überlebende in der Schweiz unterstützt – vor allem finanziell Benachteiligte.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Schimmel-Alarm in der beliebten Baby-Giraffe! Sophies schmutziges Geheimnis
2 Ärzte des Zürcher Kinderspitals schlagen Homöopathie-Alarm ...
3 Zürcher Versicherungs-Chef macht «Plauschfahrt» Mit 174,7 km/h auf...

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
1 shares
8 Kommentare
Fehler
Melden

Paris, Kopenhagen, Nizza und nun Berlin. «Die meisten Holocaust-Überlebenden haben grosse Angst», sagt Anita Winter, (54), Präsidentin der Stiftung Gamaraal. «Der Terror steht vor der Tür, die Angst davor – und vor Antisemitismus – ist in ihre Herzen eingebrannt!» Zum jüdischen Lichterfest Chanukka, das gestern begann, konnte sie einen Unterstützungsbeitrag an 84 von Armut betroffene Holocaust-Opfer in der Schweiz überweisen.

«Die Dunkelziffer ist sehr viel höher», sagt Winter, selbst Tochter von Holocaust-Verfolgten. «Experten gehen davon aus, dass jetzt noch 480000 Holocaust-Opfer weltweit leben, die Hälfte von ihnen ist armutsbetroffen.»

«Wir geben ihnen finanzielle Zuwendungen, Zeit und vor allem die Gewissheit, dass sie nicht alleine sind, ihre Traumata verstanden werden.»

Die Stiftungspräsidentin: «Es ist mir eine Herzensangelegenheit, ihnen zu helfen und beizustehen.» Die Mittel dazu spenden Banken, Privatpersonen und Holocaust-Überlebende, denen es finanziell gut geht. Es komme auch vor, dass sich Kinder von Nazis bei ihr melden und sagen: «Endlich können wir etwas wiedergutmachen.»

Die letzten lebenden Zeitzeugen

Winter rief ihre Stiftung 2014 ins Leben. Sie archiviert Briefe, Berichte von Zeitzeugen und versendet dreimal jährlich zu jüdischen Feiertagen ein kleines Geldgeschenk. Was Anita Winter von den Menschen zurückerhält, die den Zweiten Weltkrieg noch heute in jedem einzelnen Moment emotional spüren, ist berührende Dankbarkeit – und ihre Lebensgeschichten, die in vielen Fällen kaum jemand kennt. Was die zierliche vierfache Mutter aus Baden AG leistet, verdient Respekt.

Es gebe viele, die ihren Kindern, um sie vor dem Schock zu bewahren, nie von den unvorstellbaren Leiden im Konzentrationslager erzählt hätten – und solche, die nie erwähnen, dass sie Juden sind.

Sie sagen nicht, dass sie Folter, Flucht und Vertreibung erlebt haben. Die Armen unter ihnen seien schon lange verstummt: «Sie schämen sich. Und sie haben Panik, registriert zu werden.»

Den Betroffenen in der Schweiz gibt Gamaraal eine Stimme. Anita Winter: «Es sind die letzten lebenden Zeitzeugen. In einigen Jahren werden sie leider nicht mehr unter uns sein.» Das jüngste Holocaust-Opfer in der Schweiz ist 74 Jahre alt.

Es sei für die historische Aufarbeitung von immensem Wert, ihre Geschichten zu hören. Schreiben dieser Menschen, die Winter erhalten hat, übergibt sie nun dem ETH-Archiv für Zeitgeschichte in Zürich.

Das Leid wurde zu wenig beachtet

Die Idee zu Gamaraal sei ihr bei einem Essen mit dem damaligen israelischen Sozialminister Jitzchak Herzog (56) gekommen. Sie habe ihn gefragt, was der jüdische Staat heute anders machen würde als bei der Gründung 1948. «Ein grosses Versäumnis war, dass Israel nach der Staatsgründung das Leid der Schoah-Überlebenden kaum realisiert hatte und lange deren Leid und die Traumata zu wenig beachtete.» Schoah ist der hebräische Begriff für den Judenmord der Nazis.

Winter: «Es darf nie mehr passieren, dass Menschen wegen ihres Glaubens getötet werden. Wäre Hitlers Gedanke der Endlösung aufgegangen, gäbe es mich nicht, meine Kinder nicht und viele wunderbare Menschen nicht.»

Damit stösst sie weit herum auf Interesse, Offenheit, je nach Projekt auch auf finanzielle Hilfe der öffentlichen Hand. Sie spricht viel mit hiesigen Politikern, aber auch mit dem deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck (76), sogar mit dem Papst und dieses Jahr dreimal vor der Uno.

Denn sie hofft, dass ihre Stimme für die Holocaust-Überlebenden laut genug ist, um überall gehört zu werden.

Publiziert am 01.01.2017 | Aktualisiert am 01.01.2017
teilen
teilen
1 shares
8 Kommentare
Fehler
Melden

8 Kommentare
  • reno  winter 02.01.2017
    Wer unterstützt die Palestinenser? Die Jüdische Gemeinschaft besitzt genug Geld auch in USA um Ihre Leute zu unterstützen. Oder wird das viele Geld lieber für Waffen gegen Palästina verwendet???
  • Rolf  Gassmann , via Facebook 01.01.2017
    Sorry, aber uns haben die Schweizerbehörde auch unsere Tochter weg genommen. Meine Frau ist Polin und wir leben im 21 Jahrhundert.
    Die Schweizerbehörde hat uns Finanziell ruiniert da wir unsere Tochter wieder durch den Anwalt zurück kauften. Wir konnten diese Ungerechtigkeit nie verdauen. Wir wurden nie entschädigt. Und unsere Tochter die zwei Jahre falsch behandelt wurde erst recht nicht.
  • Hansruedi  Gut , via Facebook 01.01.2017
    Einerseits ist es richtig, dass der Holocaust nicht vergessen wird, aber anderereits bemueht sich die momentane Politik sehr darum aehnliche Umstaende welche damals u.a. den Holocaust moeglich machten wieder heranzufuehren.
  • peter  hug aus LAmetlla de mar
    01.01.2017
    Und wer unterstützt die vielen Kinder in Vietnam die immer noch unter den Folgen der Entlaubzngsgifte der USA leiden..interessiert niemanden... warum wohl......
    • Josef  Blocher 02.01.2017
      Falsch. Es gibt zig Organisationen, die in Vietnam helfen,angefangen bei Terre des Hommes etc. Es gibt nichts einfacheres heute,als sich im Internet kundig zu machen.Also:Statt jammern, spenden. Oder kneifen sie?
  • Eugen  Inauen 01.01.2017
    Holocaust Ueberlebende, soweit mit bekannt ist soll der
    Holocaust eine neue Religion sein. Aber hier wird das
    nicht gesagt. Deutschland hat X Millionen an
    Gutmachung bezahlt, ich kann das kaum
    glauben, dass es immernoch soviele
    Arme gibt.
    • Alex  Müller aus Thalwil
      01.01.2017
      Danke für Ihre Meinung. Ich schliesse mich dieser gerne an. Ich lebe in der Schweiz und mache mir mehr Gedanken um die Armen Schweizer hier. Für diese macht niemand eine Stiftung. Es geht, wie oft, nur ums Geld und Geld verdienen. Unnötiger Bericht.
    • peter  Schaad 01.01.2017
      Der Holocaust war schrecklichst und keiner von uns denke ich möchte auch nur einen einzigen Tag in einem Konzentrationslager verbracht haben wollen. Ich finde es toll, dass es diese Stiftung gibt. Und Herr Müller, sie können doch auch eine Stiftung eröffnen, z.B. für die nach wie vor leidenden Verdingkinder, um eine Schweizer Gruppe zu helfen, die es sicher nötig hat.