Guantánamo-Häftlinge in die Schweiz?

  • Aktualisiert am 13.01.2012

BERN – Die Schweiz will unter Umständen Gefangene aus Guantánamo aufnehmen. Laut Bundesratsprecher Sigg eine «Sache des Goodwill». Was halten Sie davon?

Die Schweiz will Terror-Verdächtige aus dem US-Gefangenenlager auf Kuba aufnehmen, obwohl das Land 2008 mit 50 Prozent mehr Asylgesuchen kämpft? Dabei hat doch die Schweiz bereits drei Asylgesuche von Guantánamo-Häftlingen abgelehnt. Darauf angesprochen, erklärt Bundesratsprecher Oswald Sigg gegenüber Blick.ch, dass die Angelegenheit so einfach nicht sei.

Im Einzelnen muss zuerst geklärt werden, wie viele Häftlinge überhaupt in die Schweiz kommen würden. Geht es nach Rechtsprofessor Manfred Novak dürften von den fast 300 Guantánamo-Häftlingen nicht mehr als drei in die Schweiz kommen. Der Rest wird in anderen Ländern untergebracht, wie Novak gegenüber dem «Tages-Anzeiger» erklärte.

Auch wenn nur zwei oder drei ehemalige Insassen in die Schweiz kämen: Der Bund prüft ganz genau, wer diese Männer sind und wieso sie in Guantánamo waren. Das bestätigt auch Sigg: Die Frage der Sicherheit für die Schweiz stehe absolut im Vordergrund.

Die Schweiz hatte bereits zu einem früheren Zeitpunkt drei Bewerber aus Guantánamo das Asyl verweigert, weil sie «auf den Schutz der Schweiz» nicht angewiesen waren, wie das Bundesamt für Migration schreibt.

Jetzt, wo Barack Obama das Guantánamo-Problem anpacken will, will der Bundesrat mit Verweis auf die Schweizerische humanitäre Tradition nicht hinten anstehen. Eine Frage des guten Images in der Welt also? Oswald Sigg schmunzelt: «Es ist vor allem eine Sache des Goodwill.» (gux)

Asyl für ehemalige Guantánamo-Häftlinge in der Schweiz? Was halten Sie davon? Schreiben Sie uns!

Zum Terrorlager Guantánamo

HAMBURG – Nach den Terroranschlägen auf die USA am 11. September 2001 richtete Washington auf dem US-Marinestützpunkt Guantánamo Bay ein Lager für Terrorverdächtige ein. Seit 2002 werden dort vor allem mutmassliche Taliban- oder El-Kaida- Mitglieder festgehalten. Fast alle sitzen ohne Anklage und Zugang zu Anwälten ein. Mehrfach gab es Berichte über Misshandlungen und Erniedrigungen von Gefangenen. Menschenrechtler und ausländische Regierungen forderten mehrfach die Schliessung des Lagers. Derzeit werden auf dem Stützpunkt auf Kuba noch etwa 245 Terrorverdächtige gefangen gehalten. Viele von ihnen befinden sich schon seit mehreren Jahren in Guantánamo Bay. Zu den ersten, die im Februar 2002 dorthin gebracht wurden, gehörte der aus Bremen stammende Türke Murat Kurnaz. Seine Internierung dauerte bis August 2006 – einen Prozess gab es nicht.

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