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<b>AKW Leibstadt</b> Schweizer Mediziner sollen die Gefahren der hiesigen Anlagen untersuchen. (Keystone)
Dr. Claudia Kühni (44) ist frustriert. Seit Jahren arbeitet sie zusammen mit pädiatrischen Onkologen an einem nationalen Kinderkrebsregister. Die Wissenschaftlerin des Berner Universitätsinstituts für Sozial- und Präventivmedizin bekam weder ausreichende Unterstützung – noch bekam sie genügend Geld. Das soll sich jetzt ändern. Noch diese Woche will der Grüne Bastien Girod im Nationalrat einen entsprechenden Vorstoss einreichen: «Nur mit einem solchen Register können wir eine Studie wie jene in Deutschland durchführen.»
Der Zürcher Jungpolitiker spricht von einer Untersuchung, die das deutsche Kinderkrebsregister vor einer Woche vorstellte. Darin wird nachgewiesen, dass Kinder unter fünf Jahren, welche in einem Radius von fünf Kilometern um ein Atomkraftwerk aufwachsen, ein «signifikant höheres Risiko» tragen, an Leukämie zu erkranken.
Zwar ist sich Claudia Kühni mit den Autoren dieser Studie einig: Nach heutigem Wissensstand ist die Strahlenbelastung durch AKW zu gering, um für diese Erkrankungen verantwortlich zu sein. Doch Girod dreht den Spiess um: «Egal, wie teuer eine entsprechende Schweizer Untersuchung wäre – über den Bau neuer Atomkraftwerke darf erst nachgedacht werden, wenn ihre Ungefährlichkeit bewiesen ist.» Das, gibt der Zürcher Grüne zu bedenken, sei «allemal billiger als die eventuellen Folgekosten».
Im Vergleich zu den Milliarden, die der Bau eines neuen AKWs verschlingt, ist der Wunschzettel von Dr. Kühni geradezu bescheiden. Die Wissenschaftlerin bräuchte für eine Schweizer Studie nach dem Vorbild der deutschen «zwischen 300 000 und einer Million Franken». Nun darf sie hoffen, denn auf einmal wünscht sich auch die Schweizer Atomstrom-Industrie eine solche Untersuchung. Die AKW-Betreiber mussten nämlich ausgerechnet in den Tagen, in denen die Schweiz über die deutsche Leukämierisiko-Studie diskutiert, ihre Baupläne für zwei neue Atomkraftwerke bekannt geben – aus börsenrechtlichen Gründen. «Wir haben nichts zu verbergen», versichert Axpo-Sprecher Rainer Meier. Deshalb, so Meier gegenüber SonntagsBlick, «sind wir jederzeit bereit, uns an einem solchen Programm für die Schweiz auch finanziell zu beteiligen».
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<b>Bastien Girod </b><br></br><br></br>Der Nationalrat der Grünen heizt AKW-Betreibern ein.