Grübel: «Mann fürs Grobe» oder «Mann von gestern»?

  • Publiziert: 27.02.2009, Aktualisiert: 14.01.2012

BERN – Die Schweizer Zeitungen einen Tag nach dem Wechsel an der Spitze der UBS: Man zweifelt zwar nicht an den Fähigkeiten des neuen CEO Oswald Grübel, warnt aber gleichzeitig vor zu grossen Erwartungen.

Grübel sei «ein Mann fürs Grobe» (Bund), «krisenerfahren» (Südostschweiz), «ein harter Hund mit Heldenpotenzial» (Landbote und Thurgauer Zeitung) «direkt, unzimperlich und führungsstark» (Neue Luzerner Zeitung) und dadurch wohl «einer der wenigen Spitzenleute, die genug Erfahrung haben, um eine global tätige Bank zu sanieren» (Neue Zürcher Zeitung).

Er werde bei der Grossbank zwar «anecken, abbauen und straffen», schreibt die Neue Luzernen Zeitung. Dessen müsse sich die UBS bewusst sein. Doch das sei auch ihre Chance.

Dass der Neubeginn für die UBS kein Zuckerschlecken wird, davon ist auch die Südostschweiz überzeugt. Der frühere CS-Chef sei in der Vergangenheit nur deshalb so erfolgreich gewesen, «weil er die Kosten brutal senkte und Tausende Banker auf die Strasse stellte».

Ob er jedoch diese Erfolgsgeschichte als Konzernchef bei der UBS wiederholen könne, das sei alles andere als sicher, befürchtet die NZZ. Denn «die UBS von heute kämpft mit ungleich mehr und ungleich grösseren Herausforderungen als die CS von 2002».

Der Kommentator des Landbote und der Thurgauer Zeitung hofft immerhin, dass Grübel sich «für ein aussichtsloses Unterfangen wohl kaum zur Verfügung gestellt hätte».

Denkmal als Sanierer oder Mann von gestern?

Einige Kommentatoren rätseln auch, wieso sich Grübel im Pensionsalter noch einmal dieser Aufgabe stellt. «Vielleicht vermisste er den Adrenalirausch. Vielleicht hofft er auf ein Denkmal als Sanierer beider Grossbanken», spekuliert der Bund.

Für die Basler Zeitung macht er diesen Job, «weil der dadurch die Chance bekommt, bei der Neugestaltung des Schweizer Finanzplatzes eine Hauptrolle zu spielen». Diese Meriten wolle sich Grübel holen.

Der Bund hegt jedoch gewisse Zweifel an den Erfolgschancen. Trotz aller Vorschusslorbeeren bleibe Grübel «ein Mann des Systems».

Noch deutlicher wird der Tagesanzeiger: Grübel sei «in seinem Denken und Handeln die leibhaftige Verkörperung jener Bankergeneration, die uns kollektiv in die Finanzkrise geführt haben». Er verkörpere «das Denken von vor der Krise». Und so gesehen sei auch Grübel «ein Mann von gestern».

Mit dem Rücktritt Marcel Rohners ist nach Ansicht des «Blick» das Problem «erst zur Hälfte gelöst». Nun müsse UBS- Verwaltungsratspräsident Peter Kurer «den Mut des glücklosen Lotsen finden, zum richtigen Zeitpunkt von Bord zu gehen». Denn Kurer stehe für «Krise, Krise und nochmals Krise».

Kurer werde sich je länger je mehr auf kritische Fragen einstellen müssen, ist auch das «St. Galler Tagblatt» überzeugt. Mit Grübel als starkem Konzernchef im Vordergrund dürfte der Druck auf Kurer jedoch vorübergehend etwas nachlassen. Für die «Berner Zeitung» ist Kurer «nur noch ein Präsident auf Zeit». (SDA/gux)

play Oswald Grübel solls richten bei der UBS. (Keystone)

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