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Sie als Schweizer denken jetzt vielleicht: So schwer kann das doch gar nicht sein.
Genau das dachte ich auch immer. Dachte, wenn ich nur richtig wolle, dann könnte ich Schwiizertüütsch schwätzen. Ein verniedlichendes «li» hier, ein kehliges «ch» dort. So reden sie doch, die Schweizer.
Jetzt weiss ich: Das war hochdeutsche Arroganz. Die Realität sieht anders aus. Ich sitze im Schwiizertüütsch-Kurs und soll Fancy (44) aus Hongkong fragen, ob sie Katzen zu Hause hat. Katzen und nicht Katze, weil wir gerade gelernt haben, wie der Plural gebildet wird.
Die Frage soll ich ohne Vorlage stellen. «Fancy», fange ich an. Und stocke. Mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren. Heisst «hast du» «häsch due»? Ist der Plural von «d Chatz» «d Chätz»? Oder bleibt es bei «d Chatz»?
Dann frage ich schleppend: «Fancy ... häsch ... due ... Chätz ... dahiim?» Ich muss an die blechernen Roboterstimmen denken, die nach jedem Wort eine lange Pause machen. So höre ich mich an.
Fancy lacht. «Chatze dihäim», verbessert mich Lehrerin Ann Beilstein. Dann sagt Fancy: «Nai. Ich han a Schildkröte daheim.» «Schildchrott dihäim», sagt Frau Beilstein geduldig.
Dann müssen wir übersetzen. «Auf dem Acker leben Mäuse.» Weil wir das Wort «leben» noch nicht kennen, sollen wir «hat es» verwenden. Doch das macht die Sache auch nicht einfacher.
Mit «li» und «ch» komme ich nicht weiter. Stattdessen müsste ich wissen: Ist die «Suneblueme» umlautfähig? Heisst es im Plural also «Suneblüeme»? Ich weiss es nicht. Und stelle fest: Beim Schwiizertüütsch versagt mein Sprachgefühl.
Intuitiv kann ich nicht sagen, was richtig ist. Stattdessen muss ich Wort für Wort übersetzen. Und das dauert. Also muss ich noch mehr Grammatik büffeln. Damit ich die Regeln jederzeit und überall anwenden kann.
Und sollte mich jemand nachts um drei fragen, was der Plural von «Schnägg» ist, dann darf ich nicht sagen: «Schnägg.» Sondern «Schnägge».
Bis es aber soweit ist, spreche ich weiter wie ein alter Roboter: «Uf ... em ... Acher ... hät ... s ... Müüs.»