«Bedauerlicher Fauxpas» Therme Vals wirbt mit Nazi-Slogan

Das Hotel Therme Vals hat einen Werbebrief mit dem Titel «Kraft durch Freude» überschrieben. Inzwischen bedauert man den Vorfall.

  • Publiziert: 26.10.2012
  • Von Oliver Baumann
Das letzte Wort zur Therme haben die Stimmbürger der Gemeinde Vals (Archiv) play Blick in die Therme Vals, die zum Hotel gehört (sda)
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Diesen Brief schickte das Hotel Therme Vals an zahlreiche Stammkunden.

(ZVG)

Als er kürzlich einen Brief vom Hotel Therme Vals erhält und ihn öffnet, denkt sich Blick.ch-Leser Thomas M.* nichts Böses. Es handelt sich offenbar um ein Werbeschreiben.

Die 140-Zimmer-Herberge mit dem weltbekannten, vom Stararchitekt Peter Zumthor entworfenen Bad im bündnerischen Val Lumnezia preist darin unter anderem die «Genüsse aus der Küche», «die wohlige Wärme in der Therme», den «mystischen Herbst­nebel» sowie die «gelben Lärchen als Kontrast zum blauen Himmel» an.

So weit, so harmlos.

Name einer Nazi-Organisation

Doch als M. die Titelzeile liest, mit der der Brief überschrieben ist, stockt ihm der Atem: «Kraft durch Freude», heisst es da.

«Kraft durch Freude» war der Name einer politischen Organisation aus der Nazi-Zeit. Sie kümmerte sich zwischen 1933 und 1945 um die Freizeitgestaltung der deutschen Bevölkerung, organisierte Theaterabende, Schwimmkurse, aber auch Ausflüge und Reisen.

Das Ziel: «Die Schaffung einer national­sozialistischen Volksgemeinschaft und die Vervollkommnung und Veredelung des deutschen Menschen.»

Es war ein «Patzer»

Doch wie hat es der Begriff in den Brief des Hotels Therme Vals geschafft?

Gemäss einer schriftlichen Stellungnahme von Direktorin Vera Wichmann und VR-Präsident Stephan Schmid handelt es sich um einen «Patzer» und einen «bedauerlichen Fauxpas», für den man sich in aller Form entschuldigen wolle.

Und weiter: «Dass bei dem Titel ‹Kraft durch Freude› offensichtlich eine Assoziation zu einem düsteren Kapitel der Weltgeschichte besteht, war uns in keiner Weise bewusst.»

Tourismus-Organisation: «Ein Versehen»

Der Brief wurde laut Wichmann und Schmid am 19. Oktober an eine grosse Anzahl Stammgäste geschickt, die sich vereinzelt auch bei dem Hotel beschwert hätten.

Bei der Tourismus-­Organisation Graubünden Ferien hat man von dem Fall bislang keine Kenntnis. Es seien auch noch keine Reaktionen dazu eingegangen, sagt Sprecher Gieri Spescha und betont: «Auch ich bin 100 Prozent überzeugt, dass es sich um ein Versehen handelt.»

* Name der Redaktion bekannt

Beliebteste Kommentare

  • Philipp  Rittermann
    das ist jetzt aber wirklich etwas gesucht oder!? solange vor der therme kein schmideisernes tor mit der aufschrift "arbeit macht frei" steht, ist doch noch alles im grünen bereich.
  • Mart  Web , Santa Nirgendwo
    Eine traurige Welt! Am Schluss können wir dann nur noch Handzeichen benützen, weil alle Worte in irgendeinem Zusammenhang schon einmal verwendet wurden...
    Was sind das für Menschen, die nur immer Rückwärts schauen?
    Hätten Sie nicht reagiert, hätte das gar niemand gemerkt.
    Auf die Absicht kommt es doch an!

Alle Kommentare (67)

  • Roland  Wyss , Zürich
    Nun mal halblang, man kann ja auch hinter jedem Ausdruck was suchen dass in zusammenhang mit sowas steht.
    Beim diesem Slogan hat wohl ausser solchen Negativdenkenden Menschen niemand an diese Nazi Organisation gedacht. Meine Güte sind die Erfinderisch. Da darfst Du ja kein Wort mehr brauchen.
  • Mara  Müller , Malans
    Ich hoffe sehr, dass Thomas M. noch andere Hobbies hat...
    Wie wärs mit schwimmen?
  • anton  lienhard
    Diese Werbeagentur war aber sehr clever, denn mit einem anderen Slogan hätte wohl niemand Kenntnis von dieser Werbung genommen.
  • Villiger  Thomas
    Ab sofort dürfen unsere Primarschüler das Wort "ausradieren" auch nicht mehr gebrauchen, werden sie damit doch direkt zur Gewalt und zur Zerstörtung ganzer Städte erzogen.
    Hört doch auf mit solchen gesuchten Vergleichen. Ich bin sicher 98 Prozent der Schweizer haben den Ausdruck "Kraft durch Freude" noch nie gehört.
    Vals: behaltet euren Slogan, sonst werdet ihr beim nächsten sogenannten "Fauxpas" noch von irgendeinem Fanatiker verklagt, weil er sich im Recht fühlt.
  • Heidi  Keller , Zürich
    Vielleicht sollten die Damen, die in der Therme das Sagen haben, es mal mit Werbefachleuten versuchen, die ihr Handwerk auch verstehen. Nazi-Propaganda-Slogans sind auch heute noch ein no-go, auch wenn viele hier nichts dabei finden. Doch irgendwie passt es zum strengen Regiment, das in diesem "Hotel" herrscht, wo dem Gast ziemlich genau vorgeschrieben wird, was er zu tun hat und wie genau er Erholung finden soll bzw. darf. Erinnert ein wenig an ein Ferienlager.
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