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Auf dem Nachttisch hat Gabi Mätzler (18) einen kleinen, ganz privaten Altar errichtet: ein Foto, ein Nuggi, eine Rassel, die Geburtskarte. Es ist alles, was der jungen Mutter aus Cazis GR von ihrem Sohn Elias blieb.
Ihre Stimme klingt kraftlos. «Mir geht es nicht gut», sagt sie. Sie weine viel, schlafe kaum. Immer wieder geht ihr die eigene verzweifelte Situation durch den Kopf: Gabi Mätzler darf ihr Baby nicht behalten.
Auch ihre Eltern haben kein Recht, Elias grosszuziehen. Dabei sind Vater Steve (44) und Stiefmutter Nicole (31) jung, haben selber drei kleine Kinder. Elias aber soll in eine Pflegefamilie (BLICK berichtete).
Gabi fragt: «Warum tut man das meinem kleinen Baby an?»
Es ist der 15. Januar. Gabi und ihr Freund Kurt (18), der Vater von Elias, leben in einer Dreizimmer-Dachwohnung. Sie badet gerade ihr ein Monate altes Baby, als der Anruf kommt. «Euch wurde soeben das Obhutsrecht entzogen», sagt Elias’ Beiständin nüchtern. Gabi sei mit Erziehung und Haushalt überfordert, heisst es.
«Mach eine Lehre, such dir einen Job»
Die Sozialhilfe-Bezügerin muss mit ihrem Baby ins Spital nach Chur. Dort wird ihr der Kleine aus den Armen gerissen. «Mach eine Lehre, such dir einen Job. Dann kriegst du deinen Sohn wieder», bekommt die verzweifelte Mutter zu hören.
«Was passiert mit Elias?», will Gabi wissen. Die Antwort: Er soll in eine Pflegefamilie. Die Mutter protestiert: «Meine Eltern können für Elias sorgen. Was soll er bei fremden Menschen?» Doch Gabis Eltern leben im Kanton Bern, fern vom Zuständigkeitsbereich der Bündner Vormundschaftsbehörde. «Kurt und ich würden auch den Kanton wechseln, damit wir bei unserem Sohn sein können.»
Vielleicht kann Gabi Mätzlers Flehen das Amt erweichen. Am 8. März prüft es, ob Elias’ Grosseltern vielleicht doch das Sorgerecht erhalten können.