Kläger-Anwalt zum Après-Ski-Urteil «Davos ist mehr als nur Bolgen»

DAVOS GR - Wintersportler haben in Davos ausgefeiert. Das Bolgen muss um 19 Uhr schliessen, so das Bundesgericht. Der Anwalt des Klägers rechtfertigt den Entscheid.

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Seit 20 Jahren führt Werner Seiler (61) die legendärste Après-Ski-Bar «Bolgen Plaza» in Davos GR. Legendär darum, weil sehr viele Wintersportler aus dem Unterland bereits dort getrunken, gefeiert und möglicherweise auf den Tischen mitgetanzt hat.

Dass nun gerade ein Mann aus dem Unterland mit einem Urteil die Zukunft des Lokals bedroht, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Sein Name ist Kurt R. Compagnoni, Immobilienhändler und namhafter Elektrotechnik-Unternehmer aus Rümlang ZH. In den Überbauungen gleich neben dem Bolgen wurden seine Mieter auch werktags vom Lärm belästigt.

Das Problem sei in den letzten rund 15 Jahren so gross geworden, dass es gar Forderungen für Mietzins-Reduktionen gab. Vor Bundesgericht gab es dann einen Sieg: Das Bolgen muss um 19 Uhr künftig schliessen. Dies, weil das Lokal in einer landwirtschaftlichen Zone liegt.

Die Wut bei Davosern ist gross: «Solche Schreibtischtäter zerstören mit solchen Entscheiden unsere Lebensader», sagt Ski-Legende Paul Accola (49) gegenüber BLICK. Einige fordern gar Racheakte und rufen dazu auf, Compagnoni «jede Nacht um 3 Uhr» aus dem Schlaf zu klingeln.

Ein Sieg für die Anwohner

Armon Vital, der Anwalt von Compagnoni, protestiert gegen diese Sichtweise: «Davos als Destination wäre sehr arm daran, wenn die Gastronomie und das Nachleben nur auf dem Bolgen stattfinden würde!»

Das Gerichtsurteil sei nicht nur für die Anwohner ein Sieg, sondern auch für andere Davoser Wirte, welche bislang für viel Geld ihre Hotels und Restaurants in der regulären Bauzone bauten. Diese würden nun nicht mehr vom widerrechtlichen Abendbetrieb aus der Landwirtschaftszone konkurrenziert.

Publiziert am 20.10.2016 | Aktualisiert am 14.12.2016
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  • Walter  Krebs 20.10.2016
    Sicher hat unser sehr EU-höriges Bundesgericht zuerst den Gerichtshof in Brüssel angerufen und gefragt was für ein Urteil ihnen genehm sei. Hier wird mit fiesen Mitteln eine Existenz zerstört. Es gibt sicher auch Neider-Wirte um den Bolgen herum, welche auf der Seite des Immobilien-Hays sind. Schmiergeld steht ja sicher nicht zur Disskusion – ober etwa doch?
    Davoser steht zusammen und haltet fest zum Bolgen Wirt.
    W. Krebs, Bern

    • Klaus  Kinsky 20.10.2016
      Walter Krebs, unsere Immobilienlobby - etwa der Hauseigentümerverband - ist politisch voll vertreten von der SVP. Vertritt jetzt das EU-Gericht plötzlich Klientel der SVP? Ich hoffe, sie überstehen das Zusammenstürzen ihres Weltbildes schadlos.
    • Kurt  Stauffer aus George
      21.10.2016
      Es ist absolut undenkbar,dass ein Restaurant überleben kann wenn es um 19.00 Uhr schliessen muss.Um diese Zeit beginnen erst die Abenessen!Das Bolgen in der Landwirtschaftszone liegt und seit 20 Jahren in Betrieb ist, ohne das man dem Besitzer spezielle Auflagen machte ist äusserst komisch!!Die Wohnungen kamen erst nach Bolgen,somit sollen sich diese Anwohner der gegebenen Situation anpassen!!Dieses Urteil ist völlig unlogisch und der Kläger ein Querolant!!!
  • Burkhard  Vetsch 20.10.2016
    Ist doch schön, wenn man auch noch die vertreibt, die Umsatz bringen in den 3 Monaten. Zum Beispiel Ischgl ist 3 Monate Party und alle nehmen das Geld gerne und der Steuerzahler profitiert.
    Ich bin dann in Samnaun und habe meine Ruhe und bis fast am Mittag freie Pisten. Was will man mehr? Leben und Leben lassen.
    • Roland  Wyler 21.10.2016
      Deine Logik Vetsch: 1. "schön" wenn man Touristen vertreibt = MEI erfüllt. 2. Seit wann profitiert ein Steuerzahler ? 3. Ruhe suchen in Samnau = Entscheid BGer Ruhe in Davos, du musst also nicht mehr nach Samnaun um Ruhe zu finden. 4. Freie Pisten = weniger Touristen also MEI erfüllt. 5. Leben lassen = BGer Entscheid akzeptieren. Du hast also alles was du verlangst mit der Schliessung des Plazas. Ich verstehe Deine Logik also nicht!
  • Thomas  Müller Thurgau 20.10.2016
    Finde ich schon richtig.....überall springen solche Veranstalter aus dem Boden und an Lärmvorschriften halten sich diese Betriebe und Veranstalter aber nicht...man muss die Polizei rufen, bis es Ruhe gibt.
  • Eric  Pudles , via Facebook 20.10.2016
    Wer Ruhe will kauft kein Haus in einem Dorf / Touristen Ort. Er siedelt sich an der Ortsgrenze an und dort stören ihn dann höchstens die Kuhglocken, aber dagegen kann er ja dann auch klagen. Zu vergleichen mit den ewigen Nörglern, in der Nähe des Flugplatzes von Kloten, wo sie hin ziehen, weil die Mieten günstiger sind.
  • C.  Derung 20.10.2016
    Für arrogante dekadente Super-Bonzen vielleicht schon. Aber mal ehrlich, wer will schon einen so unausstehlichen Typen als Nachbarn haben. Feiert doch einfach Outdoor weiter - zumindest bis 22.00 Uhr wird Euch niemand etwas verbieten, egal wie viel Geld er auf dem Konto hat!