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Der Angeklagte Heinz V. beim ersten Prozess in Domat/Ems. Er soll unter den Augen von Christoph Blocher Millionen ergaunert haben. (Paolo Foschini)
Schütteres Haar, gerötetes Gesicht, ein schwarzes Gilet über dem grauen Hemd – und 9,6 Millionen Franken ungeklärter Herkunft auf dem Bankkonto.
Heinz V. (74) blickt sich verloren um in der Sentupada, dem Dorfzentrum von Domat/Ems GR, das gestern zum Gericht umfunktioniert wurde.
V. zählte über Jahrzehnte zu den geschätzten Persönlichkeiten der Region. Eingewandert aus Deutschland, arbeitete er sich in der Ems-Chemie bis zum Chefbuchhalter hoch. Sass im Verwaltungsrat der Raiffeisen-kasse, war Finanzchef des EHC Chur, Revisor im Kirchenrat.
Nun steht er wegen Millionenbetrugs vor Gericht. «Die Gier wurde ihm zum Verhängnis», sagt Untersuchungsrichter Daniel Spadin beim Prozess. Bei Ems habe er jede Gelegenheit genutzt, Geld abzuzweigen.
Selbst zur Begleichung privater Steuer- und Handwerkerrechnungen griff V. in die Ems-Kasse und melkte eine firmeneigene Genossenschaft für Wohnungsbau. Erst als er nach seiner Pensionierung weiter-trickste und falsche Rechnungen an Ems stellte, flog er auf.
13,2 Millionen Franken gaunerte V. gemäss Anklage zusammen, 1,5 Millionen pro Jahr. Und das alles unter den Augen von Ems-Patron Christoph Blocher. Erst 2004, ein Jahr nach Blochers Wahl in den Bundesrat und seinem Rückzug bei der Ems, kam der Schwindel ans Licht. Hat das Blocher-Prinzip in der eigenen Firma versagt? Der frühere Bundesrat war gestern nicht erreichbar.
Gemäss Anklage hat V. die Ems-Chemie nach allen Regeln der Kunst ausgenommen. «Er war die graue Eminenz der Buchhaltung, ein Magier der Zahlen», sagt Stephan Thurnherr, Anwalt des Mitangeklagten Peter P. (67). Dieser stellte Rechnungen im Namen von Tarnfirmen, V. beglich sie und gewährte seinem Komplizen eine Provision von 3,5 Prozent.
Sein Klient habe geglaubt, die verdeckten Zahlungen seien «Rückvergütungen» für Aufträge aus Ostblock- und Nahost-Ländern, sagt Thurnherr.
Konkret: V.s Buchungssystem, so der Vorwurf, war eine Waschmaschine für Schmiergelder, die Ems zahlte, um an lukrative Aufträge heranzukommen. Ems-Finanzchef Peter Germann bestritt dies im Gerichtssaal allerdings.
V.s Problem war es, dass die Justiz auf seinem Konto viel mehr Geld fand, als der Buchhalter jemals hätte verdienen können. Das Geld stamme von dessen verstorbener Ehefrau, sagte V.s Verteidiger. Das Paar habe es schwarz in Deutschland gebunkert und tranchenweise in die Schweiz transferiert. Obendrein sei V. ein gewiefter Börsianer gewesen.
Sein Pensionskassenvermögen verzockte V. allerdings mit einer Anlage beim mutmasslichen Millionenbetrüger Dieter Behring auf den Bahamas.
Das Gericht in Domat/Ems fällt sein Urteil morgen Freitag. Ankläger Spadin fordert sechs Jahre Freiheitsentzug für V. und vier für dessen Komplizen. Die Verteidigung verlangt Freisprüche auf ganzer Linie.
Einzig dass er sich an der Baugenossenschaft bereicherte, gibt V. zu. Den Rest streitet er ab: «Die Ems kam nie zu Schaden.»
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Ems-Patron Christoph Blocher.