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Offenbar wusste im Kanton Graubünden Hinz und Kunz um die Alkoholkrankheit des Polizeikommandanten Markus Reinhardt. Es waren nicht nur seine betrunkenen Auftritte bei der Arbeit und an öffentlichen Anlässen, die hinlänglich bekannt waren. Er soll auch offensichtlich besoffen im Kantonsparlament mit Politikern zusammengetroffen sein. Das berichtet die «Neue Zürcher Zeitung».
Grossrat Vincent Augustin (CVP) erzählt von einem Vorfall, bei dem Reinhardt in betrunkenem Zustand eine Debatte im Kantonsparlament besucht habe. Augustin, der auch Präsident des Bündner Kantonspolizeiverbandes ist, will jedoch nicht sagen, wie sich die Alkoholsucht des Polizeikommandanten auf dessen Arbeit ausgewirkt habe.
Doch das Thema sei beim Verband mehrfach diskutiert worden. Laut Augustin habe der Chef bei anderen Polizisten kein Pardon gehabt: «Ging es um dienstrechtliche Massnahmen gegen Polizisten mit Alkoholproblemen, war Markus Reinhardt nicht zimperlich». Es sei dabei auch zu Entlassungen gekommen.
Über die Medien werden fast täglich neue Vorfälle um Reinhardt bekannt. Dabei wird auch klar: Die verantwortlichen Politiker kannten das Problem – aber offenbar verschlossen sie davor einfach die Augen. Polizeidirektorin Barbara Janom Steiner (BDP) und ihr Vorgänger Martin Schmid (FDP) liessen Reinhardt auf seinem Posten gewähren.
Als Janom Steiner den Polizeikommandanten und WEF-Sicherheitschef im Januar zur Rede stellen wollte, war es schliesslich bereits zu spät: Reinhardt hatte sich kurz vor dem Treffen in einem Davoser Hotelzimmer erschossen (Blick.ch berichtete).
Kommt es jetzt zum politischen Köpferollen? Fest steht: Sowohl Janom Steiner als auch Schmid – heute Vorsteher des Finanzdepartements – wollen im Juni wiedergewählt werden. Die Polizei-Affäre bringt sie nun arg in Bedrängnis. Kommt hinzu, dass die Unabhängigkeit der Geschäftsprüfungskommission (GPK), welche den Fall klären sollte, von der SVP und der SP in Zweifel gezogen wird. (noo)