Die Trauerfeier für den kleinen Jann-Andri († 8) Die Eltern umarmen Accola in der Kirche

Die Familie des Buben zeigt unendliche Stärke. Sie teilt ihre Trauer mit Ex-Skistar Paul Accola.

  • Publiziert: 03.07.2012
  • Von Gabriela Battaglia

Die Kirche St. Johann in Davos Platz GR war gestern bis auf den letzten Platz besetzt. Die Trauer um Erstklässler Jann-Andri († 8) lässt das ganze Dorf zusammenrücken.

800 Menschen stehen der Familie des Buben bei. Darunter auch Paul Accola (45). Er, der jenen Kleintraktor fuhr, der Jann-Andri am vergangenen Mittwoch überrollt hatte.

Die Skilegende sitzt in der siebten Reihe. Neben seiner Frau Valérie, seinem Bruder und seiner Schwester, neben seinem Freund Victor Rohner (64). Auch Ex-Skistar Marc Girardelli (48) ist dabei, unterstützt Accola. Girardelli, mit dem sich Pauli auf der Piste einst nervenzerreissende Duelle lieferte.

Ein gebrochener Mann

Accola leidet. Tief nach vorne gebeugt sitzt er auf der Kirchenbank, den Kopf zum Boden geneigt. Ein gebrochener Mann.

Pfarrer Stefan Hügli führt durch die Abdankung. Er traute schon die Eltern von Jann-Andri. Immer wieder stockt seine Stimme, auch ihm kommen die Tränen.

«Acht Jahre alt. Das ist einfach zu jung zum Sterben», sagt Hügli. «Er war so ein lebhafter Bub, an allem interessiert. Er wollte immer alles ganz genau wissen», sagt der Pfarrer. «Auch die Landwirtschaft faszinierte ihn immer. Und die Landwirtschaftsmaschinen.»

Die Kinder haben Papiervögel gebastelt

In der Kirche wird eine Zeichnung Jann-Andris auf die Leinwand projiziert. In den ersten Reihen sitzen viele Kinder. Sie haben aus Papier Vögel gebastelt. Am Ende des Gottesdiensts schweben diese an Schnüren unters Kirchendach.

Schon am Sonntagabend wurde Jann-Andri im Waldfriedhof in Davos-Frauenkirch beerdigt. Seine Eltern, seine Brüder, seine nächsten Verwandten setzten den weissen Kindersarg bei. Auch Paul Accola war bei der Zeremonie dabei. Die Eltern hatten ihn eingeladen.

«Die Souveränität der Eltern tut ihm wahnsinnig gut», sagt Accolas Freund Marc Girardelli zu BLICK. «Die Familie macht ihm keine Vorwürfe, redet ihm gut zu. Nimmt ihm alle Schuldgefühle. Ich habe den Eindruck, Pauli und die Eltern helfen sich gegenseitig beim Verarbeiten.»

Eine unendlich starke Familie

Nach der Abdankung kondolieren die Trauergäste der Familie. Auch Paul Accola geht den schweren Gang. Seine Frau Valérie legt ihm unterstützend die Hand auf den Rücken.

Die Eltern umarmen Paul Accola. Die Familie beweist unendliche Stärke und Tapferkeit. Der Ex-Skistar teilt mit ihnen Leid und Trauer. Beim Hinausgehen zündet Pauli eine Kerze an für Jann-Andri. Stellt sie in einen von drei Sandkästen. Am Ende brennt für den Buben ein Kerzenmeer.

Jann-Andris Eltern wollen nun an der Unfallstelle eine Engelsstatue für ihn aufstellen. Ein Engel mit bloss einem Flügel soll an ihren Sohn erinnern.

Beliebteste Kommentare

  • jochem  poldervaart , niederlande
    wie schmerzlich auch der verlust..diese familie zeigt unendlich viel grösse. ein vorbild für uns alle..
    • 03.07.2012
    • 35
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  • Andreas  Keller , Zürich , via Facebook
    Pauli hat mit dieser Familie ein grosses Los gezogen. Ich verneige mich vor der Grösse der Betroffenen und wünsche weiterhin viel Kraft!

Alle Kommentare (9)

  • R.  Meier
    Wir sind sehr sehr geruehrt,dass es so sein durfte das sich die Familien treffen durften in einer Stunde wie dieser.Es ist so sehr wundervoll,dass man gegenseitig auf einander zu gehen kann und die unendliche Staerke der Trauerfamilien.Wir weinen die Traene des Drachen,die den Jungen in eine bessere und schoenere Welt schweben laesst.Er wird fuer immer in aller Herzen sein.
    Den Traufamilien wuensche wir extrem viel Kraft und dass man sich wieder aufbaut um weiter zu bestehen.
    Alles Glueck der Welt,Gesundheit und ein erfuelltes Leben wuenschen wir allen.
    • 03.07.2012
    • 10
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  • Wyder  Beat , Bätterkinden , via Facebook
    Ich kannte den Buben nicht,aber auch mir liefen die Tränen. Finde es toll das die Eltern des Buben Accola nicht beschuldigen den es war ein Unglück das nicht hätte geschehen dürfen. Leider ist es geschehen und auch ich wünsche allen Beteiligten viel Kraft.
    • 03.07.2012
    • 14
    • 4
  • Havi  Alrub
    allen nur eins; viel viel viel kraft den schmerz irgend wann überwinden zu können und das eines tages wieder freude in deren leben einkehrt, das wünsche ich allen beteiligten von herzen..
    • 03.07.2012
    • 17
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  • Silvia  Wittlin , via Facebook
    Danke Blick für Ihre einfühlsame Berichterstattung zum Heimgang von Jann-Andri.
    Es ist berührend zu lesen, nachzufühlen, wie sich die Eltern u. Geschwister von Jann-Andri und Paul mit Familie in diesen schweren Stunden beistehen. Die Eltern u. Geschwister sowie Paul und Familie sind bereits Engel auf Erden. Sie reden nicht nur von Glauben, sondern leben uns Mitmenschen den Glauben vor, wie es wirklich sein darf. Dies ist Gottes Gabe und Gnade. Ich wünsche allen Trauernden besonders den Eltern und Geschwister viel Kraft, ebenso den Familien Acoola. Seid behütet.
    Silvia Wittlin, Basel
    • 03.07.2012
    • 18
    • 7
  • jochem  poldervaart , niederlande
    wie schmerzlich auch der verlust..diese familie zeigt unendlich viel grösse. ein vorbild für uns alle..
    • 03.07.2012
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