Jetzt gehen die Olympia-Gegner an den Start. Mit zehn Argumenten wollen sie die Spiele im Bündnerland stoppen.
Ueli Maurer (61) ist schon ganz aus dem Häuschen. Vor gut einem Monat gab ihm der Gesamtbundesrat grünes Licht für die Winterolympiade 2022. Davos und St. Moritz dürfen sich bewerben.
Die Bündner sind ebenfalls aufgeregt. Aber nicht alle wollen die Spiele. Legen sie im März ein Nein in die Urne, ist das Vorhaben vom Tisch. Also tut der Sportminister alles, um dies zu verhindern.
Ende Monat reist Maurer zu einem Podium nach Davos. Und trifft dort auf die Präsidentin des neugegründeten Komitees «Olympiakritisches Graubünden», Silva Semadeni (60).
Für SonntagsBlick hat die SP-Nationalrätin und Präsidentin von Pro Natura schon mal ihre zehn Argumente gegen eine Olympia-Kandidatur formuliert:
- Die Begeisterung der Sportfans allein genügt nicht – obwohl sie verständlich ist. Wir Bündner müssen an die Zukunft des Kantons denken. Schon zweimal haben wir zu olympischen Träumen an der Urne Nein gesagt.
- Illusorische Versprechungen: Weiss, klein und nachhaltig sollen die Spiele sein. Verlockende Versprechungen stehen bei jeder Kandidatur im Vordergrund, werden aber nie eingehalten. Olympia ist heute nicht nur ein völkerverbindendes Sportereignis, sondern auch eine grosse Geldmaschine.
- Zu gross für Graubünden: Kleine und feine Spiele, die zu unseren Bündner Verhältnissen passen, kann es gar nicht geben. Die Anzahl der Disziplinen, Athleten, Medienleute, Sponsoren und Gäste ist immer nur gestiegen. Für St. Moritz hat die Skiweltmeisterschaft 2017 die maximal verträgliche Grösse erreicht.
- Alle Erwartungen an die Wirtschaftlichkeit sind zu hoch. Die Erfahrung zeigt: Sport-Grossveranstaltungen haben nur kurzfristige wirtschaftliche Effekte, langfristig sind sie marginal. London war sportlich top, wirtschaftlich ein Flop.
- Die Kosten sind gigantisch: 2,8 Milliarden Franken für Organisation und Durchführung, weitere 1,5 Milliarden für die Infrastruktur. Die Gewinne kassiert das steuerbefreite Internationale Olympische Komitee, das Defizit von 1,3 Milliarden müssen die Steuerzahler übernehmen.
- Es droht eine Kostenexplosion: Für den friedlichen Anlass werden Sicherheitsausgaben von 250 Millionen geplant, was nie genügen wird. In Vancouver (2010) betrugen diese Kosten 900 Millionen Dollar, fünfmal so viel wie budgetiert. Die wahren Kosten der Spiele erfahren wir erst nach 2022.
- Viele Bauten werden nach den Spielen abgebrochen. Etwa Zeremonienbauten, grosse Schanze, Eishockeyhalle, grosse Halle für den Eisschnelllauf, Curlinghalle und olympisches Dorf. Verkehr, Sicherheit und Beherbergung bringen Graubünden ans Limit. Langfristig geringem wirtschaftlichen Nutzen stehen eine hohe Schuldenlast und eine schwerwiegende ökologische Belastung gegenüber.
- Zum Thema Umwelt finden wir in der über 40-seitigen Botschaft der Bündner Regierung nur knappe acht Zeilen. In der Machbarkeitsbeurteilung fehlt das Thema ganz. Bei einem Massenanlass mit bis zu 112'000 Tagesgästen und einem gigantischen Bauprogramm sind Eingriffe in Natur und Landschaft aber unvermeidlich.
- St. Moritz und Davos sind weltweit bekannt. Sie profitieren daher kaum zusätzlich vom Werbe- und Image-Effekt.
- Falls St. Moritz/Davos 2015 den Zuschlag bekommt, nimmt das Olympische Komitee das Zepter in die Hand. Es befiehlt die Geschäftsbedingungen – bis ins Detail. Die Bündner haben nichts mehr zu sagen. Sie kaufen die Katze im Sack.
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