Bündner Jagdinspektor Georg Brosi über den Wolfsabschuss «Ich gehe von einer emotionalen Tat aus»

SILS I. D. GR - In Graubünden wurde der Kadaver eines Jungwolfs gefunden. Wer tut so etwas? Georg Brosi vom Amt für Jagd und Fischerei ist empört über den Abschuss und verurteilt diesen scharf.

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Diesen illegal geschossenen Wolf fanden Arbeiter in Sils i. D. unterhalb einer Strassenbrücke. Der Kadaver war mit Schrotkugeln durchsiebt. Kantonspolizei Graubünden

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Dieses Bild hat gestern Morgen schockiert. Ein Kadaver eines Jungwolfes, durchsiebt von Schrotkugeln. Waldarbeiter hatten ihn auf dem Gemeindegebiet von Sils im Domleschg gefunden. Er lag unterhalb einer Strassenbrücke, dort war er qualvoll an seinen Verletzungen verendet.

Georg Brosi play
Georg Brosi ist Vorsteher des Amtes fuer Jagd und Fischerei. Nadja Simmen

Georg Brosi, Vorsteher Amt für Jagd und Fischerei Graubünden, verurteilt diese Tat scharf: «Angesichts dessen, dass sich in den letzten Jahren leider extreme Lager zwischen Wolfschützern und Wolfsgegnern gebildet haben, gehe ich von einer emotionalen Tat aus.»

Schrotflinte weist nicht unbedingt auf Jäger hin

Noch sei nicht klar, ob es sich bei dem Tier um eines aus dem Calanda-Rudel handelt. Die Ergebnisse vom DNA-Test würden erst in drei bis vier Wochen vorliegen. Möglich sei es schon, denn das Calanda-Rudel hatte letzten Sommer zum vierten Mal Nachwuchs. «Aber es könnte auch ein Einzeltier sein, das aus dem Tessin oder Wallis zu uns gewandert ist», meint Brosi.

Es sei um so tragischer, dass es noch ein Jungtier war. «Der Schütze hat vermutlich nicht erkennen können, dass es sich um einen Jungwolf handelt, denn er war für sein Alter schon sehr weit entwickelt. Nur wenn er im Rudel ist, hätte man den Unterschied vielleicht sehen können.» Dass das Tier mit Schrot erlegt wurde, weise darauf hin, dass die Tat nicht unbedingt von einem Jäger begangen wurde. «Das Schrotgewehr ist halt eine relativ weit verbreitete Waffe in der Bevölkerung und ist einfach zu bedienen.»

Tat ist schwierig aufzulösen

Im Kanton Graubünden werden gezielte Abschüsse dann genehmigt, wenn sie als Erziehungsmassnahme dienen. Also nur, wenn sich Tiere tagsüber der Zivilisation nähern. «Aus solchen Abschüssen lernt das Rudel auch», sagt Brosi. 

Bei dieser Tötung hätten sie keine Ahnung über die Hintergründe der Tat. «Wir wissen ja nicht, wo und wann der Abschuss passierte.» Das aufzuklären, werde Aufgabe der Polizei sein. «Um den Schützen zu ermitteln, wird wohl auch Kommissar Zufall helfen müssen. Wir sind angewiesen auf Hinweise aus der Bevölkerung», meint Brosi.

Auch der WWF ist empört über den illegalen Wolfsabschuss. «Es darf nicht sein, dass Wilderer einfach nach Belieben Wölfe abknallen. Der Ständerat hat schliesslich erst kürzlich den Schutz des Wolfes bestätigt», meint Martina Lippuner, Mediensprecherin beim WWF Schweiz. Die Wilderei sei kein Kavaliersdelikt.

Brosi glaubt nicht, dass sich in Graubünden die Haltung «schiessen, schaufeln, schweigen» durchsetzt. «Im Bündnerland gibt es zwar vereinzelt extremen Positionen zum Wolf, aber die meisten Jäger und Menschen seien dem Wolf nicht so negativ zugetan.» (ct/nbb)

Publiziert am 17.03.2016 | Aktualisiert am 21.03.2016
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12 Kommentare
  • Pius  Wihler aus Zizers
    18.03.2016
    Der Wolf wird verherrlicht und verharmlost und der instinktiv tötende Täter Wolf als armes Opfer dargestellt. Es wurden schon viele Menschen, Kinder und Haustiere von Wölfen getötet. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dies auch in der Schweiz geschieht. Ich hoffe, dass dann die dafür verantwortlichen Befürworter ebenso mit ausgesetzter Belohnung von 10`000 Franken gesucht und verurteilt werden.Der Schaden für den Tourismus wird enorm sein. Die Tollwut wurde schliesslich auch ausgerottet.
  • Marco  Camponovo , via Facebook 18.03.2016
    wie viele schafe verenden in den bergen und nicht der wolf ist schuld ...ich musste selbst schon in den bergen die polizei alarmieren da einige schafe am verdursten wahren...ist da der wolf schuld....aber das interessiert ja niemand.aber wenn ein wolf oder luchs ein schaf reisst wird sofort ein riessen wirbel daraus gemacht,und alle wollen nur eins den abschuss..
  • Hans  Jung 18.03.2016
    Leider war die Untersuchung der Uni Bern im Kadaver aus dem Wallis mangelhaft, da bei diesem Zustand und mit diesen Untersuchungen ein Wolf von einem Wolfsmischling nicht unterschieden werden kann. Ich bezweifle auch, dass die DNA dies kann, da die Methode der Uni Lausanne keine spezifische Suche nach Hybridisierung beinhaltet. Einzig eine karniologische Untersuchung kann Aufschluss geben.
  • Hans  Jung 18.03.2016
    Nachdem der Kanton GR eine Strafuntersuchung eingeleitet hat, gestaltet sich die rechtliche Situation sich nun so, dass die Kadaver unbedingt genau untersucht werden müssen ob es sich um den bei uns heimisch gewesenen europäischen Grauwolf oder einen eingewanderten Italienischen Wolf handelt, nur diese beiden Arten dürften bei uns vorkommen. Der Kadaver im Wallis hat strake Merkmale eines Wolfsmischlings. (hellbraune Krallen). Nur eine unabhängige kraniologischen Untersuchung bringt Gewissheit.
  • Arthur  Zwahlen aus Graubünden
    18.03.2016
    Ohne den Schützer gerechtfertigen zu wollen, aber Schafe verenden noch quallvoller (und zahlreicher) an den Verletzungen eines Wolfes.
    • Marco  Camponovo , via Facebook 18.03.2016
      das gibt uns nicht das recht das gleiche zu tun...aber typisch mensch...