Hinter Gittern Göldi ist Gaddafis Pfand für Lösegeld

GENF – Max Göldi muss in den Knast. Nur so könne er bald in die Schweiz zurück, meint Amnesty. Libyen-Kenner Jean Ziegler hingegen sieht eine gefährliche Eskalation.

  • Publiziert: 22.02.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Simon Hehli
play Rachid Hamdani (links) darf heim – Max Göldi muss dafür seinen Kopf hinhalten und hinter Gitter. (Keystone)

Libyen verlangte ultimativ, dass Max Göldi (54) die Schweizer Botschaft verlässt und sich in die Fänge der Justiz Gaddafis begibt – und Göldi gibt gemäss seinem Anwalt Salah Zahaf nach. Ihm stehen bis zu vier Monate Haft bevor. Gleichzeitig gibt der Wüstenstaat grünes Licht für die Ausreise der anderen Geisel, Rachid Hamdani. Er dürfte bald zurück in der Schweiz sein.

Was bedeutet diese Entwicklung? «Es ist ganz klar eine Eskalation», sagt der Soziologe und Libyen-Experte Jean Ziegler gegenüber Blick.ch. Er hält es für gefährlich, dass Göldi die Schweizer Botschaft verlässt. Den Grund dafür, dass Hamdani heim darf, Göldi aber nicht, sieht Ziegler bei Göldis Arbeitgeber, der ABB.

Im Gegensatz zu Hamdani ist Göldi bei einem internationalen, finanziell potenten Grosskonzern angestellt. «Gaddafi wird ihn wohl als Faustpfand brauchen, um ein möglichst hohes Lösegeld bei der ABB herauszuschlagen», befürchtet Ziegler. Bei Hamdanis Arbeitgeber, der Zementfirma Stucky, sei hingegen nichts zu holen gewesen.

Göldi hält den Kopf hin

Weniger düster sieht Daniel Graf von Amnesty International die Entwicklungen des heutigen Tages. «Ich habe zwiespältige Gefühle: Es ist einerseits ein grosser Erfolg, wenn Hamdani wirklich zurück in die Schweiz darf. Andererseits ist es eine dramatische Verschlechterung der Situation von Max Göldi», erklärt Graf gegenüber Blick.ch.

«Er hält jetzt in der ganzen Affäre Gaddafi den Kopf hin» sagt Graf. Doch offenbar seien sein Anwalt und die Schweizer Diplomaten zum Schluss gekommen, dass der Weg der Geisel zurück in die Schweiz nur über den Gefängnisaufenthalt führe: «Mit einem Bein ist er zwar im Gefängnis, mit einem aber auch schon in der Schweiz», zeigt sich Graf verhalten optimistisch.

Ziegler fordert: «Schweiz muss hart bleiben»

Der Gefängnis-Deal hätte den Vorteil, dass Gaddafi sein Gesicht wahren könnte. Von der Schweizer Aussenpolitik erwartet Jean Ziegler dennoch weiterhin Härte: «Die Schweiz muss auf jeden Fall den Visa-Boykott gegen Libyen aufrecht erhalten – selbst wenn wir damit Länder wie Italien verärgern, die lukrative Geschäfte mit Gaddafi tätigen».

Die Libyer verlangen auch, dass jene Polizisten bestraft werden, die Hannibal Gaddafi einst in Genf verhaftet haben – und ebenfalls jene, die danach die Polizeifotos des Diktatorensohns der Presse zugespielt haben. Auch hier solle die Schweiz nichts forcieren, sondern die normale Untersuchung der Vorgänge weiterführen, sagt Ziegler.

«Mehr können wir nicht bieten, auch wenn die Libyer das nicht einsehen wollen. Es ist ein Kulturproblem: Das Regime Gaddafi versteht nicht, dass in einem föderalen System die Bundesregierung nicht einfach kantonale Beamte massregeln kann», erklärt Ziegler.

EDA arbeitet an Lösung

Das Schweizer Aussendepartement hat heute sehr zurückhaltend auf die jüngsten Entwicklungen im Fall der zwei in Libyen festgehaltenen Schweizer reagiert. Weder zum Ultimatum Libyens noch zur Ankündigung, Max Göldi werde sich der Polizei stellen, gab das EDA einen Kommentar ab. Das EDA meldet lediglich: «Wir arbeiten weiter an einer Lösung.» (SDA)

Berlusconi versucht, Gaddafi zur Vernunft zu bringen

Die EU-Aussenminister engagieren sich weiter um eine Lösung des Streits zwischen der Schweiz und Libyen. In Brüssel sagte der italienische Aussenminister Franco Frattini, er hoffe auf einen «Deal, so dass die zwei Schweizer sofort freikommen». Im Gegenzug müsse die Schweiz die gegen eine Reihe von libyschen Personen verfügten Einreiseverbote aufheben, forderte Frattini in Brüssel. In der vergangenen Nacht hätten mit den verschiedenen Parteien diverse Gespräche stattgefunden, sagte er weiter. Unter anderem habe der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit dem libyschen Staatschef Muammar Gaddafi gesprochen. (SDA)
play Muammar al-Gaddafi: Will er von der ABB Lösegeld erpressen? (Reuters)

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