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Nach Amerika-Trip wieder zuhause: Muammar al-Gaddafi. Kommt jetzt endlich Bewegung in die Geisel-Affäre? (Keystone)
«No news is good news», heisst es doch. Aber dass die ganze Schweiz in der libyschen Geiselaffäre seit Tagen null Infos bekommt, absolut null, ist seltsam.
Die Schweiz wird auf eine riesige Geduldsprobe gestellt. Gegenüber den Medien hatte Bundesrätin Micheline Calmy-Rey gestern nur dieses zu sagen: «Ich glaube, das Beste, was wir im Moment tun können, ist schweigen.»
Das grosse Schweigen gilt aber nicht nur in der Schweiz. Auch in Libyen selbst herrscht seit Tagen totale Funkstille in der Affäre um die beiden Schweizer Geschäftsleute Max Göldi (54) und Rachid Hamdani (68). «Hier interessieren sich die Menschen einfach nicht für diese Sache», sagt ein libyscher Kenner der Verhältnisse im Land exklusiv gegenüber Blick.ch. Aus politischen Gründen möchte er anonym bleiben.
Aber nach der Reise von Bundesrat Hans-Rudolf Merz nach Libyen im August schien wenigstens Bewegung in die Sache zu kommen, wenn auch unter unwürdigen Bedingungen für die Schweiz. Aber warum geht denn jetzt gar nichts mehr? «Die Schweiz muss erst einmal gründlich ausbaden, was mit der Verhaftung von Hannibal angerichtet wurde», glaubt der libysche Gewährsmann. «Einen Gaddafi-Sohn und dessen schwangere Frau in Handschellen abführen: Das hätte man anders machen müssen!» Jetzt lässt Gaddafi unser Land zappeln.
Hoffnung: Gaddafi wieder in Libyen
Und doch gibts einen Funken Hoffnung. «Immerhin hat unser Revolutionsführer Euren Präsidenten an der Uno-Vollversammlung getroffen», ruft die libysche Quelle in Erinnerung. «Muammar al-Gaddafi ist aber erst gestern nach Hause zurückgekehrt. Das heisst, damit könnte er jetzt der Sache höchstpersönlich einen neuen Anstoss geben!»
Schön wärs. Denn erst am Montagabend hatte Bundespräsident Merz nur dies zu sagen: «Es gibt nichts Neues.» Nichts, wie es den Geiseln geht und wann sie möglicherweise zurückkommen. Nicht einmal irgendwelche Infos, wo sie sich überhaupt aufhalten, nachdem libysche Behörden sie unter dem Vorwand einer ärztlichen Untersuchung aus der Schweizer Botschaft gelockt hatten und dann nicht mehr dorthin zurückkehren liessen.
Was passiert bis zum 20. Oktober?
Das nächste interessante Datum ist der 20. Oktober. Gemäss dem schweizerisch-libyschen Vertrag vom 20. August sollen bis dahin die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern wieder normalisiert sein, «einschliesslich Ausreise-Visa für Schweizer Bürger», wie es ausdrücklich heisst. Dass aber Göldi und Hamdani an jenem Tag tatsächlich ausreisen dürfen, gilt nach dem Verhalten der Libyer in den vergangenen Tagen zunehmend als unwahrscheinlich.
In dieses Bild passt auch, dass das internationale Tribunal, das die Verhaftung von Hannibal Gaddafi untersuchen soll, noch nicht einmal seine Arbeit aufgenommen hat. Auch von dessen Verdikt wird abhängen, wann die beiden Schweizer endlich heimdürfen.