Gezerre um die Ukraine-Flüchtlinge

  • Publiziert: 01.02.2008, Aktualisiert: 13.01.2012

LUGANO – In den Tessiner Bergen sind sie fast erfroren: Jetzt streiten die Politiker des Südkantons um die ukrainische Flüchtlingsfamilie vom Monte Lema.

Die gute Nachricht: Dem 9-jährigen Knaben, der von der Rega mit schweren Erfrierungen ins Spital gebracht wurde, geht es besser. In der Zwischenzeit konnte der Knabe das Kinderspital Zürich wieder verlassen.

Die Zukunft seiner Familie ist aber immer noch völlig ungewiss. Fast so ungewiss, wie vor zehn Tagen, als die Flüchtlinge aus der Ukraine auf dem Monte Lema in einer dramatischen Aktion vor dem Erfrierungstod gerettet wurden. Die 47-jährige Mutter und ihre fünf Kinder wollten über die grüne Grenze in die Schweiz einwandern (Blick.ch berichtete).

Jetzt ist die Familie im Tessin zu einem Streitobjekt geworden: Auf der einen Seite steht die Kantonsregierung, die Gnade vor Recht gelten lassen will. In einem Brief hatte diese die Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf gebeten, «in Anbetracht der Besonderheit des Falles» in das Asylprozedere miteinbezogen zu werden, um die «Erwartungen der Tessiner Bevölkerung» darlegen zu können.

Wünscht Bevölkerung Sonderbehandlung?

Für die politische Rechte im Tessin ein Affront. Das Asylgesuch der ukrainischen Familie sei bereits mehrmals zurückgewiesen worden. Dass man sein Leben aufs Spiel setze, um in die Schweiz zu gelangen, ändere nichts daran, poltert die SVP.

Ähnlich tönt es in einer kleinen parlamentarischen Anfrage von Lega-Grossrat Lorenzo Quadri. Er will unter anderem wissen, weshalb die Regierung der Meinung ist, dass sich die Bevölkerung eine Sonderbehandlung des Falles wünscht.

Für die Flüchtlinge aus der Ukraine ist der Weg in die Schweiz nicht einfacher geworden. Auch wenn sie sich im Moment hier aufhalten dürfen. (SDA/bih)

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