«Gesetzlosigkeit und Barbarei»

  • Aktualisiert am 02.01.2012

LUGANO – «Multikulturelle Brutalität», Demokratiefeindlichkeit und Verachtung der Linken für das eigene Land: Parteipräsident Ueli Maurer hat zum Rundumschlag ausgeholt und die SVP einmal mehr als Hüterin der Schweizer Grundwerte angepriesen.

Zum Auftakt der Delegiertenversammlung in Lugano plädierte er für einen kompromisslosen Steuerwettbewerb und kritisierte die Multikulturalität, die der Schweiz Gesetzlosigkeit und Barbarei beschert habe.

Masseneinwanderung und Masseneinbürgerungen hätten der Schweiz vielerorts das traditionelle freundliche Bild geraubt, sagte Maurer. An dessen Stelle träten «multikulturelle Brutalität», Gesetzlosigkeit und Barbarei, wie sie die westeuropäische Tradition nicht kenne.

Die SVP müsse deshalb eine Partei der harten Hand gegenüber Ausländern sein. Mit diesen Worten machte Maurer Stimmung für einen Antrag der Tessiner SVP an die Delegierten. Er verlangt eine Gesetzesänderung, die es erlaubt, straffälligen eingebürgerten Ausländern das Schweizer Bürgerrecht zu entziehen. Dazu soll die SVP eine Volksinitiative ausarbeiten.

In Bezug auf den Steuerstreit mit der EU warf der SVP-Präsident den linken Parteien Demokratiefeindlichkeit und Verachtung für das eigene Land vor: «Die Linke heuchelt Empörung über die Drohung von Brüssel. Dabei spielen die Sozialisten im In- und Ausland zusammen.» Der Versuch der EU, auf das Schweizer Steuersystem Einfluss zu nehmen, sei ein «Angriff auf den Kern unserer demokratischen Schweiz», sagte Maurer laut Redetext. Für die SVP sei klar, dass nicht über die Souveränität verhandelt werde.

Der Steuerwettbewerb sei für die Schweiz gesund. Er fördere die Budgetdisziplin, was allen zugute komme. Deshalb setze sich die SVP für den Wettbewerb unter den Kantonen ein. In der «Brüsselbegeisterung» der letzten Jahre seien der Föderalismus und die Bürgernähe vergessen gegangen, sagte Maurer. Der Bund habe immer mehr Kompetenzen erhalten. Das habe das Volk mit immer mehr Vorschriften, Gebühren und Abgaben zu spüren bekommen.

Neben dem Thema Jugend- und Ausländergewalt, zu dem sich auch Justizminister Christoph Blocher äussern will, steht die Parolenfassung zur 5. IV-Revision auf dem Programm der Versammlung.

SVP-Delegierte stimmen für 5. IV-Revision

LUGANO – Die Delegierten der SVP haben die Ja-Parole zur 5. Revision der Invalidenversicherung (IV) beschlossen. Allerdings geht die Gesetzesänderung der Partei zu wenig weit. Sie forderte bereits eine sechste Revision.

Der Entscheid an der Delegiertenversammlung (DV) am Samstag in Lugano fiel mit 310 zu einer Gegenstimme. Die Revision sei ein wichtiger Schritt zur Sanierung der IV, sagte der Zürcher SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi. Sie sei dringend nötig, weil die IV zu einem «Sammelsurium für Leistungsunwillige» geworden sei. Zwar sei die Zahl der Neurenten erstmals rückläufig, doch die IV verfüge über Schulden von zehn Milliarden Franken, und jeden Tag kämen fünf Millionen dazu.

Über die 5. IV-Revision wird am kommenden 17. Juni abgestimmt. Gegen sie haben linke Gruppierungen und Behindertenorganisationen das Referendum ergriffen.

«Es besteht Handlungsbedarf»

LUGANO – Bundesrat Christoph Blocher will Eltern straffälliger Jugendlicher stärker in die Pflicht nehmen. Unter anderem sollen sie mit Schadenersatzzahlungen für die Verfehlungen ihrer Kinder aufkommen, forderte der Justizminister.

«Jugendgewalt besteht in einem beunruhigenden Ausmass und nimmt stark zu», sagte Blocher am Samstag in Lugano und verweis auf die neusten Zahlen des Bundesamts für Statistik. Von 2000 bis 2005 habe sich die Zahl der Jungenstrafurteile fast verdoppelt. «Es besteht Handlungsbedarf», sagte der Justizminister. Dies vor allem bei jugendlichen Ausländern, die häufiger straffällig würden als Schweizer Jugendliche.

«Zottel» der heimliche Star

LUGANO – An der SVP-Delegiertenversammlung hat auch Geissbock «Zottel» nicht gefehlt. Sein Besitzer, der Zürcher SVP-Nationalrat Ernst Schibli, brachte «Zottel» extra mit dem Transporter von Zürich nach Lugano. Der sechsjährige Geissbock und Wahlmaskottchen musste zu Beginn der Veranstaltung auf die Bühne und wurde unter Applaus zwischen den Tischreihen herumgeführt. «Zottel» werde der Partei an den Tessiner Regierungsratswahlen vom kommenden 1. April Glück bringen, sagte SVP-Parteipräsident Ueli Maurer. Nach dem grossen Auftritt wartete «Zottel» etwas apatisch in einem Gehege am Eingang des «Centro Esposizioni» auf seine Rückfahrt. Der Geissbock fühle sich wohl, versicherte Besitzer Ernst Schibli auf Anfrage. «Schauen Sie: Er hat die Ohren aufgestellt.» Am wohlsten fühle er sich jedoch im heimischen Stall, den er zusammen mit einem Pferd teile.

«Unsere Regeln gelten für alle»

LUGANO – Die SVP will straffälligen Ausländern das Schweizer Bürgerrecht entziehen. An ihrer Delegiertenversammlung in Lugano hat sie die Ausarbeitung einer entsprechenden Volksinitiative beschlossen.

Der Beschluss, der auf einen Antrag der Tessiner SVP zurück geht, fiel einstimmig. Die Initiative mit dem Titel «Unsere Regeln gelten für alle» verlangt, dass straffällig gewordenen Ausländern, die vor kurzem eingebürgert wurden, das Bürgerrecht aberkannt wird. Auch straffällige Jugendliche sollen gemäss dem Antrag zusammen mit ihren Eltern ausgeschafft werden können.

Präsident Ueli Maurer will die SVP als Partei der harten Hand gegen Ausländer.- Keystone

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