Schenkkreis-Mord Geplante Hinrichtung

  • Publiziert: 14.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Lorenz Honegger und Beat Kraushaar

Die Killer der Familie Dubey sind weiter auf der Flucht. Spuren führen ins benachbarte Deutschland.

Die Absicht der Täterschaft war klar: Als sie den Wohnblock an der Kirchstrasse 72 in Grenchen SO betrat, hatte sie eine Faustfeuerwaffe, Fessel-Material und Säcke dabei. In der Attikawohnung löschte sie die dreiköpfige Familie Dubey aus. Warum, ist nach wie vor ein Rätsel. Die Sonderkommission der Kantonspolizei Solothurn ermittelt auf Hochtouren.

Der Vater Pierre André Dubey (†60) wurde mit einer Faustfeuerwaffe hingerichtet. Ob er noch mitbekam, wie seine geistig leicht behinderte Tochter Dania (†35) und seine Frau Margrit (†55) von den Tätern gefesselt und dann mit Plastiksäcken erstickt wurden, wissen die Ermittler nicht.

Die Leiche der Mutter entdeckte die Polizei im Erdgeschoss des Mordhauses – wo sie ihre umstrittenen «Bios Life»-Gesundheitsprodukte lagerte.

Acht Tage sind seit dem Mord vergangen. Die Kantonspolizei Solothurn verhaftete drei Personen, die aber alle wieder auf freiem Fuss sind. Eine davon ist Nadja M.*, die im Mörderhaus einen Coiffeursalon betreibt und mit der Toten befreundet war. Laut BLICK war sie es, die Alarm schlug, weil die Dubeys nicht ans Telefon gingen und die Türe nicht aufmachten.

Gestern Samstag war M. mit den Nerven am Ende. «Ich habe der Polizei alles gesagt, was ich weiss. Ich hoffe, dass man die Mörder bald erwischt. Die Dubeys waren so nette Leute», sagt sie. Medienberichte, wonach sie in die dubiosen Schenkkreise der Familie Dubey (siehe Box) involviert war, dementiert M.*. «Ich habe nur Bios-Life-Produkte für meinen Laden gekauft.»

Ins Visier der Polizei geriet auch der Basler Anwalt Willy Fraefel (65). In den Medien präsentierte er sich als guter Bekannter der Dubeys – und als Experte für Schenkkreise. Was er nicht erwähnte: Er ist Präsident von «dr Club», ein Verein, der seinen Mitgliedern verspricht, aus 300 Euro 400 zu machen. Inoffiziell wurden gar 5400 Euro versprochen. Mit dabei: die Familie Dubey. Fraefel war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der Anwalt war auch bei einem von Margrit Dubeys Schenkkreis-Kursen dabei. «Bei einem Treffen in Deutschland erklärte ich ihr die Rechtslage», sagte Fraefel diese Woche. Fakt ist: Die ermordete Margrit Dubey verlagerte ihre Schenkkreis-Aktivitäten vermehrt über die Landesgrenze hinaus.

In den Wochen vor dem Dreifachmord kreuzten vor dem Wohnblock der Dubeys auffällig viele Autos mit deutschem Kennzeichen auf. Dies bestätigten mehrere Anwohner gegenüber SonntagsBlick.

Kamen die Mörder aus Deutschland? Die Polizei will es nicht ausschliessen. «Wir ermitteln in alle Richtungen», hiess es gestern.  

*Name von der Redaktion geändert

Finger weg von Schenkkreisen

Schenkkreis — klingt harmlos. Doch wer ihn nicht selber gründet, der verliert. Es geht um Geld: Einsteiger in einen Schenkkreis machen allen bisherigen Mitgliedern ein «Geschenk». Zum Beispiel je 1000 Franken. Die Hoffnung: Wenn jeder dieser Einsteiger jeweils «nur» einen weiteren Einsteiger findet, haben alle ihre Investition zurück. Und ab jetzt bedeutet jeder «neue» Neueinsteiger einen Zusatzverdienst für alle. Nur: Bereits nach wenigen Durchgängen sind die Ursprungsinvestitionen riesig. Es braucht immer länger, bis sie wettgemacht sind. Neueinsteiger in späteren Runden sind ihr Geld los, ohne Chance, es zurückzuerhalten. Darum sind Schneeballsysteme in der Schweiz illegal und werden strafrechtlich verfolgt.

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