Roadcross kritisiert Taxifahrer «Geld darf nicht wichtiger sein, als ein Kinderleben»

  • Publiziert: 14.04.2011, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Jessica Francis

BERN - Realitätsfremd nennt der Nationalrat die Kindersitzpflicht für Taxis – und lockert die Regel. Roadcross findet das unverantwortlich.

Die Strassenopfer-Stiftung Roadcross will Taxi-Unternehmen einen Riegel vorschieben. Auch sie sollen Kinder unter 12 Jahren und 1,50 Meter Körpergrösse mit Kindersitz sichern.

«Die Sicherheit der Kinder darf nicht weniger wichtig sein als die ökonomischen Interessen von Taxiunternehmen», kritisiert Roadcross-Mediensprecher Silvan Granig. «Geld darf nicht wichtiger sein, als ein Kinderleben.» Der Entscheid des Nationalrats sei unverantwortlich.

Roadcross sieht Kinder in Gefahr

148 Nationalräte stimmten Montag für die Motion der Verkehrskommission: Demnach soll es Taxifahrern vorab in Stadtgebieten erlaubt sein, Kinder ohne Kindersitz zu transportieren. 10 Nationalräte stimmten dagegen, acht enthielten sich der Stimme.

Für die Strassenopfer-Stiftung ein falscher Entscheid: Die Sicherheitsgurten sind auch in Taxis nur für Personen mit einer Körpergrösse von über 1,50 Meter wirklich sicher. «Diese Regel, die für alle Privatpersonen gilt, muss auch für Taxis gelten», sagt Granig.

Auch wenn Taxi-Fahrer grundsätzlich sehr professionell fahren würden, sei es fahrlässig, Kinder in mögliche Gefahr zu begeben. «Auch der beste Taxifahrer kann in einen schweren Unfall verwickelt werden.»

Gestrandete Familie am Flughafen

Angestossen wurde die Motion vom Genfer SP-Mann Carlo Sommaruga, der einmal beobachtete, wie eine einreisende Familie am Flughafen kein Taxi mit Kindersitzen fand. Sind Kindersitze für Taxis nicht zumutbar?

Für Roadcross ist der Aufwand für die Taxi-Unternehmen nicht zu gross: «Wenn ein Taxi-Unternehmen damit werben würde, dass er Familien mitnehmen kann, könnte das sein Geschäft sogar fördern», so Granig.

«Wenn dieser Entscheid umgesetzt wird, ist Taxi-Fahren für Kinder gefährlicher als vor der bewährten Kindersitzpflicht von 2002. Denn seither brauchen Kinder unter sieben Jahren überall einen Kindersitz und mir ist kein Taxi-Unternehmen bekannt, das deswegen Konkurs anmelden musste.» Diese Meinung vertritt auch Verkehrsministerin Doris Leuthard.

Ohne Kindersitz ist Gefahr sieben Mal grösser

Laut dem TCS verunfallen jährlich 500 Kinder in Personenwagen. Fährt ein Kind ohne Kindersitz mit, ist es siebenmal mehr gefährdet, bei einem Unfall schwer verletzt oder gar getötet zu werden. Denn der Sicherheitsgurt verläuft so zu nah am Hals, was bei einem Aufprall verheerend sein kann.

Die Vorlage geht nun in den Ständerat. Stimmt auch dieser zu, muss der Bundesrat mit den Kantonen eine Ausnahmeregelung formulieren.

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