Gasvertrag: «Nur nicht den USA nachgeben!»

  • Aktualisiert am 14.01.2012

BERN – Der Mann weiss, wovon er spricht. Immerhin war er jahrelang als Schweizer Botschafter in den USA. Carlo Jagmetti rät der Schweiz, im Streit um den Gas-Vertrag mit dem Iran Rückgrat zu zeigen.

«Amerika hat für kleinlaute Partner keine Achtung», sagte Carlo Jagmetti der «Neuen Luzerner Zeitung» (NLZ). er war gefragt worden, ob die Schweiz dem Drängen nachgeben und den USA eine Kopie des Gas- Vertrags übergeben solle.

Der Kaufvertrag für iranisches Gas war zwischen der staatlichen iranischen Gasexport-Gesellschaft und der Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg (EGL) geschlossen worden (Blick.ch berichtete). Mitte März wurde er im Beisein von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in Teheran unterzeichnet.

Dies sorgte für Aufregung und rote Köpfe: Israel und die USA kritisierten das Geschäft scharf. Die USA wollen überprüfen, ob der Vertrag gegen US-Sanktionen verstösst. Die EGL will den Vertrag nicht herausgeben. Der Vertrag verstosse nicht gegen US-Sanktionen, betonen das Unternehmen und Calmy-Rey immer wieder.

Musste es Calmy-Rey sein?

Jagmetti zeigte sich überzeugt, dass die Schweiz in die Verhandlungen involviert war: «Geschäftsabschlüsse privater Unternehmen mit totalitär-diktatorischen Regimen» seien ohne offizielle Schützenhilfe oft gar nicht möglich.

«Es ist von aussen nicht zu beurteilen, ob es für den Vertragsabschluss wirklich nötig war, dass ein Mitglied des Bundesrates nach Teheran reiste», schränkte er ein. Dass die USA dies nicht goutieren würden, sei «klar vorauszusehen» gewesen «und wurde offenbar in Kauf genommen».

Eiszeit mit den USA?

Jagmetti schloss nicht aus, dass die schweizerisch- amerikanischen Beziehungen in eine Krise schlittern: Es komme der US-Regierung «mitunter gelegen», die Schweiz unter Druck zu setzen «mit Absichten auch auf anderen Gebieten, sprich dem Bankgeheimnis, militärischen Auslandseinsätzen oder anderem».

Zudem fürchtet der Ex-Botschafter, dass die Schweiz ihre US-Schutzmachtmandate für den Iran und Kuba verlieren könnte. Damit würde «ein weiterer Stein aus der Krone der neutralen und zu guten Diensten bereiten Schweiz fallen».

USA relativieren

Die US-Botschaft in Bern schreibt, die Schweiz habe nur «zurzeit» die Schutzmachtmandate inne. Allerdings hat das US-Aussenministerium gegenüber der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens SF diese Aussage relativiert: «Es gibt diesbezüglich keine Änderung in unserer Politik», sagte dessen Sprecher Tom Casey. «Die Schweiz wird weiterhin unsere Interessensvertreterin im Iran und in Kuba bleiben.» Er kritisierte den Vertrag aber als «unangebracht». (SDA/gux)

Ein Bild aus alten Tagen: Carlo und Erika Jagmetti vor Capitol, 1993.<br></br>- SI

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