Betten zu schwach, Türen zu schmal, WC zu zerbrechlich Ganze Spitäler müssen für Dicke umgerüstet werden

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Lukas Füglister

BADEN AG – Die Schweiz wird dicker und dicker – und das macht den Spitälern schwer zu schaffen.

Aber auch den Krankenkassen und damit unseren Prämien: Übergewichtige Patienten werden öfter krank und kosten somit die Versicherungen mehr.

Zu schwach gebaute Operationstische, Toiletten, die zusammenkrachen, zu schmale Betten und zu
enge Spitalhemden.

Jetzt gehen die Krankenhäuser in die Offensive: Sie rüsten auf für XXL-Patienten.

Das Kantonsspital St.Gallen schaffte für seinen Rettungsdienst neue Roll-Tragen an. Maximalgewicht: 180 Kilo. Und im Operationssaal wurden die Tische und die Hydraulik verstärkt.

Das gleiche Bild im Unispital Basel. «Wir haben unsere Ausrüstung an schwere Patienten anpassen müssen», sagt Mediensprecher Andreas Bitterlin.

Eben erst wurden zwei Spezialbetten für übergewichtige Patienten angeschafft – für je 10000 Franken. Früher wurden die Betten einfach zugemietet, wenn sie gebraucht wurden. «Jetzt brauchen wir sie so oft, dass sich ein Kauf lohnte.»

In der Schweiz gibt es 2,2 Millionen Übergewichtige. Rund eine halbe Million sind sogar richtig fettleibig. Das sagen die aktuellsten Zahlen des Bundesamts für Gesundheit von 2002.

Sie besagen auch, dass der Anteil an Fettleibigen in der Bevölkerung seit 1992 um 7 Prozent stieg.
Nichts deutet darauf hin, dass es inzwischen weniger geworden sind. Im Gegenteil. Die Tendenz ist weiter steigend.

Das Kantonsspital Baden beobachtet seit drei Jahren einen klaren Anstieg stark übergewichtiger Patienten. «Vorher war das kein Thema», sagt Doris von Siebenthal. Sie ist in Baden für die Pflege verantwortlich.

Schwergewichtige Patienten beeinträchtigen den ganzen Spitalbetrieb.

In Baden hat man zum neuen Jahr für die ganzen Gerätschaften einen Gewichtsindex erstellt. Für jedes Gerät – vom Rollstuhl bis zur Trage – ist jetzt das zulässige Maximalgewicht festgehalten.

So sollen Zwischenfälle vermieden werden. «Einmal ging ein WC kaputt, weil ein Patient zu schwer war», sagt Doris von Siebenthal. Ein speziell starker WC-Stuhl für Übergewichtige verhindert das in Zukunft.

Auch besitzt das Badener Spital einige Spezialrollstühle – geeignet für Patienten bis zu 150 Kilo.

Und die 360 dieses Jahr angeschafften neuen Betten verkraften 210 Kilo. 80 Kilo mehr als die alten.

«Das Bestellen solcher Betten hätte vor einigen Jahren nur Kopfschütteln verursacht», sagt Marco Bellafiore vom Kantonsspital Baden.

Heute gilt: Jede Neuanschaffung muss auch für stark Übergewichtige funktionieren.

Bei der anstehenden Spitalsanierung werden sogar die Türrahmen der Spitalzimmer verbreitert.

Spital-Aufrüstung wegen dicken Patienten – was halten Sie davon? Diskutieren Sie mit!

In der gedruckten Ausgabe

Heinrich von Grünigen war selber betroffen
«Bis 150 Kilo geht in der Pflege, darüber wird es schwierig»

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