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Der Fünftgeborene des libyschen Präsidenten Muammar Gaddafi hat in Genf eine Klage am Hals. So was lässt sich ein waschechter Diktator und früherer Terrorist nicht bieten – und sorgt dafür, dass die Beziehungen zwischen dem nordafrikanischen Staat und der Schweiz schwer gestört sind.
Was war passiert? Hannibal Gaddafi und seine Ehefrau führten sich letzte Woche im Genfer 5-Sterne-Hotel «Président Wilson» völlig daneben auf. So sehr, dass die Polizei anrücken musste und die beiden vorläufig festnahm.
Die Vorwürfe gegen das Paar lauten auf einfache Körperverletzung, Drohung sowie Nötigung zweier Hausangestellten. Erst nach zwei Nächten in Haft kamen Gaddafi Junior und seine Frau gegen Kaution wieder auf freien Fuss (Blick.ch berichtete).
Tripoli hat nach Angaben des Schweizer Aussenministeriums nun «beunruhigende Vergeltungsmassnahmen» für diesen «Affront» eingeleitet: Schweizer Unternehmen in Libyen sollen ihre Büros schliessen. Mehrere Vertretungen sind bereits versiegelt!
Die libysche Polizei nahm sogar zwei Schweizer fest. Zudem hat Libyen seine Diplomaten aus Bern zurückbeordert. Seither führt die Botschaft des Maghrebstaates keine Visaanträge mehr aus.
Aussenministerin Micheline Calmy-Rey habe gestern in einem Telefongespräch mit ihrem libyschen Amtskollegen Abderraham Shalgan entschieden gegen die Massnahmen protestiert und sich äusserst besorgt über die Entwicklung gezeigt, teilte das EDA weiter mit.
Die Fluggesellschaft Swiss musste ihre Verbindungen nach Tripoli auf Aufforderung Libyens aus «technischen Gründen» von drei auf einen Flug pro Woche reduzieren.
Am vergangenen Sonntag und gestern seien keine Swiss-Maschinen nach Libyen geflogen, bestätigte Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel eine Meldung von Radio DRS. Auch die libysche Airline Afriqiyah Airways reduzierte den Flugbetrieb in Richtung Schweiz.
Bern richtete einen Krisenstab ein und wird noch heute eine diplomatische Delegation nach Tripoli entsenden. Schweizer Bürgern wird bis auf Weiteres von Reisen nach Libyen abgeraten. (SDA/hhs)