Gaddafi spinnt wieder: Öl-Stopp!

  • Aktualisiert am 13.01.2012

BERN – Lange haben wir geglaubt dass sich der Wüsten-Wüterich Muammar al-Gaddafi beruhigt hat. Denkste: Ab sofort gibts aus Libyen kein Öl mehr für uns.

Die Schmach für Gaddafis Sohn Hannibal, der in Genf verhaftet wurde, kann sein Vater Muammar al-Gaddafi wohl nie vergessen. Denn jetzt dreht Libyen den Öl-Hahn in die Schweiz zu. Das sagte der Sprecher von Tamoil, Laurent Paoliello, heute Abend. Zu den Motiven von Tripolis für diesen Schritt wollte er sich nicht äussern.

Für die Schweizerische Erdölvereinigung ist der Lieferstopp ärgerlich, aber ungefährlich, wie ihr Geschäftsführer Rolf Hartl auf Anfrage sagte. Die Versorgung mit Erdöl in der Schweiz sei dadurch nicht im Geringsten bedroht. Auch werde dadurch der Preis nicht steigen, versicherte Hartl.

Der libysche Lieferstopp würde in der Schweiz erst in zwei bis drei Wochen Auswirkungen zeigen, sagte Hartl. Bis dahin hätten die Importeure Zeit, sich an andere Lieferanten zu wenden.

Libysches Eigentor

Nach Ansicht von Hartl handelt es sich beim Lieferstopp um ein «Eigentor» Libyens, das dessen eigene Interessen in der Schweiz schwäche: Am meisten davon betroffen seien die Tamoil-Raffinerie in Collombey VS, die in libyschem Besitz ist, sowie die 320 Tamoil-Tankstellen in der Schweiz.

Es handle sich hier um einen «diplomatischen Poker», und es gehe offenbar darum, gewisse Leute zu beruhigen, sagte Hartl. Die Erdölwaffe tauge aber in diesem Zusammenhang nicht.

Beim Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) war am dazu keine Stellungnahme erhältlich. «Das EDA kann sich nicht näher dazu äussern, weil es von offizieller libyscher Seite keine dahingehenden Informationen erhalten hat», sagte EDA- Sprecher Lars Knuchel.

Spannungen nach Verhaftung von Gaddafi-Sohn

Zwischen der Schweiz und Libyen hatte es in den vergangenen Monaten Spannungen gegeben, nachdem ein Sohn von Machthaber Muammar Gaddafi Mitte Juli in Genf vorübergehend festgenommen worden war. Der nordafrikanische Staat hatte bereits damals gedroht, der Schweiz den Erdölhahn zu schliessen.

Zwei Hausangestellte hatten Hannibal Gaddafi und dessen Frau der Nötigung, einfacher Körperverletzung und Drohung beschuldigt. Das Genfer Verfahren gegen das Paar war Anfang September eingestellt worden. Noch immer sitzen aber zwei Schweizer in Libyen fest. (SDA/num)

Muammar al-Gaddafi: Der Wüsten-Wüterich wie er leibt und tobt.- Reuters

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