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Die Schweiz hat nach Einschätzung des Islamwissenschafters Reinhard Schulze in ihrer Libyen-Politik keine Fehler gemacht. Vielmehr sieht er die Verantwortung für die Krise beim Gaddafi-Regime: «Offensichtlich sind die innenpolitischen Verhältnisse in Libyen so komplex, dass gemachte Vereinbarungen nicht ohne weiteres gehalten werden können», erklärte er gegenüber der «Berner Zeitung».
Fragen der Ehre seien für die Familie des Wüstendiktators zentral. «Ich habe den Eindruck, dass Gaddafi momentan nach einer Strategie sucht, mit der er rechtlich getroffene Vereinbarungen erfüllen kann, ohne dass dabei seine Ehre verletzt wird. Aber offenbar ist er noch nicht so weit», gibt der an der Universität Bern lehrende Wissenschafter zu bedenken.
Schweiz steht vor Dilemma
Sobald die Familie Gaddafi das Gefühl habe, dass so etwas wie eine Ehrenerklärung abgegeben worden sei, könne der Konflikt rasch gelöst werden. Die Schweiz stehe, wie andere Länder, vor einem Dilemma: Wie kann sie mit einem politischen System umgehen, das sich nicht den Gepflogenheiten der internationalen Diplomatie hält?
Von einer härteren Gangart, die zu einer Eskalation führen könnte, hält Schulze wenig. Die Schweiz solle die diplomatischen Verhandlungen unbedingt weiterführen, allenfalls unter Einschaltung von befreundeten Staaten, rät er.
Wer hinter der Hetze gegen die Schweiz und gegen Bundespräsident Merz auf der Internetsite hannibal.ly steht, sei nicht klar, sagte der Islamwissenschafter weiter. Seiner Einschätzung nach könnten es private Leute sein, die mit dieser Aktion Gaddafi einen Gefallen tun wollten. (SDA/hhs)
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Muammar al-Gaddafi: Wie lange spielt er sein Spielchen mit der Schweiz noch? (Keystone)