Libyen-Affäre Gaddafi hatte Angst vor Schweizer Armee

NEW YORK – Bundespräsident Merz berichtete heute von seinem Treffen mit dem irren Diktator – und erklärte, wieso dieser die beiden Geiseln versteckt hält.

  • Publiziert: 24.09.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
play Gaddafi an der Uno-Vollversammlung: Merz freut sich, dass der Diktator ihn nicht warten liess. (Reuters)

Nach dem Treffen mit Libyens Revolutionsführer Muammar Gaddafi in New York glaubt Bundespräsident Hans-Rudolf Merz, dass die Normalisierung der Beziehungen der Schweiz mit Libyen nun in Gang kommt.

Merz traf Gaddafi gestern Abend zu einem rund 40-minütigen Gespräch in der libyschen Botschaft. Der libysche Herrscher sei sachlich und unemotional gewesen, er habe der Schweiz keine Vorwürfe gemacht, sagte Merz heute vor Schweizer Medienvertretern. Er habe die Schweizer auch nicht warten lassen und das Treffen habe in einer freundlichen Atmosphäre stattgefunden.

Er habe Gaddafi darauf aufmerksam gemacht, dass zuerst die zwei Schweizer Geiseln freikommen müssten, sagte Merz. Die zwei Geschäftsleute werden seit einem Jahr in Libyen festgehalten, weil sie Visaübertretungen begangen hätten.

Da sie dafür aber bisher nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, liegt laut Merz die Vermutung nahe, dass die beiden aus Rache für die Verhaftung von Gaddafis Sohn Hannibal im Juli 2008 im Land behalten würden.

Geiseln nicht mehr in der Botschaft

Die beiden Schweizer wurden laut Merz von den libyschen Behörden an einen «sicheren» Ort gebracht. Gaddafi habe diese Massnahme damit begründet, dass Libyen befürchte, die Schweiz könnte versuchen, die Geiseln gewaltsam zu befreien. Merz versicherte Gaddafi, dass die Schweiz keine solchen Absichten hege.

Gadaffi habe beim Treffen noch einmal die Verhaftung seines Sohnes rekapituliert, sagte Merz weiter. Der Revolutionsführer habe dabei klar gemacht, dass seine Familie nicht über dem Schweizer Recht stehe, dieses sei aber nicht richtig angewandt worden.

Wann die Geiseln frei kommen, konnte Merz nicht sagen. Dass zur Umsetzung des Vertrages zwischen den beiden Ländern aber die Frage der Geiseln gelöst werden müsse, sei Gaddafi klar. Der Revolutionsführer habe ihm aber gesagt, er wolle sich nun persönlich darum kümmern.

Merz und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey kritisierten die Polemik, die die Schweizer Medien betrieben. So habe die Veröffentlichung der Polizeifotos von Hannibal Gaddafi den Verhandlungen einen herben Rückschlag erlitten. (SDA/hhs)

Zivilklage sistiert

Im juristischen Streit in Genf zeichnet sich eine positive Entwicklung ab. Der Staat Libyen, das Ehepaar Hannibal und Aline Gaddafi sowie der Kanton Genf hätten die Sistierung der Klage gemeinsam beantragt, sagte der stv. Sekretär der Genfer Staatsanwaltschaft, Patrick Becker. Eine Anhörung am Donnerstag wurde abgesagt.
play Hans-Rudolf Merz: «Am Ende werden Resultate da sein.» (Keystone)

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