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Hans-Rudolf Merz gibt zu, dass der Libyen-Trip ihn politisch teuer zu stehen gekommen sei. «Einige der Attacken haben mich getroffen. Der Druck war sehr stark. Doch das ist Teil der politischen Spiels. Entscheidend ist das Resultat. Und ich bin überzeugt, dass ich richtig gehandelt habe», erklärt der Bundespräsident in einem heute erschienenen Interview mit der welschen Wochenzeitschrift «LHébdo».
Am Morgen seines Abflugs nach Libyen habe er ein mulmiges Gefühl im Bauch gehabt, berichtet er. Doch er habe mit dem Gang nach Tripolis zeigen wollen, dass sich die Schweiz für ihre Bürger einsetze, wenn sie im Ausland Probleme bekommen.
Und das Treffen mit Gaddafi letzte Woche in New York sei nur wegen seiner früheren Libyen-Reise und des dort unterzeichneten Abkommens möglich gewesen, betont der Bundespräsident.
«Ich musste schnell handeln. Und eines Tages hätte sowieso jemand diese dornige Geschichte angehen müssen.» Er hätte das heikle Dossier auch einfach auf Doris Leuthard, die 2010 Bundespräsidentin wird, abschieben können. «Das wäre aber nicht mutig gewesen», erklärt Merz.
Die Entschuldigungen, die er gegenüber dem Gaddafi-Regime aussprechen musste, hätten nichts gekostet, hält er fest. «Wir sind nicht die ersten und werden auch nicht die letzten sein, die sich in Tripolis entschuldigen müssen», sagt Merz – und verweist auf die Bittgänge von Condoleezza Rice, Silvio Berlusconi und Tony Blair.
Er sei auch nicht auf jede Forderung der Libyer eingegangen, betont Merz. Er weigerte sich etwa, für die Verhaftung von Hannibal Gaddafi in Genf ein Schmerzensgeld von 35 Millionen Franken zu bezahlen. «Hätte ich das akzeptiert, hätte jeder Schweizer im Ausland einen Preis bekommen.»
Dass die Geiseln entgegen seiner Ankündigung noch nicht in die Schweiz zurückgekehrt sind, erklärt Merz mit der Polemik, welche seine Libyen-Reise in der Schweiz ausgelöst habe – und mit der Veröffentlichung der Genfer Polizeifotos von Hannibal Gaddafi in einigen welschen Medien.
Bei ihrem Treffen in New York erlebte Merz den Wüstendiktator nicht als irr. «Er war sehr gesetzt, sehr logisch und sehr klar, auch in seinen Forderungen.» Am Anfang sei Gaddafi ein bisschen distanziert gewesen. «Doch dann hat er mir mich an seine Liebe zur Schweiz erinnert, zu einem Land, das immer gut zu ihm gewesen sei», erzählt Merz. «Am Schluss hat er mich bei der Hand genommen und mir Datteln und Tee offeriert.»
Der Frage, wieso denn Gaddafi bei all dem angeblich guten Willen die Geiseln aus der Schweizer Botschaft entführen und an einen «sicheren» Ort bringen liess, weicht Merz aus. «Warten wir ab, was passiert. Oberst Gaddafi hat mir versprochen, sich persönlich um das Dossier zu kümmern.» Er hoffe, dass die beiden Schweizer Geschäftsmänner bald nach Hause kommen könnten, betont der Appenzeller einmal mehr. (hhs)
Gaddafi und Merz in New York: Nur dank seiner früheren Reise nach Libyen habe er den Wüstendiktator treffen können, sagt Merz.- SF