Fux fachsimpelt mit ihrer Kollegin: «Dieses Bild ist Rock ’n’ Roll!»

Zwei Frauen, ein Thema. BLICK-Sexberaterin Caroline Fux besucht ihre deutsche Kollegin Ann-Marlene Henning. Die beiden kommen schnell zur Sache.

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Caroline Fux: «Make Love» hat wegen seiner expliziten Bilder für Aufsehen gesorgt. Auch sein Nachfolgeband dürfte polarisieren: Ihr zeigt ganz normale Männer und Frauen beim Sex – diesmal sind sie aber knapp fünfzig oder deutlich im Pen­sionsalter. Bist du zufrieden mit dem Resultat?

Ann-Marlene Henning: Ja, wobei mir die Paare im ersten Buch noch fast zu schön waren. Und einige der abgebildeten Penisse sind sehr gross. Aber es ist schwer, Leute zu finden, die sich beim Sex zeigen lassen, wenn sie sich nicht ganz wohlfühlen in ihrem Körper, zum Beispiel weil sie einen kleineren Penis haben oder zu viele Kilo auf die Waage bringen.

Fux: Ich bin dankbar für die ungeschminkte Bildsprache. Wobei ich zugeben muss: Als ich beim Durchblättern über die Bilder von Ann und Derek, beide 67 Jahre alt, gestolpert bin, habe ich mich gefragt: Will ich die jetzt wirklich beim Sex sehen?

Henning: Ach, das frage ich mich auch (lacht).

Fux: Wenn man sich aber etwas Zeit gibt, macht es plötzlich Klick, und man merkt: Die sehen nicht perfekt aus, aber die lassen sich nicht aufhalten, haben Spass. Das ist Rock ’n’ Roll!

Henning: Das ist genau das, was ich erreichen möchte. Aber wir haben sehr viel diskutiert, und ich habe gekämpft, bis wir die Bilder zusammenhatten. Und nun haben viele Zeitungen Hemmungen, sie zu zeigen.

Fux: Genial ist auch das Kapitel über die Andropause, die männlichen Wechseljahre. Ich gönne den Männern die Befreiung, dass du schreibst, dass Sexualität mit 50 oder 70 nicht mehr ist wie mit 20. Von der Erektion bis zur Geisteshaltung.

Henning: Das nehmen aber längst nicht alle als Befreiung war. Zunächst sind viele Männer skeptisch, von Entlastung keine Spur. Ein Chefredaktor ­einer deutschen Zeitschrift wollte die Grafik, die den abflachenden Winkel der Erektion zeigt, nicht bringen. Er fand, wenn man über so was rede, bekomme man das am Ende noch.

Fux: Der natürliche Alterungsprozess als ansteckende Krankheit? Wahnsinn.

Henning: Einige verstehen das besagte Kapitel sogar als Angriff. Viele blenden diese Veränderungen des Älterwerdens beim Mann aus, wollen keine Schwächen zugeben.

Fux: Dabei tut es so gut, nicht perfekt sein zu müssen. Ich bin froh, dass ich jetzt auch den Erwachsenen ein Buch von dir empfehlen kann. Eine Kritik habe ich aber.

Henning: Nämlich?

Fux: Ich finde grossartig, wie positiv du es darstellst, dass jeder einzelne seine Sexualität verbessern kann. Bisweilen klingt es aber etwas gar locker. Oft ist es doch harte, langwierige Arbeit. Ich muss regelmässig den Mahnfinger heben und sagen: Von nichts kommt nichts. Und dass es viel Geduld und viel Übung braucht.

Henning: Das ist eine spannende Beobachtung, du hast recht. Da gab es beim Schreiben einen gewissen Druck, positiv zu bleiben, damit die Leute nicht entmutigt werden. Viele seufzen übrigens auch so über die Übungen und die Themen im Buch und meinen: Das ist ja alles wahnsinnig anstrengend.

Fux: Ach was! Aber man muss Prioritäten setzen.

Henning: Absolut.

Fux: Ich war verblüfft, wie nah du die Leute an dich heranlässt. Wir sitzen hier in deiner Küche, auch grosse Teile der Fernsehsendungen entstehen in deinem privaten Zuhause.

Henning: Das ist in der Tat gerade ein grosses Thema für mich. Es treiben sich definitiv zu viele Journalisten in meiner Wohnung herum (lacht).

Fux: Aber es ist nicht nur die Offenheit gegenüber Journalisten: In Videoblogs sagst du, dass du gerne Blowjobs gibst, weil du Penisse magst.

Henning: Es ist mir ein Anliegen, so weit es geht ehrlich zu sein, weil ich oft Frauen in der Praxis habe, die keine Penisse mögen, aber gerne tollen Sex haben möchten mit ihren Männern. Suche den Fehler! Da muss auch gesagt werden, dass es auch anders geht.

Fux: Wenn ich irgendwo erwähne, dass ich gerne Blowjobs gebe, kriege ich zehn Mails von Männern, die mich fragen, ob ich ihnen auch einen blase und was es mit mir kostet. Darauf habe ich keine Lust.

Henning: Ehrlich? Verblüffend. Und schade. Ich habe noch keinen anzüglichen Anruf bekommen, und es gab erst ein explizites Angebot – und das war nett, ja schüchtern formuliert.

Fux: Aber aus Respekt vor deiner Offenheit zur Klärung: Ich mag Penisse auch. Und Blowjobs. Es ist eine wunderbare Art, sich nah zu sein. Aber das heisst nicht, dass ich das mit jedem besprechen, geschweige denn machen will, nur weil ich Sexbe­raterin bin. Ein bisschen Respekt vor mir und meiner Arbeit, bitte.

Henning: Du arbeitest vor allem über Mail, oder? Die Leute nützen die Anonymität des Internets unglaublich aus.

Fux: Wirst du auch ständig gefragt, ob es in der heutigen entspannten Zeit überhaupt noch Aufklärung brauche?

Henning: Oh, ja! Die Leute haben keine Ahnung. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich denke nicht, dass wir bald arbeitslos werden.

Publiziert am 11.10.2014 | Aktualisiert am 13.10.2014
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3 Kommentare
  • Monika  Weilenmann , via Facebook 11.10.2014
    Die Frage ist doch eher die, muss man sich überhaupt beim Sex fotografieren lassen und daraus ein Buch machen? Egal, wie alt, jung, dick oder dünn man ist.
  • Norman  Freeman 11.10.2014
    "Henning: Oh, ja! Die Leute haben keine Ahnung. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich denke nicht, dass wir bald arbeitslos werden." Zum guten Glück sind Sie so allwissend!
  • Lorenz   Müller 11.10.2014
    Das sieht man einmal mehr den deutlichen Unterschied zwischen einer Schweizerin und einer Deutschen. Die Deutsche sagt, sie möge Penisse und gebe deshalb gerne Blowjobs. Die Schweizerin mag Penisse eigentlich auch, aber würde sowas nie sagen, weil sonst, so ihre Meinung, die Männer den Respekt vor ihr und ihrer Arbeit verlieren......... Also à priori gibt es wahrscheinlich schon mal Probleme, deshalb schweigt man lieber über dieses Thema. Typisch für eine Schweizerin.