Dilemma für Tierschützer Für den Impfstoff leiden Hühner

  • Aktualisiert am 03.01.2012

ZÜRICH – Da will das Bundesamt für Gesundheit alles recht machen, bestellt massig Impfstoff gegen die Schweinegrippe – und macht trotzdem wieder alles falsch. Zumindest aus der Sicht von Tierschützern.

Wer sich am Sonntagmorgen zum Brunch ein Spiegelei brutzelt, der hat vorher ein Ei aus gerechter Tierhaltung aufgeschlagen. Er wird ein Ei gekauft haben, das von einem glücklichen Huhn stammt. Ein Huhn, das ein einigermassen schönes Leben führt. Es kann herumlaufen, mit Artgenossen schäkern, ja, es kann sogar im saftigen Gras herumpicken und die Sonne geniessen – sofern es denn Lust dazu hat.Alles andere ist in der Schweiz nämlich nicht erlaubt. Käfige mit Hühnern, welche sich dichtgedrängt über- und untereinander auf engstem Raum bewegen müssen – bei einem solchen Anblick sollte das Herz eines jeden mitfühlenden Menschen bluten. Bei Tierschützern steigt da gar blanke Wut auf.Was aber haben Hühner mit der Schweinegrippe zu tun? Zwei der drei in der Schweiz bewilligten Impfstoffe werden aus Hühnereiern fabriziert. Da wird das Virus in die Hühnereier eingeimpft, das Virus vermehrt sich – doch der Schluss ist bitter: Das Embryo stirbt, nur der Virus überlebt. Und der reicht für eine bis zwei Impfdosen.Volksgesundheit über TiergesundheitDiese Eier aber, die stammen «meist» aus ausländischer Käfighaltung, schreibt KAGfreiland. Hühner in Batterien, nur dazu da, uns die Eier zu liefern, die uns vor der Schweinegrippe retten sollen. Die bösen Impfstoffe heissen Focetria und Pandemrix: Diese beiden werden aus Hühnereiern hergestellt. Tierquälerisch unangetastet bleibt Celtura von Novartis. Dieser Impfstoff wird aus Zellkulturen hergestellt (siehe Box).KAGfreiland ist empört und fordert das Bundesamt für Gesundheit zur Rechenschaft auf. Millionen und Abermillionen Tiere müssten leiden! Doch das Amt stellt den Menschen über das Tier und antwortet trocken. «Wir sind für die Volksgesundheit zuständig.»Jeder, der sich impfen lässt, hat also ein Hühner-Embryo auf dem Gewissen. Was den sonntäglichen Spiegelei-Brutzler wohl nicht schlechter schlafen lässt als sonst. Anders dürfte es da den Vegetariern gehen. (num)

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