«Frauen sollten die Risiken der Pille kennen»

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Lilian Spörri

ZÜRICH – Thrombose- und Emboliegefahr sowie zahlreiche andere Nebenwirkungen: Die Anti-Baby-Pille birgt diverse Risiken. Doch sind sich die Frauen dessen auch bewusst?

Depressive Zustände, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, Verdauungsbeschwerden, Übelkeit, Hautausschläge, Brustspannen oder Brustschmerzen: Das sind die häufigsten unerwünschten Wirkungen, die gemäss dem Gynäkologenverzeichnis bei der Einnahme von Verhütungspillen wie «Yasmin» auftreten können. Die Liste geht noch weiter: Nicht zu vergessen sind die gelegentlichen Wirkungen wie Wasserablagerungen, Migräne, Erbrechen, Durchfall, Nesselsucht, Pigmentstörungen oder Zwischenblutungen.

Als seltene Folge der Einnahme liest man auf der Informationsseite für «Yasmin» auch Venenthrombose, Lungenembolie, Hirnschlag oder Herzinfarkt. Ein solch seltener Fall ist bei der heute 18-jährigen Celine eingetroffen. Nachdem sie vier Wochen die Anti-Baby-Pille einnahm, bekam sie eine schwere Lungenembolie. Seitdem ist sie schwer behindert. «Ein tragischer Einzelfall», beteuert «Yasmin»-Hersteller Bayer.

Diagnose im Notfall: Thrombose

Tragisch ja. Aber kein Einzelfall. «Auch meine Tochter hat ‹Yasmin› genommen und musste wegen Unwohlsein zum Arzt», berichtet Franziska Bornusch aus Mandach gegenüber Blick.ch. «Sie war kurz vor einer Lungenembolie. Sie musste die Pille sofort absetzen und sich weiter ärztlich behandeln lassen. Heute geht es ihr wieder gut, gottseidank!»

Auch Lea B.* entging knapp einem Unglück. Rund vier Jahre lang nahm sie bereits «Yasmin». Mit starken Schmerzen und Schwellungen im Bein kam sie auf die Notfallstation des Unispitals Basel. Die Diagnose war rasch da: Die 28-jährige hatte eine Thrombose. «Die Ärzte fragten mich, ob ich die Pille nehme und rieten mir, diese sofort abzusetzen», erzählt die junge Frau Blick.ch. Jedoch habe man sie nicht spezifisch nach «Yasmin» gefragt.

Mit Blutverdünner musste Lea B. danach behandelt werden. «Heute, drei Jahre später, geht es mir wieder gut.» Manchmal verspüre sie jedoch noch ein leichtes Ziehen, wenn sie lange stehe. Seither verhütet sie nicht mehr mit der Pille.

Ärztin wies sie darauf hin

Wie viele andere Frauen wurde Lea B. zuvor von ihrer Frauenärztin darauf aufmerksam gemacht, dass durch die Einnahme der Pille ein Thrombose-Risiko vorhanden sei. Vor allem, weil sie auch noch rauchte. «Doch ich nahm das alles nicht so ernst, denn ich bin ja noch jung, sehr schlank und auch sehr sportlich.»

Auf diesen Leichtsinn spricht auch Professor Stephan Krähenbühl vom Universitätsspital Basel an: «Frauen sollten die Risikofaktoren im Zusammenhang mit der Pille kennen: Rauchen, Übergewicht, ob es in der Familie bereits einen Thrombosefall gab und Migräne.»

Wichtig sei, dass sich die Frauen gut informieren würden. «Die Patienten müssen sich bei ihrem Frauenarzt oder der -ärztin überprüfen lassen. Und der Arzt muss sich auf jeden Fall Zeit nehmen für seine Patientinnen und nicht einfach rasch eine Pille verschreiben.»

*Name der Redaktion bekannt

Darauf sollten Ärzte aufmerksam machen

Kommt eine Patientin mit Wunsch nach der Pille zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt, sollten folgende Fragen abgeklärt werden:Gibt es in der Familiengeschichte der Patientin bereits einen Fall von Thrombose, Lungenembolie oder Schlaganfall?Raucht die Frau?Leidet die Patientin unter Migräne?Hat die Frau unter Bluthochdruck?Ist sie älter als 35 Jahre?

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