Extremes in der «Arena» «Frauen schlagen gehört zur Glaubensfreiheit!»

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Matej Mikusik

ZÜRICH – Es ging hoch zu und her gestern Abend in der Arena. Die Nationalräte Oskar Freysinger (SVP) und Gerhard Pfister (CVP) nahmen den Fundamentalisten Nicolas Blancho in die Mangel.

Ist Frauen schlagen ein Menschenrecht? Ja, zumindest wenn es nach den religiös-kulturellen Auslegung von Nicolas Blacho, Präsident des Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS), geht. Genau diese Ansichten brachten gestern Abend SVP-Nationalrat Oskar Freysinger in der von Reto Brennwald moderierten Arena fast zur Weissglut. Denn Blancho beteurte immer wieder, dass «wir uns an das Recht» hier in der Schweiz halten. Ohne Beispiele zu nennen.

Den Tatbeweis blieb Blancho der Schweizer Gesellschaft laut CVP-Nationalrat Gerhard Pfister, im Publikum, schuldig. Blancho und seine IZRS müssten sich offen von Werten distanzieren, die dem Schweizer Rechtsstaat zuwider laufen. Der Koran als politisch-religiöses System sei nicht mit dem Schweizer Recht vereinbar. Nicht in der Auslegung, wie es Blancho predigt.

«Distanzieren Sie sich!»

«Distanzieren Sie sich von Steinigungen, Frauenbeschneidungen und allem weiterem, das in einem Rechtsstaat nicht zu suchen hat», rief ihm Pfister zu. «Distanzieren Sie sich!» Freysinger ergänzte: «Sagen Sie es jetzt, Herr Blancho, sagen Sie, dass Sie sich von Frauenbeschneidungen distanzieren.» Blancho, stets bedacht um moderate, ausweichende Antworten, war in Bedrängnis. Er wich aus und versteigerte sich in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit zur Aussage: «Frauen schlagen gehört unter die Glaubensfreiheit».

Und weiter: «Ich muss diesen Tatbeweis nicht erbringen, weil ich nichts verbrochen habe.» Er könne «persönlich glauben, was er wolle», solange er sich an das Recht halte. Eine Argument, dass er den ganzen Abend lang ins Feld brachte – wie ein Schüler in einer Koranschule, der eine Sure immer wieder und wieder rezitiert.

Moderator Reto Brennwald nannte dann ein konkretes Beispiel, an dem der Rechtsstaat und der Islam kollidieren. Nach dem Beschluss der Armee, dass Muslime im Dienst nur ein Mal – und nicht wie vom Koran gefordert fünf Mal – am Tag beten dürfen, regt sich Widerstand seitens des IZRS. Ein muslimischer Offizier schrieb auf der IZRS-Webseite, dass er sich nicht daran halten werde.

Blancho: «Wir sind der Auffassung, dass es in einem demokratischen Staat nichts geben soll, was die Ausübung des Kultus einschränkt.» Er werde versuchen, gegen die Regel vorzugehen. Einen Richterspruch würde er akzeptieren, so Blancho. Dann der entlarvende Nachschub von ihm: «Dann müssten wir halt einen anderen Weg finden.»

Nicolas Blancho in der Arena. Der umstrittene Präsident seines Islamischen Zentralrats will für die Schweiz islamische Schulen und einen Fatwa-Rat.- SF (Screenshot BLICK)

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