Franz Marti (91) fühlt sich getäuscht: «Asylbewerber gehören nicht in eine Villa!»

Die Gemeinde Oensingen SO kaufte für 1,2 Millionen das Anwesen von Franz Marti (91). Dass darin nun Asylbewerber wohnen sollen, dafür hat dieser kein Verständnis.

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Auf dem Anwesen wollte die Gemeinde Oensingen SO einen Werkhof bauen. Das sagte sie zumindest, als sie im letzten Herbst Franz Marti (91) 1,21 Millionen Franken zahlten.

Marti hatte 50 Jahre lang mit seiner Frau Marie († 91) in der grossen Villa mit Swimmingpool gelebt.

Die Entscheidung, in ein Altersheim zu gehen, fiel ihm nicht leicht: «Wir haben zugestimmt, weil es meiner Frau gesundheitlich nicht mehr so gut ging und ich auch nicht mehr der Jüngste bin. Und weil wir davon ausgingen, dass auf unserem Grundstück ein Werkhof entsteht und das Haus für Büroräume genutzt wird.»

Im letzten September zog das Ehepaar Marti aus. Doch der Bau des Werkhofs wurde bis heute nicht in Angriff genommen.

Stattdessen besuchten vor einem Monat zwei Gemeindevertreter Franz Marti in seiner Alterswohnung. Seine Frau Marie war inzwischen verstorben.

«Man sagte mir, in mein Haus würden Asylbewerber einziehen», erzählt Marti. Dabei habe man ihm beim Verkauf versichert, dass das nicht passieren werde. Er fühlt sich getäuscht.

«So ein Luxus muss nicht sein»

«Ich habe nichts gegen Asylsuchende. Und ich finde es auch nicht gut, wenn man sie in Zivilschutzbunker steckt», sagt Marti. «Aber in eine Villa gehören sie nicht. So ein Luxus muss nicht sein.»

Marti erbte das Grundstück Anfang der 60er-Jahre von seinem Stiefvater. 1963 liess er die  Villa mit sechseinhalb Zimmern und Pool bauen. «Ich steckte mein ganzes, hart erarbeitetes Geld da rein», sagt der pensionierte Landwirt und Aussendienstmitarbeiter. Für seine Frau, seine zwei Töchter und ihn sei ein Traum in Erfüllung gegangen.

Franz Marti kümmerte sich liebevoll um seinen Garten, zügelte ein altes Stöckli und drei Steinbrunnen auf das Grundstück. «Jahrzehntelang pflegte ich die Blumen. Diese Leute, die da reinkommen, haben doch gar keinen Bezug dazu und wissen nicht, was mir der Garten bedeutet», erklärt Marti. «Ich hätte mir von der Gemeinde mehr Fingerspitzengefühl erhofft.»

Gemeindepräsident Markus Flury (68, FDP) wehrt sich: «Wir haben diesen Notfall mit den Asylsuchenden nicht geplant. Im Frühling machte der Kanton wegen des grossen Flüchtlingsstroms immer mehr Druck auf unsere Gemeinde.»

«Keine anderen freien Wohnplätze»

Oensingen liege mit 22 Asylsuchenden unter dem Aufnahmesoll von 41 und müsste für jede nicht aufgenommene Person 1050 Franken bezahlen. Das wäre eine jährliche Zusatzbelastung von 239 400 Franken. «Uns bleibt nichts anderes übrig, als Asylsuchende in dem Haus zu platzieren», sagt Flury. «Wir haben keine anderen freien Wohnplätze.»

Geplant ist, dass der Einzug diesen Monat über die Bühne geht. Gemeindepräsident Flury: «Es kommen syrische Flüchtlingsfamilien mit Kindern.» Etwa 15 Personen.

Zurzeit werden kleine Anpassungsarbeiten ausgeführt – für knapp 20 000 Franken. Flury hält fest: «Sie werden nicht leben wie in einer Villa. Und es ist eine Übergangslösung für vorerst zwei Jahre.»

Ob dann der Werkhof kommt, ist offen. Franz Marti findet: «Die ganze Sache ist einfach nur zum Weinen.»

Publiziert am 22.07.2014 | Aktualisiert am 22.07.2014
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Asylbewerber in einer Villa – ist das passend ?

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196 Kommentare
  • Beat  Beck aus Zollikofen
    23.07.2014
    warum hat unsere regierung immer noch das gefühl,sie müsse den pestalozzi für die ganze welt spielen.....???!!!
    immer nur für die anderen.....die eigenen können selber schaunen die vergisst man gerne...!!!
  • Peter  Hänsenberger 23.07.2014
    Es hat nichts mit ``Fremdenhass`` zu tun, wenn man den normalen Menschenverstand benützen würde, muss man erkennen das auf die Art die Flüchtlinge ein falsches Bild bekommen von der Schweiz. Die Flüchtlinge wissen nicht, das auch in der Schweiz fast 600000 Personen ein Leben in Armut haben. Die verantwortlichen verleugnen sowas, die Schweiz muss ja das Land der Helfer sein in der Welt.
  • Christa  Wernli 23.07.2014
    Ich bin fassungslos, was für Kommentare ich hier lesen muss. Wir sprechen über Menschen, die in ihrer Heimat um ihr Leben bangen müssten. Keiner von denen hat sein Zuhause aus einer Laune heraus verlassen, also seien Sie bitte nicht auf die Menschen, sondern auf die Regierung des besagten Landes böse.
    Diese Flüchtlinge haben NICHTS mehr, möchten Sie mit denen tauschen.?
    • Rolf  Hobi 23.07.2014
      Na, dann lade ich Sie gerne ein, unser und weitere Asylantenheime zu besuchen.

      Ihre Fassungslosigkeit wird dann sehr schnell ernüchtert: Über 95 Prozent der Asylanten sind arbeitskräftige, gesunde Männer! Wo sind denn alle die Frauen, Kinder, Kranke und Alte? Haben die denn nicht ein noch schlimmeres Schicksal zu ertragen?

      So gut wie keiner dieser Männer vermag in mir auch nur die geringste Hilfsbereitschaft zu erwecken, denn sie überlassen die echten Bedürftigen sich selbst!
    • Roland  Wyss aus Zürich
      23.07.2014
      Deshalb kommen sie ja gerne in die Schweiz, das Land wo die dümmsten ehrlich Arbeiter Leben die ja soo gerne Ihr hart erarbeitetes Geld an diese zuvorkommenden Feriengäste spendet.
      Hier wird es Ihnen bald so gutgehen wie demjenigen der jeden Tag hart arbeitet. Das sind keine echten Flüchtlinge , die wissen besser über unsere Gesetze Bescheid als wir selber.
  • Beat  Beck aus Zollikofen
    23.07.2014
    allejenige die hier die armen flüchtlinge aufnehmen wollen....denen sollte man jeweils eine rechnung schicken...mit dem vermerk "flüchtlingsbeitrag"....
    und all denjenigen die es noch nicht gemerkt haben ist auch die rückschaffung mit kosten verbunden...eine rechnung mit dem vermerk"rückschaffungskosten"..ich denke dies wären die ersten die sich beschweren...!
  • Abbas  Schumacher , via Facebook 23.07.2014
    Jene die da meinen, wir seien Jammeris, die Flüchtlinge haben ein ein schweren Leben in Angst und Not hinter sich? Ja haben sie, nur zum Unterschied, sie haben anscheint Geld um zu flüchten. Der Rest meine ich ist beschissen dran, die können nicht flüchten, die müssen weiter in dem Elend leben. Ich wäre dafür, wir holen uns die Flüchtlinge selber her, Schlepper müssen bekämpft werden, dass sind Verbrecher! Warum bekämpft die, in deren Länder niemand? Augen zu und warten bis sie hier sind?