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Blick.ch: Niemals waren mehr Menschen von einer Katastrophe betroffen. Unter den Überschwemmungen in Pakistan leiden 15 Millionen Menschen, zwei Millionen sind obdachlos. Doch die Pakistanhilfe läuft zögerlich an. Nutzen die Taliban die Gunst der Stunde?
Rolf Tophoven: Die Taliban waren sofort zur Stelle. Das sind sie immer, wenn es etwas «zu regeln» gibt. Im Gebiet verfügen sie über eine gute Infrastruktur. So makaber es klingt, die Katastrophe ist eine einmalige Propaganda-Chance für die Taliban.
Präsident Asif Ali Zardari befand sich bis Dienstag sogar im Ausland, war nicht im Flutgebiet.
Ein grosser Fehler der Regierung! Jetzt haben die Taliban das Spiel bereits gewonnen.
Wie meinen Sie das?
Die verzweifelten Pakistani greifen – verständlicherweise – nach jedem Strohhalm. Und diejenigen, die ihnen zuerst halfen, sehen sie als ihre Retter und Helden. Das waren die Taliban. Die Katastrophe hat ihnen einen enormen Imageschub verschafft.
Wie sollte die Hilfe für das Land jetzt organisiert sein?
Die Regierung und die internationale Staatengemeinschaft können den Taliban nur Sympathien entziehen, indem sie jetzt so schnell wie möglich beweisen, dass sie effizienter helfen können als die Taliban. Mit Helikoptern, Lastwagen, Manpower.
Welchen Tipp geben Sie den Amerikanern, die sich ja gerne einmal als Weltretter sehen?
Die Amerikaner sind dort bekanntlicherweise sehr unpopulär. Jede Hilfe von ihnen würde das angespannte Verhältnis nur noch verschärfen. Die humanitäre Hilfe sollte geschickt von Staatenbündnissen wie der Uno und nicht von einzelnen Staaten organisiert werden. Dabei ist vor allem wichtig, dass rüberkommt: Wir helfen euch ohne Hintergedanken.
Weshalb ist das so wichtig?
Die Taliban verteufeln die Hilfe von «Juden und Christen» und versuchen der Bevölkerung einzureden, dass wenn sie die Hilfe annehmen, sie damit ihre Seelen oder Herzen verkaufen. Oder dass der Westen versuchen wird, sie später zu bekehren. Dabei ist doch ganz klar: Wenn man jemandem, der am Verhungern ist, ein Brot reicht, nimmt er es dankbar an. Egal von wem.
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Terror-Experte Rolf Tophoven (74): Befürchtet grosse Anschläge im Westen. (RDB/PHILIPPE ROSSIER)