Radikal-Vegis Fleischesser schlagen zurück

  • Publiziert: 13.08.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Roman Neumann

BERN – Radikal-Vegi Carl Sonnthal (42) fordert: Fleischesser müssen in der Beiz ins Separee verbannt werden! Jetzt reagiert die Fleisch-Branche.

In den Läden liegt das Fleisch kaufbereit im Regal. Würste, marinierte Koteletts, Spiesschen. Gerade in der Grillsaison ein Horror für Tierschützer und den Vegetarier Carl Sonnthal. Er fordert: Vegetarier müssen vor dem Anblick von Fleisch geschützt werden. Im Laden, in der Beiz, in der Kantine.

Jetzt gibt die Fleisch-Branche kontra. Der Direktor von Proviande, der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft, Heinrich Bucher, zu Blick.ch: «Die Forderung hat sektiererische Züge. Wir versuchen ja niemanden zum Fleischkonsum zu bekehren.»

Auch Blick.ch-Leser empören sich über die Aussage von Tierschützer Sonnthal, dass Fleisch krank mache. Andreas Kunz schreibt: «Würde das Essen von Fleisch krank machen, wären wir alle (wirklich alle!) krank... schliesslich hatten unsere Vorfahren keine Zeit, sich um solche Nebensächlichkeiten zu sorgen.»

Auch Proviande-Chef Heinrich Bucher lässt den Vorwurf nicht gelten. «Es gibt Studien, die das eine sagen und Gegenstudien, die andere Aspekte ausleuchten.» Fleisch sei ganz klar als Grundnahrungsmittel zu erkennen. Und es sei – wie überall – eine Frage des Masses. Aber pauschal zu sagen, Fleisch mache krank, sei «ganz einfach falsch», so Bucher.

Fleischessen eine Sucht?

Tierschützer Carl Sonnthal wirft den Fleischfressern vor: «Fleischessen ist eine Sucht wie Zigaretten und Alkohol!» Bucher dazu leicht ironisch: «Ist Brot essen auch eine Sucht? Wenn der tägliche Verzehr von Lebensmitteln – Brot oder Fleisch – als Sucht angeschaut wird, dann meinetwegen.»

Dass das Fleisch im Laden in abgetrennten Bereichen angeboten werden solle, das «macht einfach keinen Sinn», so Bucher. Im Interview mit Blick.ch meinte Radikal-Vegi Sonnthal: «Wenn die Kinder den Tathergang wüssten, würden sie kein Fleisch mehr freiwillig essen.» Bucher räumt ein, dass man in der Bevölkerung heute eine grössere Distanz zu der Fleischproduktion habe. «Ich kann verstehen, wenn jemand nach der Besichtigung einer Schlachtung nicht gerade Lust auf ein Kotelett hat.»

Aber das sei halt ein Teil der ganzen Produktionskette. «Aber in eben diesen sensiblen Bereichen, wie Tier-Transport und Schlachtung, wird alles für tiergerechte Abläufe und die Vermeidung jeglicher Missstände unternommen.»

Die Forderung nach den abgetrennten Bereichen für Fleischesser stösst beim Direktor von Proviande also auf taube Ohren? Heinrich Bucher sagts zweideutig. «Die Forderung haben wir zur Kenntnis genommen.»

Sogar für die eigenen Reihen hat die Forderung von Sonnthal zu wenig Fleisch am Knochen. Vegetarierin Helen Mühlethaler schreibt: «Kein einziger der Vegetarier in meinem Umfeld hat eine extreme Meinung oder versucht seine Einstellung einem Fleischesser aufzuzwängen.»

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