Falsche Stellen-Inserate Fiese Deutsche betrügen Schweizer Arbeitslose

  • Publiziert: 07.04.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Gabriel Brönnimann

BERN – Eine Bande besonders perfider Betrüger zockt Schweizer Arbeitslose ab: Ihre Opfer finden sie mit Stellen-Inseraten!

Günther Grasser (37) aus Niederbipp BE ist Maschinentechniker. Derzeit arbeitet er temporär, sucht eine Festanstellung. Karl B.* (45), ebenfalls aus Niederbipp, ist Bauleiter. Er ist arbeitslos, sucht auch eine Stelle.

Vor einigen Wochen stossen die beiden Männer auf ein Inserat in einem Stellenanzeiger: «Auslandstätigkeit ... Expandierendes Unternehmen sucht per sofort oder nach Vereinbarung Facharbeiter und Handwerker ... berdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten mit Langzeitvertrag und soziale Absicherung zugesichert. Einsatzort: Manila/Philippinen.»

Die Firma heisst «J.A.O. Builders». Beide bewerben sich für einen Job bei der (real existierenden) Immobilienfirma. Sie können sich gut vorstellen, im Ausland zu arbeiten.

Die Männer rufen bei der im Inserat angegeben philippinischen Nummer an. Ein Deutscher meldet sich. Er nennt sich Alfons Braun.

48 Dollar Stundenlohn

Nach der schriftlichen Bewerbung per Mail freuen sich Günther Grasser und Karl B.*: Beide kriegen einen Job! Mit einem Super-Arbeitsvertrag: Vernünftige Arbeitszeiten, gute Sozialleistungen – und einen Stundenlohn von 48 Dollar.

Nur noch eines fehlt: Das «persönliche Vorstellungsgespräch» bei Herrn Braun. Sogleich folgt ein Schreiben eines Reisebüros. Darin steht, die Firma habe bereits 50 Prozent der Reisekosten übernommen. «50% sind von Ihnen vorab zu tragen.» 845 US-Dollar. Schnell! «Sodass Verzögerungen bzgl. des Ticketversands ausgeschlossen werden können.»

Auf keinen Fall einzahlen!

So läuft der Betrug! Die Tickets gibt es genau so wenig wie die versprochenen Jobs. «Alfons Braun» zockt 845 Dollar ab – das Geld sieht man nie mehr. Günther Grasser bemerkte den Betrug rechtzeitig. Er warnt: «Auf keinen Fall einzahlen!» Karl B.* hat einbezahlt. Flugtickets hat er keine. Er sagt: «Ich kann das einfach nicht glauben. Eine Sauerei!» Beide waren bei der Polizei.

BLICK-Recherchen ergaben: Betrüger «Alfons Braun» ist seit Jahren aktiv – bisher eher in Deutschland und Österreich. Seine Masche ist immer dieselbe, nur die Namen ändern. Er trat schon als Richard Rebmann, Manfred Kaiser, Hans Seidel und Gottfried Arnold auf. Uns suchte angeblich Mitarbeiter für Firmen wie Oktotek, Space Group, Metro Pacific Corporation oder Tedloff-Vamag. Trotz zahlreicher Anzeigen konnte ihm bisher nicht das Handwerk gelegt werden.

Auch bei der Schweizer Justiz ist der Betrüger kein Unbekannter. «Ja, dieses Tatvorgehen ist uns seit Jahren bekannt», sagt Stefan von Below, Sprecher der Kantonspolizei Bern. Von einer aktuellen Welle wisse die Polizei noch nichts. Von Below zu BLICK: «Grundsätzlich ist immer Vorsicht geboten, wenn man gebeten wird, Vorauszahlungen leisten.»

* Name geändert

Rumänische Betrüger geschnappt

Die rumänische Polizei hat zusammen mit US-Ermittlern eine Betrügerbande gesprengt, die westliche Ausländer per Internet um mindestens 1,2 Millionen Franken betrogen haben soll. 70 mutmassliche Täter und Komplizen wurden heute in Rumänien festgenommen.

Die Betrüger versteigerten elektronische und andere Waren im Internet, die sie dann nie lieferten. Die Bande agierte seit 2006 in zahlreichen EU-Staaten, in die USA sowie in Neuseeland, Kanada und der Schweiz. Bei den Internet-Auktionen wurden den Angaben zufolge etwa 800 Menschen betrogen.

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