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Die Weltpresse ist verwundert, warum die Festnahme von Roman Polanski gerade jetzt, über 30 Jahre nach der Ausstellung des Haftbefehls, erfolgte. US-Medien verweisen auf den Ende letztes Jahr in die Kinos gelangten Dokumentarfilm «Roman Polanski: Wanted and Desired» von Marina Zenovich, der die Diskussion um Polanskis Gerichtsverfahren wieder neu entfachte.
«Warum jetzt?», fragt auch die «Süddeutsche Zeitung». Sie erinnert daran, dass der Regie-Star seit Jahrzehnten immer wieder in seinem Chalet bei Gstaad Skiferien macht. Wie viele andere Medien spekuliert das Blatt, dass «ein Zusammenhang mit dem Steuerstreit» bestehe und die Schweiz «ein Zeichen des guten Willens gegeben hat».
Auch Promi-Blogger Perez Hilton hat eine deutliche Meinung. Unter dem Titel: «Endlich: Regisseur/ Pädophiler verhaftet» schreibt er, dass Polanski über 30 Jahre lang die Polizei austricksen konnte, doch am Samstag war Romans Glückssträhne vorbei.
«In Falle getappt»
Ob Polanski in Zürich eine Falle gestellt wurde, wie die «Berliner Morgenpost» titelt, muss erst noch geklärt werden. «Der Spiegel» schreibt, dass Roman Polanski 30 Jahre nach seiner Tat von der Vergangenheit eingeholt worden sei.
Die «New York Times» schildert die Aussagen des damaligen Opfers Samantha Geimer, die Polanski «die Tat inzwischen nicht mehr nachtrage».
Besonders in Frankreich ist die Bestürzung gross, denn Polanski lebt dort schon seit etlichen Jahren. Das Online-Portal von «Le Monde» weist darauf hin, dass wenn Polanski von der Schweiz an die USA ausgeliefert würde, er vermutlich den Rest seines Lebens hinter Gitter verbringen müsste.
Gemäss «Libération» ist die Verhaftung nicht das Resultat irgendeines übereifrigen Beamten, sondern eine lang geplante, orchestrierte Aktion gewesen. Man habe Polanski aufgelauert.
Dabei stelle sein Mandant in keiner Weise eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar, sagte der französische Anwalt Hervé Temime der Pariser Zeitung «Le Figaro»; Temime ist einer von etwa einem halben Dutzend Anwälten, die in den USA, Frankreich und neu auch Zürich mit der Wahrung von Polanskis Rechten betraut sind.
Die britische «BBC» zitiert den Schriftsteller Robert Harris – einen Freund Polanskis, der äusserst bestürzt ist. Es müsse politische Beweggründe für die Festnahme geben. Er hoffe, dass die Schweizer Behörden ihn schnellst möglich wieder freilassen.
«Kalifornien hätte Besseres zu tun»
Hart ins Gericht geht die «Los Angeles Times» mit ihrer eigenen Regierung: Der Staat Kalifornien hätte fürwahr «Besseres zu tun» als einen 76-Jährigen zu verfolgen, der sich zweifellos in den letzten 30 Jahren gebessert habe.
Die 40000 Straftäter, die demnächst wegen der katastrophalen Überbelegung der kalifornischen Gefängnisse entlassen werden würden, stellten eine viel grössere Gefahr, als ein Mann, der schon seine Kindheit als Flüchtling (vor den Nazis) und nun auch sein Alter als Flüchtling verbringen müsse. (SDA/ghd/spj)
Sitzt seit Samstag im Zürcher Knast: Roman Polanski.- Keystone