Felix Amrein (50) wurde vom Millionär zum Bettler Am Rande der Schweiz

KRIENS LU - Der Luzerner Unternehmer Felix Amrein (50) lebte im Luxus. Jetzt musste er seine Design-Möbel und die B&O-Stereoanlage verkaufen. Auch den Luxus-BMW. Bald schon steht er auf der Strasse und steht vor dem Nichts.

Sozialfall in 4.5 Zimmer Wohnung play
Hat Angst vor der Obdachlosigkeit: Felix Amrein mit Hündin Sara.  STEFANO SCHROETER

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Wenn Menschen in unserem Land abstürzen

Am Rande der Schweiz

Der Schweiz gehts richtig gut. Wir werden regelmässig zu den reichsten Ländern weltweit gezählt. Die Finanzkrise haben wir prima weggesteckt, auch den Frankenschock besser verkraftet als erwartet. Und für 2017 rechnet der Bundesrat mit einem weiterem Wirtschaftswachstum und noch weniger Arbeitslosen.

Und doch fallen immer mehr Menschen aus der Gesellschaft der Erfolgreichen. Die Städteinitiative Sozialpolitik stellte fest, dass 14 untersuchte kleinere und grosse Städte 2015 insgesamt 2,2 Prozent mehr Sozialhilfefälle verzeichneten. Längst müssen nicht nur in Zürich, Genf oder Basel Menschen aufs Sozialamt. Im Gegenteil drängen die hohen Lebenskosten die Armen in mittelgrosse und kleinere Städte wie Schlieren ZH, Biel BE oder Chur ab. Dort leiden sie einerseits unter der Isolation durch die Armut – und andererseits unter dem Stigma, die kleinstädtische Nähe mit sich bringt.

Die Fachhochschule Bern schätzt, dass jeder vierte Bezugsberechtigte es nicht wagt, aufs Sozialamt zu gehen. Armut und Abhängigkeit sind in der reichen Schweiz eine Schande – was es erschwert, ihr zu entkommen. Die durchschnittliche Bezugsdauer von Sozialhilfe steigt seit Jahren.

BLICK kennt viele Betroffene.

 

Der Schweiz gehts richtig gut. Wir werden regelmässig zu den reichsten Ländern weltweit gezählt. Die Finanzkrise haben wir prima weggesteckt, auch den Frankenschock besser verkraftet als erwartet. Und für 2017 rechnet der Bundesrat mit einem weiterem Wirtschaftswachstum und noch weniger Arbeitslosen.

Und doch fallen immer mehr Menschen aus der Gesellschaft der Erfolgreichen. Die Städteinitiative Sozialpolitik stellte fest, dass 14 untersuchte kleinere und grosse Städte 2015 insgesamt 2,2 Prozent mehr Sozialhilfefälle verzeichneten. Längst müssen nicht nur in Zürich, Genf oder Basel Menschen aufs Sozialamt. Im Gegenteil drängen die hohen Lebenskosten die Armen in mittelgrosse und kleinere Städte wie Schlieren ZH, Biel BE oder Chur ab. Dort leiden sie einerseits unter der Isolation durch die Armut – und andererseits unter dem Stigma, die kleinstädtische Nähe mit sich bringt.

Die Fachhochschule Bern schätzt, dass jeder vierte Bezugsberechtigte es nicht wagt, aufs Sozialamt zu gehen. Armut und Abhängigkeit sind in der reichen Schweiz eine Schande – was es erschwert, ihr zu entkommen. Die durchschnittliche Bezugsdauer von Sozialhilfe steigt seit Jahren.

BLICK kennt viele Betroffene. Felix Amrein (50) ist einer davon.

Vom Millionär zum Bettler

Felix Amrein (50) sitzt in der Stube seiner Viereinhalbzimmerwohnung in Kriens LU. ­Eigentlich dürfte er seit dem 30. September hier gar nicht mehr wohnen. Bei dem einst erfolgreichen Geschäftsmann geht alles den Bach runter: «Eben noch hatte ich alles, bald habe ich nichts mehr. Wie konnte ich es nur so weit kommen lassen?»

Jetzt läuft ein Ausweisungsverfahren gegen Amrein. Er hat kein Geld mehr und kann nur noch auf ein Einlenken des Vermieters und des Sozialamts hoffen.

Sein Absturz begann, als er einem Betrüger aufsass. «Ich bekam von einem Weinhändler einen grossen Marketingauftrag. Doch er zahlte nie», sagt der gelernte Verkäufer.

Jetzt hat die Weinfirma Konkurs gemacht und das Geld ist futsch. Auch Amreins Immobilienfirma lief nicht mehr. «Ich habe alles verkauft. Meinen BMW 545, die B&O-Stereoanlage, die Designermöbel. Ich zog von einer 4000-Franken-Wohnung in die für 1500.»

Weil er nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hatte, landete Amrein im April beim Sozialamt. Das Problem: Die Behörde will die Wohnung nicht finanzieren. Der arbeitslose Geschäftsmann versuchte, einen Deal zu machen. Zwei Zimmer wollte er für je 375 Franken untervermieten – nur 769 Franken müsste das Sozial­amt noch bezahlen. Gemäss den Richtlinien dürften es bis zu 900 Franken sein.

Doch die Gemeinde lehnte ab. Der Grund: Der Lebenspartner von Felix Amrein, der sich im Dezember von ihm getrennt hatte, war auch als Mieter eingetragen – das geht bei einer Sozialwohnung nicht. Und weil die Oktober-Miete nicht im Voraus eintraf, weigert sich der Vermieter, einen neuen Mietvertrag mit Amrein alleine abzuschliessen.

«Es fehlt die Bestätigung des Vermieters, dass er das Mietverhältnis erneuern und weiterführen will», sagt auch Lothar Sidler, Sozialvorsteher von Kriens. Ein Teufelskreis. Wird die Ausweisung aus der Wohnung in sechs Wochen polizeilich erzwungen, ist Felix Amrein obdachlos.

Publiziert am 17.10.2016 | Aktualisiert am 26.12.2016
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33 Kommentare
  • albert  reichel aus hünenberg
    18.10.2016
    Keine Arbeitslosenversicherung ?? Das würde bedeuten, dass er auch keine AHV/IV etc. bezahlt hat ? Beide sind obligatorisch. Was macht er mit 65 ?
    • Meyer  Hans 18.10.2016
      Als Selbständiger ist man zwar AHV/IV unterstellt aber nicht die Arbeitslosenversicherung. Sie ist nur für Angestellte.
  • Sepp  Rimensberger 18.10.2016
    Soll man jetzt mit diesem Mann erbarmen haben? Sicher nicht zuerst in Saus und Braus leben und mir einem lächeln auf die Kleinen runter schauen,jetzt sieht er wie es manchen Schweizern ergeht. Der soll wieder Arbeit suchen und wenn es auf dem Bau oder Städtische Abfuhr ist.
  • Matthias  Zingg 18.10.2016
    Um nur mal einen Punkt anzusprechen, denn hier läuft wie in vielen Fällen wieder einmal einiges schief.
    Ich ernähre ein 4köpfige Familie und habe noch nie mehr als 1325CHF miete bezahlt, und wir haben genug Platz für alle 4.
    Wieso ein typ eine 4,5ziwohnung braucht und das sozamt ihn bei Miete für 1500 chf unterstützen soll ist mir ein Rätsel.
    und wieso kommt das in der Zeitung?, soll ich mitleid haben? hab ich nicht! dem typ gehts gut, er hat sein leben einfach schlecht organisiert (Ponyhöfler)
  • Frank  Wagner , via Facebook 18.10.2016
    Ohne Leute die etwas wagen, sich selbständig machen und Firmen gründen gäbe es auch keine Arbeitsplätze für diejenigen, die sich das nicht trauen. Was hier an Häme ausgeschüttet wird über jemanden der gescheitert ist, vermutlich meist von Leuten die sich lieber in gemachte Nester setzen statt selbst mal ein Risiko einzugehen, ist wirklich traurig.
  • alfred  Ferner aus stansstad
    18.10.2016
    Die Kritik ist ja so einfach !!! alle die Besserwisser da draussen ...
    Ich habe schon Gurus erlebt die heute keinen Rappen mehr haben... die dachten auch gewiss mir sind die Besten und es werde schon nichts passieren!!! Herr Amrein """ Kopf hoch und anpacken , dass Pferd steht da und Sie müssen nur draufsteigen .
    • Kopf  Bubi aus Bern
      18.10.2016
      Das sehe ich auch so. Ich pers. würde soweit wie möglich alles abstossen, in eine kleine 1-Zimmer-Wohnung ziehen und versuchen wieder auf die Beine zu kommen. Keine Deals eingehen mit Verträgen und Untermieter etc.