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Tagelang hat FDP-Chef Fulvio Pelli (57) geschwiegen. Nun lässt er gegenüber SonntagsBlick durchblicken, dass die «Mörgele/Mengele»-Entgleisung des Bundespräsidenten seine Partei in Aufregung versetzt hat. «Wir werden nächste Woche zusammen mit dem Bundespräsidenten eine Lageanalyse machen», sagt Pelli. Am kommenden Dienstagabend in Bern wird sich Pascal Couchepin (65) der Parteispitze an einem Krisentreffen erklären müssen. Ob die Analyse Konsequenzen hat und wie weitreichend diese sind, will Fulvio Pelli nicht sagen: «Warten Sie bis nächste Woche.»
Bei der Partei ist Feuer im Dach. Der Riesenfauxpas des eigenen Bundesrates ist zum heissen Politikum geworden. Die Kantonalpartei Schwyz hat sich «mit aller Deutlichkeit» von der Aussage Couchepins distanziert. Auch FDP-intern werden nun bereits Forderungen nach Konsequenzen laut. «Das geht diesmal so einfach nicht über die Bühne», sagt ein Parteimitglied.
Vor zwei Wochen verglich der FDP-Bundesrat in einer vertraulichen Kommissionssitzung den SVP-Nationalrat und Medizinhistoriker Christoph Mörgeli (47) mit dem berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele (siehe Box). Seit die «Südostschweiz» den Skandal publik gemacht hat, wird gerätselt und interpretiert, was der oberste Schweizer bei seinem ungeheuren Vergleich wirklich gesagt und gedacht hat.
Am Donnerstag trat Couchepin unter Druck vor die Medien – und tat die Sache flugs als verbalen Lapsus ab. Nur, wirklich abgenommen hat ihm das keiner. Was als Befreiungsschlag gedacht war, verschlimmerte die Situation. «Schaurig, rüpelhaft, eine Katastrophe», kommentiert ein Mitglied der FDP-Geschäftsleitung.
Die Kommissionsmitglieder warten gespannt, bis die wörtliche Abschrift der heissen Passagen nächste Woche verschickt wird. Der angegriffene Mörgeli hat vorgegriffen. Am letzten Freitag hat er sich die Tonbandaufnahme der Sitzung im Bundeshaus angehört und gemeinsam mit den Parlamentsdiensten eine Abschrift gemacht. Diese liegt SonntagsBlick vor (siehe Box).
Für Couchepin bahnt sich ein Desaster an: Die Abschrift stellt seine Version in Frage, wonach der Mörgeli-Mengele-Vergleich nur ein sprachlicher Lapsus gewesen sein soll und er das Opfer einer Polemik der Medien sei. Stimmt Mörgelis Protokoll, dann hat sich Couchepin ganz bewusst einen unappetitlichen Scherz auf Mörgelis Kosten geleistet – und an der Medienkonferenz erst noch zumindest zweifelhafte Aussagen gemacht.
So sagte Couchepin auf die Frage eines Journalisten, ob sein Vergleich nicht zu Lachern in der Kommission geführt habe: «Quelquun» habe gelacht, irgendwer also. Laut Mörgeli-Abschrift haben aber viele Sitzungsteilnehmer mitgelacht. Couchepin versicherte am Donnerstag, er habe daraufhin gesagt, das sei nicht zum Lachen. Gemäss Mörgelis Protokoll sagte er jedoch: «Warum lachen Sie?» Worauf das Gelächter anschwoll. «Er hat die Stimmung mit seiner scheinheiligen Frage noch angeheizt», so Christoph Mörgeli.
Der Angegriffene zielt hoch hinaus. Der Zürcher Nationalrat will in der zuständigen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur den Antrag stellen, die Tonbandaufnahme öffentlich zu machen.
Eine Entschuldigung will der SVP-Hardliner nicht. Für ihn gibts nur eines: «Bundespräsident Couchepin muss zurücktreten!»