Fast 300’000 Franken verprasst Er kassierte neun Jahre lang die Rente seiner toten Mutter

ZÜRICH - Als die Mutter von Luigi R.* (45) starb, «vergass» der Italiener, ihren Tod zu melden. Neun Jahre lang kassierte er ihre Ehegattenrente und die AHV im Gesamtbetrag von 290’000 Franken.

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Luigi R. (45) vor dem Bezirksgericht Zürich.  Toini Lindroos

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Luigi R.* (45) hangelte sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben. Der gelernte Damenschneider arbeitete mal als Chauffeur, mal als Reinigungsangestellter. Das einzig Konstante: Geld war stets knapp.

Als seine Mutter (†70) starb, «vergass» der Italiener, ihren Tod zu melden. Neun Jahre lang kassierte er ihre Ehepaarrente und die AHV von insgesamt 290’000 Franken.

Luigis Mutter war nach dem Tod ihres Mannes von Zürich in ihre italienische Heimat zurückgezogen. Im November 2006 verstarb auch sie. Ihre Renten hatte sie sich stets auf einem Credit-Suisse-Konto gutschreiben lassen. Dafür besass ihr Sohn Luigi eine Vollmacht und eine Maestro-Karte.

Er stempelte sich zum Rentenempfänger

Zwar schickte ihr die Zürcher Migros 2006 und 2009 das Spezialformular «Lebens- und Zivilstandsbescheinigung», um zu erfahren, ob die Witwe ihres ehemaligen Mitarbeiters noch immer ihren Ruhestand geniesst.

Kein Problem für den findigen Luigi. Er begab sich auf die zuständige Gemeindeverwaltung in der Nähe von Neapel. Dort schnappte er sich in einem günstigen Moment den Gemeindestempel, um das Dokument damit zu versehen. Zudem setzte er die fiktive Unterschrift des bevollmächtigten Beamten darunter. Darauf schickte er der Migros das Formular zurück.

«Mit dem Geld habe ich auch Lotto gespielt»

«Ich habe keinen Mut gehabt, damit aufzuhören», sagt der Angeklagte gestern vor dem Zürcher Bezirksgericht kleinlaut. «Ich bin froh, dass alles rausgekommen ist.»

«Was haben Sie denn mit dem Geld gemacht?», wollte der Gerichtspräsident wissen. «Ich habe es für den Alltag verwendet, alte Schulden bezahlt, aber auch Lotto gespielt», erklärt Luigi. «Ich wollte etwas gewinnen.»

Bis 2028 muss er seine Schulden abzahlen

Das Gericht bestrafte den reuigen Sünder wegen gewerbsmässigen Betrugs und mehrfacher Urkundenfälschung mit zwei Jahren Knast bedingt. Es berücksichtigte, dass Luigi, nachdem die Sache aufgeflogen war, ein vollumfängliches Geständnis abgelegt hatte.

«Sie haben sofort reinen Tisch gemacht, eine Schuldanerkennung und einen Abzahlungsvertrag unterschrieben», meinte der Gerichtspräsident bei der Urteilsbegründung anerkennend. «Viele wollen dann noch um den Betrag «märten». «Luigi zahlt nun seit dem Januar dieses Jahres monatlich 2000 Franken ab – im Jahr 2028 ist alles abbezahlt.

* Name geändert

Publiziert am 24.11.2016 | Aktualisiert am 05.12.2016
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  • Karin  Schwegler 25.11.2016
    Lustig die Schweizer Gesetze. Man kann alles verbrechen was man will, zum Schluss - wenn man geschnappt wird - muss man nur alles bereuen und bekommt fast keine Strafe. Frage mich ob unsere Richter in Wirklichkeit Prister sind? Ist es Ihre Aufgabe zu verzeihen - oder bestrafen? Schutz der Ehrlichen vor diesen Betügern sähe ich eher.
  • Elsbeth  Schmid 25.11.2016
    Möchte nicht wissen, wieviele solcher Rentenzahlungen sowie IV Bezüger wir ins Ausland leisten, obwohl viele bereits verstorben oder quicklebendig durch die Gegend streifen. Ich habe einmal einem IV-Beamten gesagt, es würde sich für die beiden Kassen rentieren, zehn Beamte einzusetzen, welche im Ausland solche AHV Rentner, Alter über 85J, oder IV Bezüger bei welchen man schon misstrauisch war als sie noch in der CH lebten, sporadisch überprüfen würde. Es würde sich auszahlen.
  • drafi  schweizer aus berg
    25.11.2016
    man muss da gar nicht gross zu Rechnen beginnen, den gesamten Betrag incl. Zinsen muss er ja nicht zurück bezahlen, und dann Frage ich mich was für einen Superjob er hat, da muss er Mtl 2000.00 zurück bezahlen, Leben und Wohnen muss er ja auch, und Steuern muss er wohl auch bezahlen, oder hat man ihm die Erlassen bis er alles zurück bezahlt hat, da könnte man ihm die Zinsen wohl auch noch aufbrummen, ob man da wohl ein günstiges Päckli mit ihm gemacht hat, lustige Schweizer Behörden,
  • Alex  Zogg aus Ebikon
    24.11.2016
    Ja und ich hab 2010 und 2011 über 45 Prozent zu viel Steuern bezahlt und das Steueramt reagiert bis heute nicht trotz mehrfacher Aufforderung (Missbrauch als günstiger Kreditgeber) na ja Beobachter TV und Rechtschutz lassen Grüssen
  • lung  mot aus lyssach
    24.11.2016
    Die Daten bei Behörden und Aemter sind besser geschützt als beim Schweizerischen Nachrichtendienst.