Wirbel um Bischof Huonders Narren-Schelte «Fasnacht verführt zum Bösen»

  • Publiziert: 23.02.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Anna Vonhoff
play Von Brasilien bis in die Innerschweiz In São Paulo, Brasilien, verschönert nackte Haut den Karneval. In Luzern die möglichst üppige Verkleidung. (Keystone)

Es herrscht das närrische Treiben. Ein einsamer Hirte macht sich Sorgen. Er warnt vor dem Bösen, das hinter jeder Narrenkappe lauern kann — und erntet Unverständnis.

Fasnacht! Das Fieber ist ausgebrochen! Seit Freitagmorgen wird allerorten geschunkelt und gelacht. Es rasseln die Rätschen und es röhren die Guggen. Die besten Katholiken werden zu Heiden.

Einer ihrer Höchsten im Land verweigert dem Treiben nun seine Absolution: der Churer Bischof Vitus Huonder – einst als Generalvikar nach Chur geholt vom damaligen Bischof Wolfgang Haas.

Huonder kann zwar verstehen, dass man gerne lacht. Aber in einem Interview mit der «Südostschweiz» warnt er seine Schäfchen düster: «Das fasnächtliche Treiben kann zum Bösen verführen!»

Darüber können auch die fröhlichsten Fasnächtler nicht mehr lachen: «Der Bischof soll doch sagen, was er will!», schimpft etwa Claudio Schneider, Präsident der Guggenmusik «Gärschtabüüch» aus Pfäfers SG.

Die Sicht seines Bischofs gehe ihm schlicht «am Arsch» vorbei, setzt Schneider unsanft hinzu. «Ich bin am Umzug und habe meinen Spass. Egal was Vitus Huonder dazu meint!»

Völliges Unverständnis erntet Seine Eminenz auch bei der Churer Fasnachtsvereinigung: «Fasnacht ist absolut nichts Teuflisches, sondern ein friedliches Miteinander», erklärt Präsidentin Iris Peng. «Sonst könnte man ja jeden Anlass, an dem gefeiert wird, als schlecht verunglimpfen.»

Immerhin dürfe sich der Bischof gerne selber von der Friedfertigkeit der Narren überzeugen: «Er ist jederzeit willkommen, mit uns zu feiern», sagt Peng.

In der Fasnachtsstadt Basel schüttelt man nur den Kopf. Walo Niedermann, Obmann vom Comité Schnitzelbängge: «Es ist ja bekannt, dass Religionsführer oft weltfremde Ansichten haben. Da überrascht mich das gar nicht.»

Der Obmann hat auch gleich eine Erklärung für die Aussagen des Bischofs: «Er will sich wohl wieder irgendwie Gehör verschaffen – weil seine katholische Herde ja immer kleiner wird.»

Seppi Fässler ist Präsident der Kulturfasnächtler Luzern. Er will einfach feiern und sich die Laune nicht verderben lassen. Aber etwas gibt dem Luzerner dann doch zu denken: «Was hat der Huonder eigentlich für Vorstellungen? Denn so müsste man am Ende selbst
Fussballspielen verbieten. Schliesslich kann auch das zum Bösen führen.»


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