F/A-18-Crash auf dem Susten «Schleudersitz-Entscheid fällen die Piloten manchmal zu spät»

Weshalb ist gestern eine F/A-18 in eine Felswand gekracht? Viele Fragen nach dem Drama in den Alpen sind noch offen. BLICK sprach mit Aviatik-Journalist Rolf Müller (69) von der Fachzeitschrift «Cockpit».

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BLICK: Sie kennen sowohl die F/A-18 als auch den Militärflugplatz in Meiringen. Was glauben Sie, was gestern passierte?
Rolf Müller von der Fachzeitschrift «Cockpit»: Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: ein technischer Defekt oder ein Pilotenfehler. Was es am Ende war, kann man noch nicht sagen.

Wie beurteilen Sie die Verhältnisse am Flugplatz Meiringen, insbesondere unter den Wetterbedingungen gestern zum Unfallzeitpunkt?
Meiringen ist wegen des schwie­rigen Ab- und Anflugs ein sehr ­anspruchsvoller Flugplatz. Aber grundsätzlich sollten die Piloten kein Problem damit haben. Als Aviatik-Journalist begleite ich sie seit Jahren und weiss, dass die Schweizer im internationalen Vergleich ein sehr hohes Niveau haben. Die Starts und Landungen in Meiringen sind für die F/A-18-Piloten – auch bei bewölktem Himmel wie gestern – absolut Routine. Das Fliegen bei schlechtem Wetter ist die Spezialität der Schweizer Piloten.

Worauf musste der Pilot des verschollenen Jets beim Start gestern besonders achten?
Die Piloten müssen wegen der bergigen Landschaft natürlich rasch an Höhe gewinnen. Dies sollte dank Instrumenten-Flug aber auch bei schlechtem Wetter gut funktionieren, solange kein technischer ­Defekt vorliegt.

Angenommen, schlechte Wetterverhältnisse und ein technisches Problem treten gleichzeitig auf. Was bedeutet dies für den Piloten?
Wenn auf einem Instrumentenflug etwas Unerwartetes passiert, erschwert sich die spontane Entscheidungsfindung dadurch, dass der Pilot sein Handeln nicht mit den Augen kontrollieren kann.

In einem solchen Moment sind Blitz-Entscheide gefragt…
Der Wille, die Maschine retten zu wollen, sitzt tief in den Piloten drin. Deshalb fällen sie den Entscheid, den Schleudersitz zu tätigen, manchmal zu spät.

Der Unglücks-Pilot sollte gemeinsam mit einem Ausbildner an einer Kampfübung mit einem F5-Tiger teilnehmen. Wie läuft ein solches Manöver ab?
Es handelt sich um eine Übung, die man im Fachjargon Dog Fighting nennt. Dabei machen sich die Teilnehmer gegenseitig ausfindig und versuchen sich zu bekämpfen. Das Ganze wird elektronisch simuliert und gefilmt. Anschliessend wird die Aufzeichnung am Boden ausgewertet. Es handelt sich um ein sehr intensives und anspruchsvolles Training.

Publiziert am 30.08.2016 | Aktualisiert am 31.08.2016
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F/A-18-Crash: Schleudersitz-Entscheid ist für Piloten sehr schwer play
Rolf Müller, Experte für Militär-Aviatik: «Schlechtes Wetter ist die Spezialität der Schweizer Piloten.» Swiss Aviation Journalists SAJ

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8 Kommentare
  • Miggu  Weiss aus Olten
    30.08.2016
    immer wieder spannend, was da all die EXPERTEN zu vermuten scheinen. Allen voran diese Aviatik-"Experten" oder gar Journalisten. Lasst dies die Profis machen und lasst den Angehörigen die Hoffnung - diese stirbt bekanntlich zuletzt! Auch das hat mit Respekt zu tun.
  • Andi  Schweizer aus Dübendorf
    30.08.2016
    Bei der Luftwaffe wurden in den letzten Jahren Prioritäten falsch gesetzt. Hauptsache ist heute dass Piloten in Winterthur an der Fachhochschule für Aviatik ein Bachelor erlangen. Man will Piloten die das Fliegen studieren. Fliegen muss man aber lernen und die besten Piloten sind die sogenannten Aviators. Viele plodern immer davon das man heute mehr Systemoperator ist als Pilot. Im Flugzeug muss ein PILOT sitzen welcher fliegt und nicht auf Knöpfen herum drückt bis der Berg kommt. War selber PIL
  • Landre  Marb , via Facebook 30.08.2016
    Man denke immer an den Sinn im Ernstfall und ohne die GSOA auf irgend eine Art und Weise unterstützen zu wollen...Was nützen uns solche super teure pur kriegsorientierte Apparate? Diese horrend hohe Kapitale könnte man doch viel sinnvoller nutzen. Z.B. in eine absolut effiziente Flugabwehr vom Boden aus und eine zeitgeistig zweckmässigere Luftflotte (Helis, etc.).
  • Pedro  Steinmann 30.08.2016
    Was soll jetzt dieses Interview mit diesem älteren Herrn?
    Was hat der Unfall mit dem Flughafen Meiringen zu tun, der FA 18 stürzte im Gebirge ab und von diesem Flughafen sind schon x100 Starts vollzogen worden.
    Also bringt es doch gar nichts solche Vermutungen in die Medien zu setzten.
    • Daniel  Hofmann 30.08.2016
      Absolut korrekt. Was soll auch diese Headline von Blick? Was muss das bei den Angehörigen noch zusätzliche Angst und Ungewissheit auslösen.
      Solange der Pilot noch nicht gefunden wurde, sollte man die Hoffnung nicht aufgeben und etwas ermunternde Schlagzeilen bringen, das auch nur schon im Hinblick auf die Angehörigen.
  • paul  kieffer 30.08.2016
    Kann es nicht auch sein, dass es ein gesundheitliches Problem gegeben hat.
    Kurzer Aussetzer im falschen Moment.
    In den Berichten ist immer nur von "Technischem Defekt" oder "Piloten Fehler" die Rede.
    Ich bin sicher, dass die Cracks bei diesen extremen Belastungen auch mal kurz für bruchteile einer Sekunde unkonzentriert sein können oder wie gesagt einen kurzen Aussetzer haben können.
    Das wäre trotzt aller Übung eben auch menschlich und somit auch möglich.
    • Dieter  Burkhalter 30.08.2016
      @paul kieffer: Worst case ist, wenn die Luftzufuhr in die Atemmaske irgendwelche betäubenden Stoffe beinhaltet. Dies kam schon vor. Die US Luftwaffe kennt dieses Problem. Teilweise kommen Öldämpfe in die Atmungsanlage und diese Dämpfe können hochgiftig sein und einen Piloten wirklich bewusstlos werden lassen. Theoretisch ist vieles möglich, aber zurzeit sollte nicht spekuliert werden.
    • Harry  Potter aus Hogwarts
      30.08.2016
      Ich kann mir vorstellen das das auch unter Pilotenfehler geht. Pilotenfehler heisst für mich nicht unbedingt dass er was dafür konnte, aber wenn er aus gesundheitlichen Gründen ein Absturz hat ist im Endeffekt der Pilot die Schwachstelle gewesen. Egal aus welchem Grund. Aber ich nehme an die Piloten werden regelmässig Checks unterzogen, ob sie zu jeder Zeit den körperlichen Anforderungen gewachsen sind.