Experte warnt So schlecht sind wir für Ebola gerüstet!

Die Angst vor Ebola geht um. Kommt das Killervirus nach Europa, stösst unser Gesundheitssystem schnell an seine Grenzen.

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Krisensitzung zu Ebola: Anfang Woche lädt der Bund zum runden Tisch mit Ärzten und Experten, um für die koordinierte Aufnahme von Ebola-Patienten gewappnet zu sein. Ein nationaler Notfallplan existiert nicht, der Umgang mit dem Todesvirus ist kantonal organisiert. Doch das macht vor Grenzen nicht halt. 

Ebola ist bei uns angekommen. Erstmals hat sich in Europa ein Mensch mit dem Virus infiziert. Die spanische Pflegehelferin Teresa Romero (44) kämpft in der Madrider Klinik Carlos III. um ihr Leben. Sie wird mit dem experimentellen Medikament ZMapp behandelt.

Romero steckte sich bei der Pflege eines Missionars an. Der hatte sich in Liberia mit dem Ebola-Virus infiziert. Er ist mittlerweile verstorben.

Spätestens seit der Fall bekannt wurde, geht in Europa die Angst um. Mehrere Staaten haben ihre Vorkehrungen gegen die Krankheit verstärkt. Grossbritannien probte in einer landesweiten Übung den Ernstfall – um zu testen, ob man für einen Ausbruch gewappnet sei.

Weiterhin kein Screening am Flughafen Zürich

Und an zwei Londoner Flughäfen werden Einreisende aus Westafrika stärker kontrolliert. Auch die USA haben an fünf Flughäfen die Kontrollen verstärkt – bei Passagieren aus Westafrika wird die Temperatur gemessen. Am Flughafen Zürich findet ein solches Screening weiterhin nicht statt.

Bis anhin wütete Ebola vor allem in Sierra Leone, Guinea und Liberia. Bis zum 8. Oktober haben sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 8400 Menschen angesteckt – bis Ende Januar 2015 könnten es laut WHO-Experten 1,4 Millionen sein. 4033 Tote hat das Virus bis gestern gefordert.

Die apokalyptischen Bilder von Helfern in Schutzanzügen, von Leichen auf den Strassen, von überfüllten Behandlungszentren – das war lange Zeit weit weg. Nun plötzlich steht Ebola vor der Haustür.

Wie andere Behörden im Westen betont auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) stets, dass die Gefahr eines Ebola-Ausbruchs angesichts unseres Gesundheitssystems unrealistisch sei, dass die Ausbreitung rasch gestoppt würde. Mit einem grösseren Ausbruch oder gar einer Epidemie rechnen die Schweizer Behörden nicht.

Und doch: Spezialisten sind nach der Erkrankung der spanischen Pflegerin beunruhigt. Sie möchten wissen, wie das Virus sie trotz Schutzanzug infizieren konnte. Dies ist weiterhin unklar. «Das interessiert uns extrem», sagt der stellvertretende Kantonsarzt und Infektiologe am Spital Wallis, Frank Bally.

Laut einer aktuellen Studie liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Ebola-Virus bis Ende Oktober über den Flugverkehr in die Schweiz eingeschleppt wird, bei ungefähr fünf Prozent.

Viele Spitäler wären überfordert

Infektiologe Bally hofft, dass sich Ebola in der Schweiz nicht grossflächig ausbreitet. Der Kanton Wallis verfügt zwar über vier Isolierzimmer und Spezialisten, die im Umgang mit Ebola ausgebildet sind. Bei einem grösseren Ausbruch des Killervirus aber wäre das Gesundheitssystem nicht nur im Wallis, sondern gesamtschweizerisch einer Belastungsprobe unterworfen. «In so einer Situation wären viele Spitäler überfordert», sagt Bally.

Gewisse Behandlungen könnten die Spitäler dann nicht mehr anbieten. Das Problem: Sie arbeiten als 24-Stunden-Betriebe. «Wir können heute nicht beliebig zusätzliches Personal für einen Einsatz gegen Ebola ausbilden, müssten es aber, wenn sich die Situation zuspitzen würde.»

Wie stark bereits eine einzelne Ansteckung ein Spital belastet, zeigt der Fall in Spanien: Heute stehen 17 Menschen unter Quarantäne, mit denen die Pflegerin offenbar Kontakt hatte. Um sie zu behandeln, wurden in der Klinik drei Stockwerke freigeräumt.

Noch aufwendiger ist die Behandlung eines Ebola-Kranken: Hier sind rund 20 gut ausgebildete Fachkräfte nötig – alle in Schutzanzügen.

Zwei Speziallabors der Schweiz können das Virus im Blut erkennen

In der Schweiz werden derzeit alle Ebola-Verdachtsfälle am Universitätsspital Genf untersucht. Es verfügt über zwei Isolierzimmer mit Unterdruck und vier Behandlungsplätze. In Genf liegt zudem eins von zwei Speziallabors der Schweiz, die das Virus im Blut diagnostizieren können. Das andere ist in Spiez BE.

Über ein oder mehrere Isolierzimmer verfügen die anderen Unispitäler in Lausanne, Basel, Bern und Zürich. Falls nötig, könnten weitere Räume für Ebola-Patienten eingerichtet werden – allerdings nicht ohne mehr Personalaufwand.

«Ein Ebola-Patient im Isolierzimmer braucht mindestens so viel Personal wie zwei Patienten auf der Intensivstation», sagt der Infektiologe am Inselspital Bern, Hansjakob Furrer. «Ein deutlicher Mehraufwand.»

«Mit Einzelfällen wie in Spanien können wir gut umgehen», sagt Patrick Mathys, Leiter der BAG-Ebola-Taskforce. Und: Es sei nicht damit zu rechnen, «dass wir in der Schweiz Dutzende Fälle haben». Hoffentlich behält er recht.

Publiziert am 12.10.2014 | Aktualisiert am 16.10.2014
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34 Kommentare
  • Esther  Frank 12.10.2014
    Schon bei SARS hat jeder Kantonsarzt einen eigenen Notfallplan ausgearbeitet. Es ist unverständlich, dass nicht alle Kantonsärzte gemeinsam einen Notfallplan mit ihren Mitarbeitern ausarbeiten können. Warum muss jeder Kanton sein eigenes Süppchen kochen? Und wenn ich denke, wie der Bund sagte, wir wären gerüstet, hätten genug Isolierzimmer, wird mir immer noch Angst und Bange. In der Schweiz gibt es nicht genügend Isolierzimmer,ausser der Bund will Erkrankte in Festungsanlagen stecken.
  • Christoph  Schindler aus Thurgau
    12.10.2014
    Finde es schon komisch wie gelassen über diesen hochansteckenden und absolut tödlichen Virus berichtet wird. Darüber was passieren könnte falls er es bis hierher schafft. damit meine ich nicht diese "pro Land 1 Erkrankter" Fälle
    Damit müssteman doch aber eigentlich schon rechnen, da natürliche Krankheiten keine Grenzen kennen und sich das eigentlich hier schon längst hätte ausbreiten sollen.
  • Rolf  Gurtner aus Münsingen
    12.10.2014
    Und wieder einmal einen Riesendank an den Träumerverein vom Bundeshaus! Ausser abstrusen Thesen zum Steuern eintreiben kommt da ja nun wirklich kaum mehr brauchbares. Mit den Spitälern ist es wie mit der Armee: Kaputtgespart, nennt sich das. Hinzu kommt die ja nicht exisiterende Überbevölkerung. Die Quittung dafür wird bald einmal folgen.
  • Till  O'Rly aus Winterthur
    , via Facebook
    12.10.2014
    1. Bis jetzt sind an Ebola, in Ländern mit prekären Hygieniebedingungen und Gesundheitssystemen weniger Leute gestorben als bei einem gewöhnlichen Grippeausbruch in Europa.
    2. Ebola wird nicht über Tröpfchen, sprich Husten und Niesen übertragen.
    3. Ebola ist noch ansteckend, nachdem der Patient gestorben ist. Hier in Europa küssen und umarmen wir Tote nicht bei der Beerdigung.
    4. Trotzt 1 und 3 steckt ein Ebolafall im Schnitt 2 weitere an, etwa wie bei einer Grippe in Europa.
  • Michael  Meienhofer aus Ostermundigen
    12.10.2014
    Schlecht gerüstet ? Vielleicht sind die Flopfs zur Beschaffung durch den Bund von diversen Impfstoffen gegen Epidemien, schon wieder vergessen ! ja keine Panik - das könnte der Wirtschaft satte Einbussen bescheren - Lieber das Risiko eingehen, am Schluss weniger Konsumenten an der Verkaufsfront zu bedienen.....?!?!