Exklusiv: 360°-Video aus dem Cockpit des PC-7 Team Erleben Sie den Höllenritt der Kunstflieger hautnah

Während die Piloten vom PC-7 Team ihre Luftakrobatik zeigten, liess BLICK im Cockpit die Rundum-Kamera laufen. Die Reportage zeigt: Nicht jeder ist für Loopings geschaffen (360°-Video läuft nur auf Desktop-Computer).

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Live-Ticker + F/A-18 bei Luftkampf-Training im Raum Susten-Pass...
2 Missbildungen bei Babys Swissmedic warnt vor diesen Akne-Medikamenten
3 In Zürich unterwegs Der Hönggerberg-Schütze darf wieder raus

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
929 shares
7 Kommentare
Fehler
Melden

360°-Video auf Youtube (läuft auch auf Mobilgeräten)

Vom Boden sieht für mich alles so einfach aus. In majestätischen Bögen ziehen die Kunstflieger des PC-7 Team in knapp 100 Metern Höhe über den Flugplatz von Dübendorf ZH. Die neun rotweiss lackierten Maschinen mit Turbopropellern bilden mal ein formschönes Quadrat, mal einen perfekten Pfeil. Es gibt Loopings, Rollen, alle punktgenau gesetzt. Als Höhepunkt formen sie einen Tunnel, durch den der Solist in entgegengesetzter Richtung fliegt. Der Atem stockt.

Übungsflug des PC-7 Team, des zweiten Schweizer Kunstflugverbands neben der Patrouille Suisse. Ihre Luftakrobatik fliegen die Piloten mit dem Ausbildungsflugzeug der Schweizer Luftwaffe, der Pilatus PC-7. Das Team feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen.

Wer ihnen beim Briefing für den Flug beiwohnte, wer sah, wie jedes Manöver einzeln durchgesprochen wurde, wer selber in der PC-7 mitflog, dem wird klar: Das ist ein Knochenjob. Und nicht für jedermann.

Wie sich das anfühlt da oben, in luftiger Höhe: Oberst Werner «Höffi» Hoffmann (48) will es mir zeigen. Er ist Berufsmilitärpilot und seit fünf Jahren Kommandant des PC-7 Team. Ich soll erleben, welche Belastungen ein Militärpilot aushalten muss. Und wie er dennoch zentimetergenaue Manöver fliegt.

Auf dem Rollfeld des Flugplatzes Dübendorf schnallt mir jemand von der Bodenmannschaft einen Fallschirm auf den Rücken. Hoffmann erklärt, wie ich ihn im Notfall auslöse. Er setzt mich hinter sich ins Cockpit der Propellermaschine. Es ist ein obligater Trainingsflug. Für Fluglehrer wie ihn Pflicht, um das Jahressoll an Flugübungen zu erfüllen. Normalerweise gibt er am Boden übers Funkgerät Korrekturen durch, während sein Team die Kunststücke fliegt.

Wir starten in Richtung Emmen LU. Schon geringe Turbulenzen rütteln am Flugzeug. Der Blick über die Voralpen entspannt. Über Emmen simuliert Hoffmann einen Triebwerksausfall. In mehreren Schlaufen segelt er präzise aufs Landefeld zu, für eine überraschend sanfte Notlandung. Ich fühle mich gut aufgehoben.

Das PC-7 Team gilt wie die Patrouille Suisse als Visitenkarte von Schweizer Armee und Luftwaffe. Diese gründete das Team 1989 anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens. Neun Berufsmilitärpiloten der Luftwaffe fliegen nebenbei für das Team. «Dynamik, Eleganz und Präzision der Fliegerei, das wollen wir der Bevölkerung zeigen», sagt Hoffmann. Die Leute hätten ein Recht darauf zu erfahren, was Militärpiloten können müssen.

Der Kunstflugverband zeige die Einsatzbereitschaft der Luftwaffe. «Das PC-7 Team ist nicht zum Plausch hier. Wir arbeiten hart.» Die Kunststücke vorzuführen, sei Übung für den Ernstfall: Alles muss stimmen, jeder muss sich auf den anderen verlassen können. Fehler dürfen keine passieren.

Wir fliegen mit 300 Stundenkilometern in Richtung Sihlsee im Kanton Schwyz. Im Pflichtenheft stehen Kunstflugmanöver. Sie gehören zum Grundrepertoire jedes Militärpiloten. Über Funk erklärt der Pilot, welche Kunststücke wir gleich fliegen. Er tut dies auf eine beruhigend fürsorgliche Art. Wir würden «keine Spezialakrobatik» machen, sagt er, nur Standardmanöver.

Wir fliegen nun also diesen Looping. Für Kunstflugpiloten ist er ein einfaches Manöver. Für die Zuschauer faszinierend. Wir steigen steil auf. War vorher über uns der Himmel zu sehen, blicken wir nun kopfüber auf das von Wellen gerippelte Wasser des Sihlsees unter uns. Über den ungewöhnlichen Blick staune ich wie ein Kind. Und dann der Sturzflug. Ich jauchze. Und verstumme sofort. Als wir in die Horizontale zurückrasen, drücken mich für lange Sekunden unglaubliche Kräfte in den Sitz. Höffi kennt kein Erbarmen. Sogleich folgt die Rolle seitwärts, dann der Lap Turn, eine scharfe Kurve in der Senkrechten. Mir wird schwindlig, am Rücken sammelt sich kalter Schweiss. Plötzlich sehe ich nur noch verschwommen.

Kräfte, die dem vierfachen meines Körpergewichts entsprechen, drücken mir das Blut aus dem Kopf in die Beine. Für Militärpiloten sind solche g-Kräfte ein Witz. Ihr Körper hat sich längst daran gewöhnt. Für mich sind sie zu viel. «Alles gut bei dir?», funkt Hoffmann. «Ich glaube, mir reichts», winsle ich.

Ich hatte soeben ein Greyout, die Vorstufe eines Blackouts. Es führt zu Ohnmacht. Wir beenden die Akrobatikübung, steuern zurück nach Dübendorf. Bleich und erleichtert steige ich dort wieder aus der Maschine. Höffi meint, ich hätte mich eigentlich gut gehalten. Aber warum nur die besten Piloten ins PC-7 Team gewählt werden – es ist mir an dem Tag klar geworden.

Publiziert am 16.08.2014 | Aktualisiert am 05.08.2015
teilen
teilen
929 shares
7 Kommentare
Fehler
Melden

Air14: 100-Jahr-Feier der Luftwaffe

Payerne FR –Zum 100. Jahrestag der Schweizer Luftwaffe findet in Payerne an zwei Wochenenden (30./31. August und 6./7. September) die grösste Flugschau in der Schweizer Geschichte statt: Die Air 14. Der Militärflugplatz wird zum Treffpunkt der internationalen Luftfahrt. Pro Tag erwarten die Veranstalter 100 000 Besucher. Zu den Höhepunkten zählen Flugzeuge aus über hundert Jahren Fluggeschichte, zahlreiche Kunstflugteams aus dem Ausland und natürlich die Schweizer Kunstflugstaffeln Patrouille Suisse und PC-7 Team. Programm und Tickets gibt es auf www.air14.ch

TOP-VIDEOS

7 Kommentare
  • Havi  Alrub 16.08.2014
    ich freue mich riesig auf die airshow ende monats in payerne.
  • Michael  Thommen 16.08.2014
    Die Verherrlichung dieser sogenannten Helden ist schon sehr bedenklich. Aber erwachsene Männer brauchen anscheinend ihre Spielzeuge....
  • Kobel  Rudolf 16.08.2014
    Nicht überbewerten diesen Clip.Jeder der ca.2500Fr in eine GoPro Kamerasystem inverstiert und die möglichkeit hat mitzufliegen kan sowas machen.Trotzdem ein schöner Clip.
  • Hanspeter  Woodtli , via Facebook 16.08.2014
    Ein Wahnsinn, dieser Film. Und sowas kostenlos.
    Kann man einen Link zum Film erhalten ?
    Gratulation und Danke
  • Peter  Schmid aus Obernau
    16.08.2014
    Vielen Dank für diesen Bericht. Sonst wird nur negativ berichtet über die Luftwaffe. Leider hat der Bundesrat diese Woche mit dem Auslad der Russen für mich und zwei weitere Personen die Air 14 gestrichen, aus Protest gegen eine unnötige Aktion gegenüber Russland.