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Der Tag, an dem der Investment-Banker Marco König* (30) zum ersten Mal in einer Warteschlage vor dem RAV-Schalter in Meilen ZH stand, war ein sonniger Mittwoch im März. Der bisherige Vielverdiener fand sich inmitten von «klassischen Arbeitslosen» wieder. Vor ihm «eine alleinerziehende Mutter und ein Mann aus Ex-Jugoslawien». Der Ex-Banker geschockt: «Ich kam mir vor wie im falschen Film.»
Er, der «Super»-Banker, aufgewachsen an der Goldküste, mit Uni-Abschluss und mehrjähriger Berufserfahrung, lag plötzlich dem Staat auf der Tasche. «Ich dachte immer, Arbeitsämter seien etwas für Sozialschmarotzer», sagt er.
Dass er je auf Geld vom Arbeitsamt angewiesen sein würde, hätte er sich nie träumen lassen. Mittlerweile aber habe er seine Situation akzeptiert. Das Geld braucht er dringend – «schliesslich muss ich meine Wohnung bezahlen».
Von seinem ersten RAV-Besuch zeigt sich König angenehm überrascht. «Meine Beraterin hat mal auf der UBS gearbeitet. Sie kennt sich im Bankenwesen wenigstens ein bisschen aus.» Doch helfen können habe ihm «das Fräulein» bisher nicht. Die beiden Internetseiten mit Stellenangeboten, die ihm die RAV-Beraterin zeigte, habe er «selbstverständlich» bereits gekannt. «Dass ich auf dem Amt wirklich hilfreiche Tipps für meine Jobsuche bekomme, habe ich auch nicht erwartet – solche Sachen sind vielleicht für Leute aus der Baubranche nützlich», sagt er.
Dass viele Banker bei den RAV-Angestellten einen arroganten Eindruck hinterlassen, kann König nachvollziehen. «Wir treten halt selbstischer auf. Das kann den einem oder anderen schon in den falschen Hals geraten», meint er.
*Name von der Redaktion geändert