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Samstag, 24. September – am Tag vor den Gemeindewahlen. Hauswart Armin M. geht wie so oft zum Gemeindehaus, macht seinen Rundgang. «Er sagte, dass er auch die Zeitungen aus dem Briefkasten nehmen wolle», erzählte Untersuchungsrichter Stefan Kalt (57) gestern BLICK.
Doch diesmal holt Armin M. nicht nur die Zeitungen. Er nimmt auch die Stimmcouverts aus dem Briefkasten. «Er hat spontan gehandelt, nicht für einen Auftraggeber», sagt Kalt. «Er war frustriert, hatte Probleme mit seinem Chef, CVP-Gemeindeammann Max Läng. Er wollte, dass dieser ein schlechtes Wahlresultat kriegt.» Da sind einerseits persönliche Differenzen, anderseits politische.
Mit den Couverts geht Armin M. in den Keller und setzt sich in seinem Büro ans Holzpult. Dann öffnet er sorgfältig jedes Couvert. Er streicht Namen, ergänzt Wahlzettel oder füllt leere aus. Dann schliesst er die Couverts wieder und legt sie zurück zur Post. «Er muss Stunden gebraucht haben», sagt Kalt. Der Untersuchungsrichter weiter: «Er hat zwischen 150 und 200 Wahlzettel gefälscht.»
Bei der Auszählung am Sonntags merken die Wahlbüro-Leute nichts. Die Resultate gehen raus. «Es kommt vor, dass sich Wähler anders entscheiden und durchstreichen», erklärt Gemeindeschreiber Anton Meier (43). Am Montag habe man alle Zettel systematisch geprüft und dabei gesehen, dass etwas nicht stimme. Da habe man Anzeige gemacht. Nur: Die Fälschung kann nicht korrigiert werden. Alle Kandidaten sind davon betroffen.
Am Dienstag werden alle, die einen Gemeindehaus-Schlüssel besitzen, befragt – auch Armin M. «Er wollte nichts zugeben», sagt Kalt. Dann vergleicht der Untersuchungsrichter die Unterschrift unter M.s Aussage mit der Schrift auf den gefälschten Zetteln – und der Täter steht fest. «Ich hatte keine Zweifel mehr, gab ein Gutachten in Auftrag.» Armin M. bestreitet die Tat die ganze Woche. Kalt: «Übers Wochenende hat er mit seiner Frau geredet und sich am Montag gestellt.»
Jetzt ist Armin M. abgetaucht. Sein Anwalt Peter M. Conrad (35): «Er ist eigentlich ein sehr korrekter Mensch. Umso niedergeschlagener ist er jetzt. Es tut ihm leid. Er wird sich in den nächsten Tagen bei allen Beteiligten schriftlich entschuldigen.» Die Gemeinde hat den Abwart noch am Montag gefeuert! Zudem kosten die Neuwahlen vom 27. November über 10000 Franken zusätzlich.
Die Obersiggenthaler sind empört. Nur noch Freunde halten zu Armin M. Man kennt ihn gut im Dorf. Er ist ein Einheimischer, seit über zehn Jahren Hauswart. Vor acht Jahren tritt er der SVP bei, wird im Herbst 1997 Einwohnerrat. Im Jahr 2002 dann die Krönung seiner politischen Karriere: Einwohnerrats-Präsident, der «höchste» Obersiggenthaler. Gestern gab er offenbar seinen Rücktritt aus der SVP.
Armin M. drohen wegen Wahl- und Urkundenfälschung bis zu 3 Jahre Gefängnis.
* Name der Redaktion bekannt