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Mit KopftuchEs ist Gesprächsstoff, was sich Micheline Calmy-Rey (62) vergangene Woche auf ihrer Reise in den Iran um den Kopf gewickelt hat: ein weisses Tuch, fast transparent und so lang wie ein Vorhang.
Musste dieses Kopftuch wirklich sein, Frau Bundesrätin? Diese Frage gibt zu reden. In Bundesbern, im ganzen Land.
Und auch im Iran: «Ich bin enttäuscht von dieser Frau», sagt eine junge Iranerin, die in Teheran Philosophie studiert. Und fügt an: «Wir kämpfen weiter gegen den Kopftuchzwang, auch wenn westliche Politikerinnen ihre Unterwerfung offenbar freiwillig zelebrieren.»
Als wäre der Arbeitsbesuch von Calmy-Rey beim iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad (51), einem möglichen Atombombenbauer und bekennenden Holocaust-Leugner, nicht schon umstritten genug: Die Aussenministerin muss sich auch den Vorwurf gefallen lassen, mit ihrem verschleierten Auftritt vor den Macho-Despoten im religiösen Gottesstaat Iran einen Kniefall gemacht zu haben.
Jetzt schaltet sich FDP-Ständerätin Christine Egerszegi (59/AG) in die Debatte ein: «Ich bin erstaunt, dass Frau Calmy-Rey im Iran ein Kopftuch trug», sagt sie – und geht damit auf Distanz zur SP-Bundesrätin, an deren Seite sie letztes Jahr auf dem Rütli gegen Rechtsextreme und für Frauenrechte eingestanden ist. «Ich verstehe Calmy-Reys Beweggründe nicht», so Egerszegi. «Es ist unnötig, ein Kopftuch zu tragen!»
Im November 2007 zeigte Egerszegi, damals höchste Schweizerin, wie frau es auch machen kann: Sie traf in Riad offiziell den saudischen König Abdallah bin Abdelaziz Al-Saud (83) – ohne Kopftuch!
«Für mich kam es nie in Frage, mich zu verschleiern», sagt Egerszegi. Das Kopftuch ist für sie «ein Symbol der Unterdrückung».
Calmy-Rey jedoch verteidigt ihren schleierhaften Auftritt: «Das war keine Unterordnung, sondern Respekt gegenüber den Regeln des Landes.» Dank dem Kopftuch habe sie offensiv heikle Themen wie die Menschenrechte ansprechen können, sagt Calmy-Rey. Aber auch da widerspricht Egerszegi: «Ich hatte nicht das Gefühl, mich in Saudiarabien anpassen zu müssen, obwohl auch ich Klartext redete.»
Ausgestanden ist die Affäre für Calmy-Rey noch nicht. «Wir verlangen, dass sich die Bundesrätin vor der Aussenpolitischen Kommission erklärt», sagt CVP-Chef Christophe Darbellay (37). Ihr Kopftuch lasse den Respekt vor der Gleichberechtigung vermissen, sagt er. «Calmy-Rey muss uns sagen, warum sie diesen peinlichen Kniefall vor Ahmadinedschad gemacht hat.»